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Heiligenhaus
Wie Jugendliche Zuwanderern helfen

Heiligenhaus. Sie sind jung, dynamisch und hilfsbereit: Schüler haben in Heiligenhaus eine Integrations-Initiative gestartet, die jetzt zu einer Vereinsgründung führte. Von Stefan Mülders

"Wir wollten etwas machen", sagt Yassin El-Allaoui, Zehntklässler und Schülersprecher an der Unesco-Realschule in Heiligenhaus. Den Verein mitgründen konnte er als 16-Jähriger nicht, dafür brauchte es "Erwachsene". Aber dafür, dass es seit gestern die Integrationshelfer e.V. in Heiligenhaus gibt, ist er maßgeblich mit verantwortlich.

Zusammen mit anderen Schülern hatte er zunächst eine WhatsApp-Gruppe gegründet, deren Bestimmung mit "Refugees welcome" eindeutig ist. Das Social-Media-Schlagwort zog viele Gleichgesinnte auch von anderen Heiligenhauser Schulen an, die Gruppe wuchs schnell. Als dann Raj Kesavan Mitte September dazu kam, nahm die Initiative richtig Fahrt auf. Der Deutsch-Inder ist seit dem 26. August Betreuer für die DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) an der Realschule und nutzte seine Kontakte, um der Gruppe sinnvolle Aufgaben zu "besorgen".

Die Jugendlichen engagierten sich für Zuwanderer, renovierten Wohnungen und schleppten Möbel. Die ersten Anfragen dafür kamen über den städtischen Sozialarbeiter Daniel Rüd, und das Netzwerk wuchs schnell weiter. Bald arbeitete die Initiative mit den Stadtlotsen der Diakonie zusammen, intensivierte Kontakte zu DITIB-Gemeinde und zur Marokkanischen Moschee. Von dort aus werden Deutsch-Nachhilfekurse für die DAZ-Klasse organisiert, seit Mitte Oktober Sprachkurse für Syrer angeboten. Auch über die DITIB-Gemeinde sind Angebote zum Erlernen und Vertiefen der deutschen Sprache in Planung. "Es ist erstaunlich, was hier in so kurzer Zeit durch die Jugendlichen bewegt wurde", sagt Kesavan. "Ich glaube nicht an Zufälle. Dass ich am Geburtstag von Mutter Theresa offiziell meinen ersten Tag an der Realschule hatte, hat genauso eine Bedeutung wie die Menschen, die ich in den vergangenen Wochen kennengelernt habe und mit denen ich zusammenarbeiten darf." Das Projekt bekam eine große Eigendynamik: Von über 100 Mitgliedern der WhatsApp-Gruppe waren rund 40 richtig aktiv und beteiligten sich den Aktionen, zu denen auch die Übergabe gleich mehrere gespendeter Computer an Kinder der DAZ-Klasse gehörten.

Und so wurde es notwendig, der losen Verbindung einen organisatorischen Rahmen zu geben, die Vereinsgründung in Angriff zu nehmen. Auch hier waren die Jugendlichen federführend, machten sich über die Gestaltung einer Satzung schlau und stellten dann fest, dass sie selbst nicht weiter kommen. Für die Gründung benötigte man mindestens sieben Erwachsene, die ihre Unterschrift leisten. Hier kam erneut Raj Kesavan ins Spiel, der sich weiter um die Organisation kümmerte - neben seinem Engagement für die Zuwanderer-Klasse.

Die ist wie erwartet einem steten Wandel unterlegen, hat aktuell 17 Schüler, aber seit Schuljahresbeginn bereits sieben in die Regelklassen integrieren können. "Ich wusste, dass die DAZ-Klasse eine große Herausforderung wird", sagt Realschulleiterin Sonia Cohen. "Dass dieses Thema der Zuwanderer aber zu einer so großen Dynamik führt, damit konnten wir nicht rechnen."

Dabei ist ihr anzumerken, dass sie auch ein Stück weit stolz auf "ihre" Schüler ist, die zwar nicht mehr alleine dastehen in der Stadt, aber von denen das Ganze ausging: "Hier tragen der an unserer Schule gelebte Unesco-Gedanke und die Aktion Engel der Kulturen aus dem vergangenen Jubiläums-Schuljahr Früchte."

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist auf Jugendliche in Velbert übergeschwappt - und Kontaktaufnahmen aus anderen Städten im Kreis gibt es auch. "Hier entsteht etwas Großes, von Jugendlichen initiiert, die pragmatisch und unkompliziert einfach helfen wollen. "Inzwischen kann ich mir ein auf NRW oder sogar Deutschland ausgeweitetes Engagement sehr gut vorstellen", blickt der 28-jährige Raj Kesavan in die vermutlich gar nicht allzu weit entfernte Zukunft.

Quelle: RP
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