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Mit Robert Wierichs
"Wir brauchen innovative Sozial-Betriebe"

Mit Robert Wierichs: "Wir brauchen innovative Sozial-Betriebe"
Robert Wierichs lobt die Stadtverwaltung am Standort Ratingen: "Sie unterstützt in jeder Beziehung unser Anliegen, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch gute Erwerbsarbeit zu ermöglichen." FOTO: A. Blazy
Ratingen. Der SkF kümmert sich mit vielen Ideen vor allem darum, die negativen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit abzufedern. Von Gabriele Hannen

Robert Wierichs ist seit 1999 als Bereichsleiter für die Sozialen Betriebe des Sozialdienstes katholischer Frauen tätig, der eher als SkF bekannt ist. Seine Beschäftigung dreht sich im Wesentlichen darum, Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden und zu überwinden, beziehungsweise, die negativen Folgen längerer Erwerbslosigkeit abzumildern.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Robert Wierichs Ich bin für Möbelkammer und Radstation, "Rock und Rolli" - die Kleiderkammer-, für "Waschbrett" (die Wäschepflege), die BOJE und das Arbeitslosenzentrum ZAR zuständig. Im vergangenen Jahr kam das Kooperationsprojekt InWESTment für Ratingen West aus einem Bundesprogramm dazu. Letzteres umfasst die Vorhaben, eine nachhaltige Integration in Arbeit zu fördern und eine Stärkung der lokalen Ökonomie zu unterstützen.

Haben sich die Aufgaben des SkF im Laufe der Zeit geändert?

Wierichs Seit dem vergangenen Jahr hat natürlich die Flüchtlingshilfe einen breiten Raum eingenommen. Wir konnten mit Hilfe von "Rock und Rolli" Flüchtlinge unentgeltlich mit Kleidung auszustatten. Die Möbelkammer hat bei der Versorgung mit Möbeln und Hausrat geholfen. Mit Hilfe der Aktion "Neue Nachbarn" des Diözesancaritasverbandes Köln kann die Radstation Flüchtlingen gebrauchte Fahrräder zur Verfügung stellen. Es war beeindruckend zu erleben, wie viele zusätzliche Freiwillige ihre Mitarbeit angeboten haben und wie die Spendenbereitschaft zugenommen hat.

Was sind die größten Hindernisse bei der Verwirklichung Ihrer Aufgaben?

Wierichs Trotz sinkender Arbeitslosigkeit ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit Jahren kaum rückläufig (NRW: rund 315.000). Leider stagniert die Arbeitsmarktpolitik für Langzeitarbeitslose. Denn eigentlich wissen alle Fachleute, dass Menschen mit mehreren Vermittlungshemmnissen auf dem konventionellen Arbeitsmarkt kaum Chancen haben. Wir benötigen darum mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in innovativen Sozialen Betrieben, die mit Lohnkostenzuschüssen gefördert werden. Warum lassen wir die Menschen nicht arbeiten, anstatt sie mit ALGII-Leistungen zu alimentieren? Die zurzeit zur Verfügung stehenden Mittel im SGB II für Förderung und Qualifizierung reichen bei Weitem nicht aus. Es ist auch davon auszugehen, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen aufgrund der verstärkten Zuwanderung Geflüchteter zunehmen wird.

Was sind die Renner, das heißt, wo werden die Ratinger am deutlichsten mit dem SkF konfrontiert?

Wierichs Was meinen Bereich betrifft, sind den Ratingern wahrscheinlich die Sozialen Betriebe Möbelkammer, "Rock und Rolli" und Radstation am besten bekannt. Sie existieren schon seit vielen Jahren und werden von Menschen mit geringen finanziellen Mitteln gerne genutzt. Dass diese Projekte schon eine so lange Tradition haben, verdanken wir auch der Stadtverwaltung. Sie unterstützt in jeder Beziehung unser Anliegen, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch gute Erwerbsarbeit zu ermöglichen.

Welche Unterstützung können Sie noch brauchen?

Wierichs Besonders freuen wir uns über Stellenangebote aus der Privatwirtschaft. Es gibt naturgemäß einen großen Bedarf an Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte und für alleinerziehende Frauen in Teilzeit.

Reicht die Zahl Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen?

Wierichs Die Erlöse unserer Sozialen Betriebe nutzen wir, um über das notwendige Stammpersonal hinaus möglichst viele Menschen in Arbeitsgelegenheiten ("Ein-Euro-Jobs") und befristeten, vom Jobcenter geförderten Stellen zu beschäftigen. Darüber hinaus gibt es in meinem Bereich zurzeit 76 ehrenamtlich Tätige. Zusätzliche Unterstützung ist jedoch jederzeit gewünscht.

Wie erreichen Sie Ihre "Kundschaft"?

Wierichs Unsere Sozialen Betriebe sind den Ratingern so vertraut, dass wir für sie nicht werben müssen. Was die zu fördernden Personengruppen betrifft, so stehen wir in engem Kontakt mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit. Zudem pflegen wir in Ratingen seit jeher enge und partnerschaftliche Kontakte innerhalb der Wohlfahrtsverbände.

Wie steht es um die Radstation?

Wierichs Die Radstation am Ostbahnhof passt genau in die Zeit. Fahrradfahren ist umweltfreundlich, wird immer beliebter. Und wir schaffen mit der Radstation unbefristete und auskömmliche Arbeitsplätze: Bis auf den Betriebsleiter waren alle Mitarbeiter einmal langzeitarbeitslos.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Wierichs Es gibt einfach zu viele Menschen, die zwar erwerbsfähig sind, aber Arbeitgeber nicht für sich interessieren können. Sie müssen ALGII-Leistungen in Anspruch nehmen und passiv bleiben. Ich wünsche mir, dass sich die Politik wieder mehr mit der Frage beschäftigt, wie der Soziale Arbeitsmarkt ausgebaut werden kann. Ich verweise auf das Motto der Kampagne der Caritas-Arbeitsgemeinschaft im Jahr 2013: "Stell mich an, nicht ab!"

Quelle: RP
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