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Ratingen
Wo die Kettensäge Kunstwerke erschafft

Ratingen: Wo die Kettensäge Kunstwerke erschafft
Zwei Künstler, zwei Motorsägen, ein Baum - Peter Maria Schäfer (r.) und Nepoznati Autor setzen feine Ideen mit grobem Gerät um. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Am Papiermühlenweg entsteht ein neuer Skulpturenpark. Nicht im Verborgenen - und alles andere als lautlos. Von Gabriele Hannen

Libellen, ein Eisvogel, ein Bisam, hier die Anger, da ein Löschteich mit Fischen und dazu die Verbindungen der kleinen Gewässer - auch ein Stück Ratingen, und zwar am Papiermühlenweg, da, wo die alte Fabrik abgebrannt liegt und neue Unternehmungen eine Heimstatt gefunden haben, da entsteht still und heimlich ein neuer Skulpturenpark.

Das heißt, gegenwärtig vielleicht nicht ganz still; denn Peter Maria Schäfer von der Galerie des Wahnsinns und sein Freund Nepoznati, Autor, Musiker und Bildhauer aus Sarajevo, schwingen die Kettensägen. Glücklicherweise nicht zum Massaker, sondern zur Umwandlung eines riesengroßen Baumstumpfs in ein Kunstobjekt.

Eine noch im Boden verwurzelte, harzige amerikanische Schwarzkiefer, deren Krone schon lange herausgenommen ist und deren Stamm einen Umfang von 3,30 Meter hat - was einen Durchmesser von etwa einem guten Meter bedeutet - bekommt so etwas wie Sichtfenster in alle vier Himmelsrichtungen.

Wenn das geschafft ist, wird das Objekt geschliffen und versiegelt. Es gehört dann zu den anderen Arbeiten, die eher unaufgeregt in Bäumen hängen oder sich ins Gebüsch schmiegen. Die Wahnsinns-Galerie hat folgende Skulpturen ausgesetzt: Skulpturen der Bildhauerin Antjepia Gottschalk (Liebespaar, Stein), Marktfrau der Fülle (Humsera/Marburg, Stein), Shifting Poles (Bär, Sandstein aus der Eifel); Papp-Kameraden-Skulpturen (Tarzan und Hermann) von Steff Adams sowie eine Metall-Skulptur (Totem) von Franz Bahr und eine hängende Metall-Spirale von Michael Laux.

Das ist nun die Kunst, die mit dem Baumobjekt einen Übergang zur Natur findet. Und damit ist das nächste Projekt angerissen - die Aufforstung des Hangs, an dem Ela und vorheriger Sturm ganze Arbeit geleistet haben. Die Bäume dienen immerhin auch zur Befestigung des Erdreichs.

Die meisten Baumstümpfe sind bereits entfernt und sollen demnächst, mithilfe des Försters, ersetzt werden. Die Buchenstämme haben Schäfer und Freunde zunächst zu Kaminholz und später zu massiven Tischplatten verarbeitet. Im Gelände an der Papierfabrik schaut alles nach heimischer Beschaulichkeit aus, und das mit internationalen Einsprengseln. Auf der kleinen Insel an der Anger gibt es auch eine indianische Schwitzhütte, die keinesfalls nur Dekoration ist. Durch Peter Maria Schäfers große Nähe zu den Ureinwohnern Amerikas, insbesondere zu den Sioux-Indianern in South Dakota, wurde er unter anderem zur Skulptur mit dem Titel Four Directions Pole inspiriert.

Schäfer wurde 2001 vom Medizinmann der Sioux, Reinzol Lasthorse, offiziell mit Eintragung beim Familiengericht in Amerika als Bruder adoptiert. Er ist mit der Tradition und den Ritualen der Sioux vertraut und hat seine amerikanische Familie bereits mehrmals nach Ratingen eingeladen, wo sie auch vom Bürgermeister empfangen wurden. Ratingen ist Partnerstadt von Vermillion in South Dakota.

Quelle: RP
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