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Ratingen
Zusammenhalt macht die Siedler stark

Ratingen: Zusammenhalt macht die Siedler stark
FOTO: Stadtarchiv
Ratingen. Vor 80 Jahren entstand in Ratingen Süd die Siedlergemeinschaft. Am Samstag wird dieser Geburtstag gefeiert. Von Marita Jüngst

Der Blick auf die Satelliten-Karte zeigt vor allem eins: ganz viel Grün. Die Siedlung zwischen Raiffeisen-, Gerhard- und Fliednerstraße hat ihren Charakter in den vergangenen 80 Jahren zwar verändert, doch geblieben sind die großen Gärten hinter den Häusern. Am Samstag feiert die Siedlergemeinschaft Ratingen Süd dort ihren 80. Geburtstag. Ein Grund, um in die Geschichte dieser Siedlung einzutauchen.

Es war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Auch in Ratingen und Umgebung herrschte Wohnungs- und Hungersnot. Viele Menschen hatten keine Arbeit. In Ratingen lebte zu dieser Zeit ein Drittel der Bevölkerung von Sozialunterstützung. Auf Initiative von Bürgermeister Scheiff stellte die Stadt 1931 für Erwerbslose erstmals billiges Bauland zur Verfügung. 1935 dann wurde das Ackergelände südlich der damaligen "Herzog Gerhardstraße" für den Siedlungsbau freigegeben. Das erste Mitgliederbuch des Deutschen Siedlerbundes der bauwilligen Siedler im Ratinger Süden stammt aus dem Jahr 1936. Dieses Datum hat deshalb die Siedlergemeinschaft als Geburtsjahr der Gemeinschaft festgelegt.

Detlev Wörner (v.l.), Stefan Dietrich und Fred Pradella auf der heutigen Kolpingstraße, an der vor 80 Jahren die ersten Siedlerhäuser im Ratinger Süden entstanden. FOTO: Achim Blazy/Stadtarchiv

Die Grundsteinlegung erfolgte aber erst ein Jahr später, nämlich am 21. Mai 1937 an der Eupener Straße. Die heißt heute Kolpingstraße, bildet aber immer noch das Herzstück der Siedlung. Fred Pradella, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft, sein Stellvertreter Dr. Stefan Dietrich und Beisitzer Detlev Wörner kennen sich bestens aus in ihrem "Revier". Für die 80 Jahr-Feier haben sie noch einmal in die Archive geschaut, vor allem ins Ratinger Stadtarchiv, wo sie zahlreiche alte Fotos aus der Gründerzeit gefunden haben, auch von der Kolpingstraße.

"Die Häuser waren damals nicht sehr groß", erzählt Dietrich. 90 Quadratmeter standen den Siedlern zu. Inzwischen haben viele angebaut, um den Wohnraum zu vergrößern. Garagen sind entstanden. Geblieben sind jedoch die Gärten. "Damit sollte zu Beginn sichergestellt werden, dass die Erwerbslosen sich selbst versorgen können", sagt Dietrich. Dafür waren 960 Quadratmeter vorgesehen. Die Siedler hielten dort in kleinen Stallungen Hühner, Kaninchen und manche sogar Schweine. Die gibt es heute nicht mehr. "Aber ab und zu hört man in der Siedlung doch noch einen Hahn krähen", sagt Fred Pradella. Der Birnbaum vorm Haus war Bestandteil des Siedlungsgedankens. Hinter dem Haus wurden Kartoffeln und Gemüse angebaut.

"Heute gibt es meist nur noch einen Kräutergarten", sagt Pradella. Für die heutigen Bewohner zählt mehr das Praktische. "Der Garten muss pflegelicht sein, die Menschen sind alle berufstätig und haben nicht so viel Zeit", sagt Dietrich. Und für die älteren Bewohner wird es oft zu mühsam, den Garten in Schuss zu halten. Deshalb bestehen die Grünflächen inzwischen überwiegend aus Rasen.

Einer, der in der dritten Generation in der Siedlung wohnt, ist Detlev Wörner. "Für mich ist es hier eines der schönsten Wohngebiete in der Stadt", sagt er. Auch wenn es inzwischen ein paar nachteilige Entwicklungen gibt, vor allem für die älteren Bewohner. Lebensmittelläden sind fußläufig kaum noch zu erreichen. Die Sparkasse hat geschlossen, Telefonzellen sind abgebaut, und Briefkästen gibt es gerade mal noch zwei in der ganzen Siedlung. "Für die jungen Familien ist das kein Problem, die fahren eh mit dem Auto zum Einkaufen", sagt Wörner.

Apropos Autos: Einen Parkplatz am Straßenrand zu finden, ist gar nicht so einfach. Schließlich wurde die Siedlung errichtet, als Autos im Straßenbild noch die Ausnahme waren. Inzwischen hat jeder Haushalt mindestens zwei.

Was geblieben ist, ist der Zusammenhalt. Das wird sich am Samstag wieder zeigen, wenn die Siedler den Geburtstag von 15 bis 22 Uhr mit einem großen Straßenfest feiern. Dann wird gegrillt, das Spielmobil kommt, ebenso wie Falkner Schnurbusch. Und es gibt Musik, unter anderem mit dem Ratinger Liedermacher Alexander Seidl.

Quelle: RP
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