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An(ge)dacht
Wo ich erwartet werde, da bin ich zuhause

Ratingen. Auf einen Mensch zu warten, von dem man hofft, dass er ankommen wird, ist etwas beglückendes. Das kann man am besten an den Orten beobachten, an denen in diesen Tagen immer wieder Menschen darauf warten, dass andere ankommen. Zum Beispiel im Ankunftsbereich eines Flughafens.

Das ist kein besonders beschaulicher Ort. Überall ein Gedränge und Geschiebe. Mäntel, Koffer, Aktentaschen. Über allem liegt das nicht abebbende Geräusch von Stimmen, Schritten, polternden Kofferrollen, die hin und wieder von lauten Ansagen übertönt werden.

So ein Wartebereich ist kein besinnlicher Ort, aber einer, an dem man das Leben studieren kann.

Sobald sich die Türen zum Zollbereich öffnen und die ersten Fluggäste die Wartehalle betreten, sieht man hier wie dort suchende Blicke. Dann das befreite Sichaufhellen der Gesichter, wenn man einander entdeckt hat. Strahlende Augen. Liebevolle Gesten und Umarmungen folgen. War die Wartehalle gerade noch ein ungastlicher Ort wird er mit einem mal zum Ort der Freude.

Wo ich erwartet werde, da bin ich zuhause.

Vielleicht muss man im Advent einmal solche Wartebereiche des Lebens aufsuchen und seine Mitmenschen ein wenig beobachten. Ich bin mir sicher, es wird uns helfen die Adventszeit mit anderen Augen wahr zu nehmen. Advent heißt ja Ankunft.

Und wo Gott erwartet wird, da ist auch er zuhause. Da kann dann aus seinem Advent wirklich Weihnachten werden.

Und aus einem ungastlichen, ärmlichen Stall der wunderschönste Ort auf Erden.

MATTHIAS LEITHE IST PFARRER AN DER VERSÖHNUNGSKIRCHE IN RATINGEN-WEST

Quelle: RP
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