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Wie die City Einkaufsmeile werden soll

Analyse: Wie die City Einkaufsmeile werden soll
Vom Minimodell des Einkaufszentrums auf dem Kiekert-Areal - hier betrachtet von Stadtspitze und Investor - ist noch nichts realisiert. FOTO: A. Blazy
Heiligenhaus. Einzelhandel auf dem Kiekert-Areal, ein weiteres "Nahversorgungszentrum" in Sichtweite auf dem Hitzbleck-Gelände. Die verblüffend ähnliche Neunutzung zweier Industriebrachen kann funktionieren, sagt ein Gutachten. Eine Garantie ist das nicht. Von Paul Köhnes

An Debatten um die jetzt noch grün überwucherte Fläche Ecke Westfalenstraße und Kettwiger Straße war nie Mangel. Ist noch in Erinnerung, wie über hypothetische Quadratmeterflächen in hypothetischen Ladenlokalen dort gerungen wurde? Über Sortimente, Zugänge und Drumherum fürs Auge in der neuen Mitte der Stadt Heiligenhaus mit Park nebendran und Uni-Neubau dahinter? Das alles hatte ein ehrenwertes Ziel: bessere Nahversorgung sichern - ohne damit den Einzelhandel entlang der Hauptstraße zu beschädigen. Dies alles fand sich anschließend in den Ausschreibungsunterlagen. Die Hamburger Firma Procom erhielt 2013 den Zuschlag - und seither tut sich nichts Sichtbares mehr.

Dann eine Präsentation mit Knalleffekt: Unmittelbar vor den Ferien zaubert die Stadt ein weiteres Multimillionenprojekt aus dem Hut. Wieder geht es um eine zu belebende Industriebrache in der engeren Innenstadt, wieder um das Thema "Nahversorgung". Und irgendwie auch wieder darum, dass keiner keinem Konkurrenz macht, weil alles so gut zusammenpasst oder passen könnte. Verwundertes Nachzählen hat bei der Fraktion "Die Linke" auf Kreisebene eingesetzt. Man zählt fünf Einkaufszentren für die 26.000-Einwohner-Stadt (wenn alles fertig ist) und stellt fest: Trotzdem kann jeder Konsum-Euro nur einmal ausgegeben werden. Die Befürchtung: Leerstand entlang der Hauptstraße. Also genau das, was schon vor Jahren hatte verhindert werden sollen - eben beim Nachdenken über das Einkaufen auf dem Kiekert-Areal.

So stellen sich die Planer die Zukunft der Hitzbleck-Industriebrache vor. Das Thema auch hier: Einkaufen. FOTO: HBB

Tatsächlich ist für die mittlere Zukunft eine Abstimmung - wenn nicht mit den Füßen, dann mit dem Auto-Kofferraum - nicht auszuschließen. Auf wenigen Kilometern von West nach Ost können Kunden dann möglicherweise so wählen: Einkaufen auf dem Höseler Goldkuhle-Gelände (unwahrscheinlich), im Grün-Selbeck (vorhanden), auf dem Kiekert-Areal (offen), im Hitzbleck-Nahversorgungszentrum (Pläne am Start) oder bei Real an der Stadtgrenze zu Velbert (alteingesessen). Nun versteht sich von selbst, dass es sich bei den großen Einkaufscentern nicht um Klone handelt. Schon gar nicht, wenn das Drumherum stimmt. Trotzdem kann etwas Wehmut aufkommen, wenn man an alte Strukturen zurückdenkt: kleine, inhabergeführte Geschäfte, Spezialitätenläden, Raum für Originelles. Das alles ist in den Hintergrund geraten - beinahe erschlagen von Multimillionen-Investitionen. Wenn sie denn getätigt und nicht nur berechnet werden. Denn schon bei allen Plänen für das Kiekert-Areal zeigt sich seit 2013: Praxis kann Planpapier überholen.

Quelle: RP
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