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Kreis Mettmann
Wie einfach Diebe teure Autos stehlen

Kreis Mettmann. Ein 85.000 Euro teurer BMW verschwindet einfach nachts von der Straße. Wie schaffen es die Täter, mit den Autos einfach davon zu brausen? Das Geheimnis versteckt sich in der Elektronik. Und: Man kann sich schützen. Von Oliver Wiegand

Ob Range Rover, Porsche, Audi A 8 und oder BMW der 5er und 7er Reihe 6 - immer wieder verschwinden quasi über Nacht hochwertige Autos aus dem Kreis Mettmann. Wenn die Besitzer überhaupt etwas mitbekommen, dann vielleicht das kurze Aufheulen des Motors. 219 Autos sind im vergangenen Jahr in unseren zehn Städten gestohlen worden. Wieder aufgetaucht davon sind 46. Der Rest bleibt verschollen.

Wie gelingt es den Tätern, die Autos innerhalb kürzester Zeit zu öffnen, zu starten und wegzufahren? Die Polizei im Kreis Mettmann vermutet, dass vor allem die so genannten "Keyless-Entry" oder auch "Keyless-Go-Systeme dafür verantwortlich sind. Die bis zu 800 Euro extra kostende Sonderausstattung bewirkt ein Öffnen oder Schließen des eigenen Autos ohne ein direktes Betätigen des Schlüssels, sobald man sich seinem Fahrzeug nähert.

Genau an diesen Punkt setzten die Täter an. Offenbar sind auch im Kreis Mettmann bereits so genannten "Funkwellenverstärker" zum Einsatz gekommen. Mithilfe dieser selbst gebastelten Geräte verstärken die Täter das Signal der Autoschlüssel, die etwa auf dem heimischen Küchentisch oder direkt hinter der Haustür am Schlüsselbrett hängen. Mit den Verstärkern steuern die Diebe die Autoschlüssel an und verstärken deren Signal, so dass sich der vor der Tür geparkte Wagen wie von selbst öffnet. Die Diebe nutzen Geräte, die aus zwei Komponenten bestehen. Dazu gehört der "Car-Scanner" und der "Key-Scanner". Während der Car-Scanner nahe an der Antenne, zumeist in Fahrertürnähe platziert wird, muss sich der Key-Scanner in der Nähe des Fahrzeugschlüssels befinden. Nach der Signalübertragung wird der Car-Scanner in das Auto gelegt, so dass das Auto nur noch per Knopfdruck gestartet werden muss. Die Systeme werden von den Tätern meist in einer Aktentasche versteckt.

Was passiert dann mit den Wagen? Experten vermuten, dass die Diebe über die Datenschnittstelle des Wagens - die etwa auch der Werkstatt Fehlermeldungen anzeigt - um Informationen über das gestohlene Auto zu erhalten. Die Daten werden dann auf einen Schlüssel-Rohling überspielt. So merkt hinterher niemand mehr, dass der Original-Schlüssel immer noch beim Besitzer des Wagens liegt.

Wie kann man sich dafür schützen? So simpel und einfach es klingt, am besten ist es, seinen Schlüssel zu Hause in Alu-Folie einzuwickeln, damit das Signal abgeschirmt wird. Darüber hinaus wird empfohlen, im Haus oder der Wohnung den Fahrzeugschlüssel mindestens zwei bis drei Meter von Eingangstüren oder Fenstern wegzulegen, um die "Abstrahlungssicherheit" zu gewährleisten. Im Fachhandel sind auch spezielle Tresore - so genannte Key-Safes erhältlich, in denen die Schlüssel abstrahlungssicher aufbewahrt werden können. Einige Autohersteller bieten auch die Möglichkeit an, die "Keyless-Go" Funktion auszuschalten.

Wie viele sind davon betroffen? Die Polizei im Kreis Mettmann geht im vergangenen Jahr in einem Fall davon aus, dass Autodiebe auf diese Art und Weise das Fahrzeug gestohlen haben. Allerdings kann man davon ausgehen, dass es in einer Vielzahl von Fällen unbekannt bleibt, wie die Täter das Auto mitgenommen haben. Die Methode erklärt auch nicht die Diebstähle von Autos, die bereits in die Jahre gekommen sind.

So wurde am vergangenen Wochenende ein sieben Jahre alter BMW mit fast 100.000 Kilometern auf dem Tacho in Ratingen entwendet. In Monheim wurde ebenfalls am Wochenende ein 13 Jahre alter Mercedes A140 gestohlen. Möglicherweise werden solche Auto benutzt, um damit Straftaten zu verüben.

Quelle: RP
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