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Erhard Raßloff
Wohnen im Alter ist ein wichtiges Thema

Erhard Raßloff: Wohnen im Alter ist ein wichtiges Thema
"Wir haben einiges erreicht und werden auch ohne finanzielle Förderung des Gesamtprojektes in den nächsten Monaten weiter machen", verspricht Erhard Raßloff. FOTO: dietrich janicki
Ratingen. Der langjährige Leiter des Sozialamts spricht über den Fortgang des Sequra-Projekts - und über seinen eigenen Ruhestand.

Das Sequra-Projekt in Ost hat viel Beachtung gefunden, trotzdem steht es vor dem Aus. Was ist da los?

Erhard Raßloff Es stimmt ja nicht, dass Sequra vor dem Aus steht. Die Förderung des Gesamtprojekts durch den Kreis läuft wie geplant Ende Juli aus. Diese Finanzierung war von Anfang an nur auf diesen Zeitraum ausgelegt. Dementsprechend ist jetzt auch nicht alles vorbei. Es wird trotzdem weiter gehen, wenn auch in anderer Form. Denn es besteht nach wie vor die Möglichkeit, Fördergelder zu bekommen, die dann aber an ganz konkrete Maßnahmen gebunden sind.

Also war ihre Arbeit als Projektkoordinator in den vergangenen Monaten nicht umsonst?

Rassloff Das definitiv nicht, wir haben einiges erreicht und werden auch ohne finanzielle Förderung des Gesamtprojektes in den nächsten Monaten weiter machen. Es wäre schade, wenn wir die gewachsenen Strukturen aufgeben würden. Nehmen Sie zum Beispiel die Treffen mit den Bürgern aus Ost, in denen wir uns mit der wirklich interessanten Geschichte des Stadtteils beschäftigen. Es wäre doch nicht zielführend, so etwas einschlafen zu lassen. Diese Zusammenkünfte wird es weiter geben mit dem Ziel, dass am Ende vielleicht ein Buch zustande kommt. Und das wäre dann ein konkretes Projekt, für das Fördergelder möglich sind. Aber auch die Quartierssprechstunden im Mehrgenerationenhaus am Klompenkamp wird es weiter geben. Wie das allerdings genau ausgestaltet wird, darüber sind wir zurzeit noch in Gesprächen.

Vor kurzem gab es einen Quartiersspaziergang mit Senioren. Wie ist die Bilanz?

Rassloff Wir haben gerade die Auswertung gemacht, dazu wird es in den nächsten Wochen ein Werkstattgespräch geben, in dem wir mit den Beteiligten und Interessierten die Ergebnisse besprechen. Insgesamt gesehen sind die Menschen mit ihrem Spaziergang zufrieden. Bemängelt wurde allerdings sehr häufig, dass es zu wenig Sitzgelegenheiten gibt. Dem kann ich allerdings zustimmen, habe das schon am eigenen Leib zu spüren bekommen. Aber hier ist Sozialamtsleiter Klaus Pakusch als zuständiger Mann im Rathaus sehr engagiert dabei, Abhilfe zu schaffen. Gerade werden entsprechende Standorte geprüft.

Ein großes Thema von Sequra war das Schaffen eines Netzwerks.

Rassloff Das ist sehr gut angelaufen, weil es sehr engagierte Menschen gibt, die das mit Leben füllen. Solche Netzwerke haben eine große Bedeutung. So gibt es zum Beispiel in Lintorf seit vielen Jahren ein sehr erfolgreiches Seniorennetzwerk der evangelischen Kirche, das tolle Arbeit leistet. Aber auch außerhalb des Seniorenthemas wird in Ratingen toll genetzwerkt: Schauen Sie sich Ratingen West an, wo ganz viele Menschen und Institutionen regelmäßig zusammen sitzen und schauen, wo es im Stadtteil ein Problem gibt oder was gut läuft. Solche Strukturen werden immer wichtiger.

Sie werden sich also weiter engagieren.

Raßloff Selbstverständlich, nur halt nicht mehr als offizieller Projektkoordinator, sondern ehrenamtlich. Dafür ist mir das Thema einfach viel zu wichtig. Wohnen im Alter bekommt grundsätzlich immer größere Bedeutung. Die Menschen wollen einfach so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Da müssen die Städte drauf reagieren. Und in Ratingen gibt es ja durchaus Interesse daran, wie man zum Beispiel an den Plänen für die alte Feuerwache an der Lintorfer Straße sieht.

Sie sind jetzt nach fast 50 Jahren im Dienst der Stadt ein Jahr im Ruhestand. Wie gefällt es Ihnen?

Raßloff (lacht) Ich kann mich nicht beklagen. Es gibt weniger Termine, ich kann mehr Zeit mit meiner Frau verbringen, auch wenn ich durch mein vielfältiges ehrenamtliches Engagement ja immer noch das eine oder andere zu erledigen habe. Insgesamt gesehen hat sich das Leben aber entschleunigt, auch wenn es nicht immer stressfrei ist.

Als Sozialamtsleiter waren Sie Jahrzehnte auch für das Thema Flüchtlinge zuständig. Sieht man die aktuelle Lage, sind Sie genau zum richtigen Zeitpunkt in den Ruhestand gegangen, oder?

Raßloff Ich möchte mit meinem Nachfolger Klaus Pakusch im Moment wirklich nicht tauschen. Das ist für ihn und seine Leute eine sehr schwere Zeit, denn auf solche Anstürme kann man sich nicht vorbereiten. Sie können niemandem vermitteln, dass sie über Jahre Unterkünfte für solche Phasen vorhalten, die dann leer stehen. Das Problem hatten wir Anfang der 1990er Jahre schon einmal, als wir rund 2000 Flüchtlinge in er Stadt unterbringen mussten. Und heute sind es wesentlich weniger.

KARL RITTER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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