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Andreas Preuß
"Wir wollen behutsam modernisieren"

Andreas Preuß: "Wir wollen behutsam modernisieren"
Andreas Preuß kennt seine neuen Aufgaben gut. Neun Jahre lang war er Stellvertreter seines Vorgängers Herbert Hirsch. Dann übernahm er selbst den Vorsitz der Bruderschaft. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Seit wenigen Wochen führt er als Nachfolger von Herbert Hirsch die St. Sebastianus Bruderschaft Lintorf.

Herr Preuß, ist die neue Aufgabe Fluch oder Segen?

Andreas Preuss Es ist vor allem erst einmal eine sehr interessante und spannende Aufgabe, die mit viel Verantwortung verbunden ist. Aber wissen Sie, wenn ich in einem Verein bin, dann engagiere ich mich auch. Ich kann nicht einfach nur da sitzen. Und da ich neun Jahre Stellvertreter von Herbert Hirsch war, weiß ich ja ganz genau, worauf ich mich eingelassen habe. Zumal ich diese Entscheidung ja nicht aus dem Bauch heraus getroffen habe.

Sie sind knapp 15 Jahre jünger als Ihr Vorgänger - ein Generationenwechsel?

PREUSS Ja, aber das hat nicht nur etwas mit dem Lebensalter zu tun. Denn mein Vorgänger war 18 Jahre alt, als er in die Bruderschaft eingetreten ist, ich knapp 40. Alleine das zeigt ja schon eine erhebliche Veränderung, weil ich eben nicht mein ganzes Leben als Erwachsener in dieser Bruderschaft verbracht habe, in manchen Zusammenhängen also gar nicht so drin stecke wie Herbert.

Warum sind Sie denn erst so spät eingetreten?

PREUSS Das hatte vor allem berufliche Gründe. Mein Vater war zwar schon in der Bruderschaft, aber ansonsten hatte ich bis zum Schützenfest im Jahr 2000 nicht viel Berührungspunkte mit den Schützen. Dort hat mich dann letztlich der Bruder meiner Frau überzeugt, doch auch einzutreten. Allerdings kannte ich natürlich schon einen Großteil der anderen Schützen.

Aber Ihre Unterschrift erfolgte doch nicht etwa auf einem einfachen Bierdeckel?

PREUSS (lacht) Oh doch, das war tatsächlich so, ganz wie man sich das vorstellt. Heute machen wir das übrigens nicht mehr so.

Sie kommen aber aus einer Ur-Lintorfer Familie, oder?

Preuss Das ist richtig. Ich habe meine Doktorarbeit über historische Demografie am Beispiel Lintorfer Familien in den Jahren 1660 bis 1860 geschrieben. Und dabei bin ich auf Verwandte meiner Mutter gestoßen, die bereits 1662 hier lebten - alteingesessen könnte man also sagen.

Wobei Sie gar nicht als Historiker arbeiten?

Preuss Nein, ich bin Pressesprecher einer der vier deutschen Stromübertragungsnetzbetreiber in Dortmund. Aber Geschichte ist mein Hobby geblieben, weswegen ich mich ja nun schon lange bei den Lintorfer Heimatfreunden engagiere.

Den Schützen sagt man nach, dass es bei ihnen vor allem ums Trinken ginge.

Preuss Das ist leider in der Tat die öffentliche Wahrnehmung, der wir als Vorstand gerne entgegen steuern möchten. Natürlich feiern wir gut und gerne, das machen andere Vereine oder Institutionen aber auch. Aber bei uns steht die Gemeinschaft in erster Linie im Vordergrund, dazu kommt, dass wir uns auch karitativ engagieren wie beim Dreck-weg-Tag. Oder das Stammcorps, dass sich für das Kinderheim Maria in der Drucht engagiert. Es sind so viele Kleinigkeiten, die unsere Gemeinschaft ausmachen.

Trotzdem haben Sie ein Nachwuchsproblem?

Preuss Sicher ist es so, dass wir im Jahr 2000 noch knapp über 300 Mitglieder hatten. Das ist in 15 Jahren ein Rückgang von etwas über zehn Prozent. Besorgniserregend ist das nicht, aber Sie haben schon recht, da müssen wir gegensteuern. Wobei Nachwuchs für uns eher die Generation der über 30-Jährigen bedeutet. Dass wir bei den Jugendlichen nur wenige Sachen haben, die sie reizen könnten, wissen wir auch. Es gibt für sie viel zu viele Alternativen außerhalb der Bruderschaft. Wir müssen die Menschen für uns gewinnen, die bereits sesshaft geworden sind, die einen Bezug zum Brauchtum und zur Tradition haben.

Womit können Sie wuchern?

Preuss Bei uns ist das eben vor allem der Zusammenhalt, der ganz anders ist als in anderen Vereinen. Hier stehen wirklich Jung und Alt zusammen, es gibt keine Unterschiede. Das macht uns aus, so sind wir in unserer Geschichte immer gewesen. Trotzdem müssen wir uns als Bruderschaft an Veränderungen gewöhnen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Preuss Es geht darum, die Bruderschaft fit für die Zukunft zu machen. Das kann man aber nicht von jetzt auf gleich mit dem berühmten Holzhammer machen. Wir wollen behutsam modernisieren und dafür alle Mitglieder ins Boot holen. Deshalb sind wir, mein Stellvertreter Andreas Nieß und ich, gerade dabei, alle Formationen aufzusuchen und unsere Pläne vorzustellen. Wichtig ist, die Identifikation mit der Bruderschaft an sich weiter zu stärken. In den einzelnen Formationen läuft das sehr gut, das müssen wir aber auch für die Bruderschaft als Ganzes erreichen.

KARL RITTER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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