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Heiligenhaus
Zuhause ist es doch am schrägsten

Heiligenhaus: Zuhause ist es doch am schrägsten
FOTO: RP
Heiligenhaus. Man reist um die halbe Welt, weiß aber nicht, warum Straßen daheim "South" oder "Ömjang" heißen. Wir helfen nach.

Gerne wird behauptet, rund um Düsseldorf seien die Leute besonders schnieke - im Sinne von stylish und in Sachen Haltung leicht hochnäsig. Aufs Schönste konterkariert wird das mit ihrer Liebe zum "Aschlöchsken". Nach dem Motto "manche im Frack, andere im Sack" zählt dieses prominente Ratinger Ausflugsziel zu den absolut angesagtesten Einkehrschwüngen auf eine Flasche Limonade oder Bier für Radler, Biker, Reiter und fitte Spaziergänger am Rhein.

Die Gartenwirtschaft liegt im Niemandsland hinter Ratingen auf dem Weg nach Duisburg. Also sprichwörtlich "Am A.... der Welt". Seinen Namen, so sagt der gelernte Einzelhändler und Betreiber der Gastwirtschaft, Karl-Heinz Schwenke, hat das Lokal aber nicht von einem gewissen Körperteil. "Wir selbst nennen die ja nicht Aschlöchksen, das hat sich irgendwie eingebürgert, wahrscheinlich weil hier mal direkt am Rhein Kohle abgeladen wurde und mit einer Lore zu den Häusern gebracht wurde", sagt Schwenke, der den Familienbetrieb "Gartenwirtschaft Schwenke", den er vor 23 Jahren von seinem Vater übernahm, gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn betreibt. Andere bestätigen, etwas Obszönes zu vermuten, sei falsch. Vielmehr rühre die Bezeichnung von Asche. Denn dort, unweit eines ehemaligen Wasserwerkes, befand sich eine Grube, in der die Asche, die beim Betreiben der dortigen Dampfmaschine anfiel, abgeladen wurde.

Woher auch immer der schräge Name stammt, am "Aschlöchsken" kann man bequem die Füße hochlegen und auf dem Damm mit Blick auf den Rhein die Gedanken schweifen lassen. "Bootwatching" haben das die Einheimischen getauft. Ein eindeutiger Begriff.

Die schrägsten Heiligenhauser Adressen? Na, Oberilp und Unterilp, zusammengefasst "die Ilp" genannt. Schräg allerdings hauptsächlich der Hanglage Richtung Essen Kettwig wegen. Die ist zwar wenigstens für Radler wegen des nahen Panoramaradwegs nicht mehr schmerzhaft in den Waden spürbar, wie zu Zeiten, als man noch an der Ilp vorbei von Kettwig die Ruhrstraße hinaufzustrampeln hatte. Aber wo auch immer man in der dicht besiedelten Ilp langfährt - man bewegt sich auf geschichtsträchtigem, mithin erklärungsbedürftigen Boden.

Die Bürgergemeinschaft Oberilp hat Forschungen hierzu publiziert, die Klarheit schaffen. Ein winziger Ausschnitt: Danach findet sich 1420 eine erstmalige Erwähnung in dem Heberegister der Probstei Kleve, wo für "Wyllem und Erwyn in der Elpe" eine Jahresgabe von "3 morken van lande" festgesetzt wird. Im Jahr 1589/ 90 führt das "Pacht- und Rentenbuch des Stiftes Werden" das Hofgut "in der Elpen" mit seinem Besitzer "Heyne in der Elpen" als zinspflichtig auf. Nach diesen Angaben kann davon ausgegangen werden, dass sich der Name Ilp aus "Elp", "ter Elp" oder "in der Elpen" abgeleitet hat und der Hofkomplex seit etwa 6 Jahrhunderten besteht. Zur Herkunft des Namens schrieb die Heiligenhauser RP-Autorin Ruth Ortlinghaus 1997: "Über die Herkunft des Namens gibt es nur Spekulationen. Eine Legende erzählt, dass die Bewohner auf der Höhe als "Spökenkieker" zu vorgerückten Tageszeiten den Tanz der Geister (Elfen) innerhalb der Nebelschwaden im Vogelsangbachtal beobachtet hätten.

In der Siedlung Kaldenberg gibt es die Straßennamen "In der Lust" und "Im Hahnenschrei". Heimatforscher Helmut Kreil weiß, dass es sich nicht um einen alten Gemarkungsnamen handelt. Vielmehr könnten sich die Neusiedler in den 1930er Jahren die beiden Straßennamen einfach ausgedacht haben. Damals hatten die Siedler nämlich Hühner, Schafe und Gänse und freuten sich über ihr neues Heim. Der Straßenname "Am Schnutenteich" in Mettmann-Süd geht auf einen Teich zurück, auf dem Enten lebten. Der Finnlandweg am Kaldenberg hat mit Holzhäusern im finnischen Stil zu tun, die als Fertigbauteile nach dem Zweiten Weltkrieg angeliefert und von den Siedlern zusammengesetzt wurden.

Der Brennereiweg an der Teichstraße geht auf die Bergische Dampfkornbranntwein-Brennerei Eigen zurück. Dort wurde früher alter Kornbranntwein und Doppelwachholder hergestellt. Der Name Ömjang, der ein bisschen fernöstlich klingt, ist allerdings Mettmanner Dialekt und bedeutet "Umgang". Im Mittelalter war dies ein Weg an der Stadtmauer entlang. Teile des Weges von der Oberstraße zur Mühlenstraße sind heute noch erhalten.

Die winzige, malerische Poetengasse im Herzen der Monheimer Altstadt trägt ihren Namen nicht etwa, weil dort Dichter ansässig wären. Eigentlich heißt dieses Sträßchen "Puutengasse", weiß das Monheimer Altstadt-Original Emil Drösser zu berichten. "Puuten waren Kinder, die dort ihren Schulweg hatten." Ein findiger Beamter habe aus der vom Volksmund im Monheimer Platt gebräuchlichen Benennung dann die Poetengasse gemacht. Stadtarchivar Michael Hohmeier bestätigt diese Entstehungsgeschichte. "Dort war die erste Monheimer Schule und der Begriff ,die Puuten' wurde für Kinder scherzhaft oder auch mahnend verwendet - so wie heute etwa ,die Blagen'." Zwar gebe es auch noch eine Version, wonach das lateinische Wort "Puteus" (deutsch: Brunnen) der Gasse den Namen gegeben haben soll, doch der Stadtarchivar tendiert klar zur erstgenannten Erklärung.

langenfeld (mei) Tief im Süden Langenfelds trägt ein kurzes Sträßchen den Namen South (gesprochen "Sud"). Mit dem englischen Begriff für die Himmelsrichtung Süden habe das aber nichts zu tun, sagt der Langenfelder Stadtarchivar Marco Klatt. In amtlichen Straßenverzeichnissen finde sich South schon vor dem Zweiten Weltkrieg, ebenso auf Gemarkungskarten aus dem 19. Jahrhundert - in unterschiedlicher Schreibweise. "Der Name deutet auf eine sumpfige Bodenbeschaffenheit hin", sagt Klatt. Davon geht auch der Langenfelder Heimatkundler und Mundartkenner Manfred Stuckmann aus. Wenn man sage, jemand "hätt in de South gelegen", dann bedeute dies, "er ist in den Dreck gefallen".

Die Straße "Am Zuckerbuckel" ist eine kleine Stichstraße im Hildener Süden und liegt zwischen der Schützenstraße und der Hofstraße. Früher waren an dieser Stelle die Felder des Landwirtes Büren angesiedelt, die oft für den Anbau von Zuckerrüben genutzt wurden. Da das Gelände dort nicht ganz eben war, nannte man die Gegend "Zuckerbuckel".

An der Flurstraße in Haan steht ein denkmalgeschützter alter Backsteinbau mit Klinkerfassade, quasi das erste Haus an der Stadtgrenze. Es liegt im "Dreckloch". So hießen früher im Bergischen Land Orte, an denen Torf gestochen wird oder wurde. Ein Gebäude mit einer wechselhaften Geschichte, wie der Haaner Historiker Reinhard Koll herausgefunden hat: Zwischen 1886 und 1926 leiteten drei Schulleiter die Geschicke der dort untergebrachten evangelischen Schule. "Es war üblich, dass der Schulleiter im Gebäude wohnte", erläutert der Heimatforscher. Sinkende Schülerzahlen führten 1926 zur Auflösung der Schule, die später für einige Jahre die Berufsschule beherbergte, dann von der Stadt als Übergangswohnung für "sozial Schwache" genutzt wurde. Seit 1987 befindet sich das Gebäude in Privatbesitz. Es gehört Werner Brill, der auch dort wohnt. Er hat vieles erneuert. Kinder wohnen derzeit nicht in dem Haus, das früher mal eine Schule war. "Doch es wurden so einige dort geboren", erinnert sich der Hausbesitzer.

(cs)
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