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Ratingen
Wie aus Steinen Kunst für die Kirche wird

Ratingen: Wie aus Steinen Kunst für die Kirche wird
Für den Kölner Künstler Josef Wolf wurden zwei schwere Steinbrocken und Schieferbruchstücke herangeschafft. FOTO: d. janicki
Ratingen. Der Steinbildhauer Josef Wolf wird fast neun Tonnen Schiefer und Tuffstein in St. Peter und Paul verarbeiten. Von Gabriele Hannen

Auch in der Ratinger Pfarrkirche St. Peter und Paul gilt: "Der Glaube versetzt Berge." Doch dazu gesellt sich nun eine gar treffliche Parallele: "Die Kunst türmt Berge auf." In der vergangenen Woche hat nämlich der Kölner Steinbildhauer Josef Wolf fast neun Tonnen Schiefer und Tuffstein in die Kirche schaffen lassen und zu zwei "großen Schüttungen" und einer kleineren "Schichtung" gerichtet. Bis Ende Juli sollen die Arbeiten auf jeden Fall Betrachter fesseln können.

Die Kunstaktion ist auf Betreiben des Vereins mit dem schönen Namen "Kunst in Kirche" ans Laufen gekommen, die ersten Kontakte und auch die nächsten hat die Ratinger Anwältin Romana Fasselt geknüpft und mit Unterstützung von Pastor Daniel Schilling weiter gepflegt. Und in der hiesigen Kunstszene kam die Botschaft an: Das Ratinger Museum wird in einem seiner Räume demnächst eine Ausstellung von Papierarbeiten des Künstlers zeigen; Arbeitstitel "Entstehung der Steine".

Josef Wolf arbeitet außer mit Ölschiefer vornehmlich mit Weiberner Tuff, dem Silikat haltigen Gestein, das die Vulkantätigkeit der Eifel hervorgebracht hat. Auch heute wird Tuff als Material beschrieben, das überwiegend aus verfestigter vulkanischer Asche besteht. Es unterscheidet sich in Dichte, Härte und der Möglichkeit, bearbeitet zu werden - je nachdem - ob es aus Eruptionen stammt oder ob es bei anderen vulkanischen Prozessen entstanden ist. Generell ist der Tuff aus der Region ein relativ weiches Gestein und lässt sich daher gut als Naturwerkstein verarbeiten. Aufgrund seiner dämmenden Eigenschaft wird er gerne als Baumaterial verwendet. In Deutschland wurden Tuffe im Bauwesen als Massivbausteine nicht nur lokal verbaut. Die Tuffe aus der Eifel sind aufgrund ihrer Nähe zum Rhein entlang der Wasserstraße verbreitet, Beispiele hierfür sind das Rathaus in Koblenz, der Kölner Dom und zahlreiche Häuser in Koblenz. Nun schnitzt Wolf keine Madonnen in Tuff, sondern respektiert dessen archetypische Formen, die ihm jeweils beim Aussuchen im Steinbruch die Entscheidung für diesen und nicht jenen Stein leicht gemacht haben. Er greift nur so weit in die Form ein, dass Standfestigkeit gesichert ist, dass sich Ensembles wie "zufällig" fügen, dass zum Beispiel Wucht und Leichtigkeit gleichermaßen wirken.

Die Installationen befinden sich im ältesten Teil von St. Peter und Paul, im mächtigen, romanisch begründeten Westturm, vor dem rechten Seitenaltar mit der Plastik des Hl. Sebastianus aus dem 18. Jahrhundert und vor dem Josefsaltar, dem Pendant an der linken Seite vor dem Chorraum. Dieser Altar ist neugotisch - aus dem Jahr 1899 und vom Düsseldorfer Bildhauer Josef Reiss gefertigt - mit einer in Tirol gefertigten Statue des Hl. Josef mit Kind. Sie wurde zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts hergestellt. Auch, wenn Wolf seine Werke schon im Kölner Kolumba ausgestellt hat, dem hauseigenen Museum des Erzbistums Köln, dreht es sich nicht um grundsätzlich christliche Kunst. "Ich gebe meinen Arbeiten bewusst keine Titel, damit die Betrachter nicht unermüdlich das in ihnen suchen, was ein Name ihnen als Etikett ankleben könnte", erklärt der Steinbildhauer.

Es gibt Grundriss, Fotos und Aufzeichnungen über die Menge der Steine, die zum Beispiel einmal im Museum waren. Sie werden danach neu geschüttet, in vielem gleich, in manchem verschieden, in sich selbst schlüssig. Und sind für eine Weile in dem Gebäude zu Hause, das unter anderem dem Heiligen geweiht ist, von dem es heißt "Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen". Felsen allerdings sind wieder mal was ganz anderes.

Quelle: RP
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