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Lintorf
Wo Hunde Haare lassen müssen

Lintorf: Wo Hunde Haare lassen müssen
Leonberger-Dame Ulaska nimmt es gelassen hin, dass ihr Hundefriseurin Eva Fredmüller und Claudio Atania ans Fell gehen. Deren Arbeit ist oft ganz schön kräftezehrend. FOTO: dietrich janicki
Lintorf. Bürsten, kämmen, baden, trocknen, frisieren - Hundehalter von heute gönnen ihren Vierbeinern Wellnessprogramme. Von Monika von Kürten

Die Bezeichnung "Friseur" lenkt von den eigentlichen Arbeiten eines "Groomers"ab. Diese englische Berufsbezeichnung ist auch in Deutschland gebräuchlich. Es hat nichts mit Haarefärben, Extensions und Lockenwicklern zu tun, sondern mit einem Wohlfühlprogramm für den Hund. Auch wenn die Wägelchen mit den zahlreichen Kämmen, Scheren, Bürsten und Aufsätzen schon an die eines Menschenfriseurs erinnern. Beim Komplettprogramm wird der Hund zunächst ordentlich durchgekämmt und gebürstet, gebadet und getrocknet. Dann geht es an die "Frisur".

Es wird geschnitten, getrimmt (Harre werden ausgezupft), effiliert (Fell ausgedünnt) oder rasiert. Auch die Augen- und Ohrenpflege kommt nicht zu kurz, genauso wenig wie die Kontrolle und Kürzung der Krallen. Mangelnde Pflege des Felles kann zu Verknotungen und Verfilzungen von Fellpartien führen, so dass die Haut des Tieres nicht mehr genügend Luft bekommt und nicht ordentlich atmen kann. Es kommt zu Hautreizungen und Parasitenbefall. Das Wohlbefinden des Hundes leidet.

Aber auch wenn der treue Vierbeiner von Herrchen und Frauchen liebevoll umsorgt wird, ist richtige Fellpflege nicht jedermanns Sache. Man hat nicht immer das richtige Equipment, zum Beispiel keine ausreichend große Badewanne, Herrchen und Frauchen können/wollen aus unterschiedlichsten Gründen den Hund nicht baden, oder das Tier lässt sich nicht von ihnen baden und frisieren.

Beate Singer aus Ratingen bringt ihre beiden Leonberger beispielsweise lieber in den Lintorfer Hundesalon "Felleartig". In dieser Woche kam Hundedame Ulaska in den Genuss des vollen Verwöhnprogrammes. Brav steht sie auf dem Behandlungstisch, während die Groomer Eva Fredmüller und Claudio Atania zunächst das Fell gründlich durchbürsten und lange Fellzotteln von den Pfoten entfernen. Frauchen ist derweil in Lintorf unterwegs. "Die Hunde sind viel artiger, wenn die Besitzer als gewohnte Bezugsperson nicht dabei sind", sagte Fredmüller. Fast 99 Prozent der Hunde wollen nicht auf den Tisch und frisiert werden. Doch die beiden Hundefriseure wissen genau, wie sie unruhige Kunden mit Worten, Streicheleinheiten und dem ein oder anderen Leckerli (mit dem Besitzer vorher abgesprochen) "überreden" und beruhigen können. Manchmal muss allerdings auch ein Maulkorb angelegt werden. Zum Schutz der Tiere bekommen sie bei Bedarf auch ein Halsband und/oder einen Bauchgurt angelegt, damit sie nicht vom Tisch springen können oder gestützt werden, wenn zum Beispiel ältere oder kranke Tiere nicht so lange stehen können.

Denn so eine Behandlung kann je nach Größe und Zustand des Tieres auch bis zu drei Stunden dauern. Das kann auch für einen Groomer sehr anstrengend sein. "Unser Beruf wird oft unterschätzt. Er ist sehr kräftezehrend, weil man ständig gegen die Kraft des Hundes arbeitet. Das Bein muss beispielsweise ordentlich festgehalten werden, wenn die Pfote bearbeitet wird, ob es der Hund nun möchte oder nicht. Oder man muss ihn wieder aufrichten, wenn er meint, sich im unpassendsten Moment hinsetzen zu müssen. Auch weiß man abends, was man getan hat, wenn man mehrere Hunde von der Unterwolle befreit hat", erklärte Atania.

Der Bedarf an Wellnessprogrammen für Vierbeiner ist offenbar groß, die Termine im Hundesalon begehrt. Da ist es gut, dass es in Ratingen gleich mehrere Salons gibt.

Quelle: RP
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