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Hinter Gittern in Remscheid
1500 Besucher beim Weihnachtsbasar im Gefängnis

Hinter Gittern in Remscheid: 1500 Besucher beim Weihnachtsbasar im Gefängnis
Der Weihnachtsbasar in der Justizvollzugsanstalt zog wieder viele Besucher an. Geboten wurden Produkte aus insgesamt vier Bereichen - Schuhfertigung, Schreinerei, Schneiderei und Schlosserei. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Der Basar lockte wieder weit über 1500 Besucher hinter die hohen Mauern an der Masurenstraße. Im Herzstück der Justizvollzugsanstalt - den Werkstätten - präsentierten und verkauften die Mitarbeiter handgefertigten Produkte der Insassen. Von Cristina Segovia-Buendía

Es ist eines der wohl außergewöhnlichsten Weihnachtsbasare in der Region, mit zahlreichen Vorzügen, wie sich auch am Samstag wieder zeigte. Der Reiz, mal hinter die hohen Mauern zu blicken und in einem richtigen Gefängnis hinter Gittern unterwegs zu sein, ist der eine Aspekt, der vor allem viele Neu-Besucher reizt, die dafür teilweise längere Anfahrten in Kauf nehmen. Alte Hasen hingegen, die seit Jahren diesen Basar aufsuchen, schätzen vor allem die Produkte - besonders die aus der Holzverarbeitung. Handgemacht, massiv und zu erschwinglichen Preisen.

Arbeiten aus insgesamt vier Bereichen (Schuhfertigung, Schreinerei, Schneiderei und Schlosserei) wurden ausgestellt und verkauft. Die Besucher griffen beherzt zu.

Und weil unter den zahlreichen Produkten auch das ein oder andere Unikat zu finden ist, fiel der Ansturm bereits am Morgen entsprechend groß aus: Um neun Uhr durften die ersten die Schleuse passieren und ihren Weg durch den Innenhof der Justizvollzugsanstalt (JVA) bis zu den Werkstätten antreten.

Auf dem Weg dahin ließ es sich nicht vermeiden, den Blick schweifen zu lassen: Hohe Masten mit 360 Grad Kameras hielten jeden Schritt fest. Auf den meterhohen Mauern funkelte der Stacheldraht und zwischen den Gebäuden, etwas abseits des Geländes, war ein mehrstöckiger Bau zu erkennen, mit zahlreichen vergitterten Fenstern, aus denen die Insassen die Besucherströme beobachteten.

Die Besucher allerdings vergaßen beim Betreten der Werkstätten dann relativ schnell, wo sie sich befanden. "Man könnte auch das Gefühl haben, dass man in einer Firma ist, wo einfach teure Produkte hergestellt werden, die besonders gesichert sind", sagte Uli Müller, die erstmals aus Ratingen zum Basar kam.

In der Holzverarbeitung und der Schlosserei standen große Maschinen in Hallen, die sich von Industriegeländen nicht unterschieden. Auch Janine Lecher stöberte entspannt zwischen den Holzarbeiten: "Es ist seltsam, aber ich habe nicht das Gefühl, in einem Gefängnis zu sein." Die Essenerin war ebenfalls zum ersten Mal in der Remscheider JVA und ganz angetan von dem Erlebnis: "Ich finde es spannend, so ein Gefängnis von innen zu sehen. Aber ich habe auch festgestellt, dass sie hier viele schöne Dinge haben." Besonders beliebt waren nach wie vor die Produkte aus der Arbeitstherapie: Holzfiguren, Krippen und Adventsdekor nahmen die Besucher zuhauf mit. In der Schlosserei hingen die metallischen Windspiele aus, praktische Einkaufschips oder wundervolle Skulpturen für den Garten standen bereit. Die Schneiderei bot allerhand Textilien an. In der Schreinerei präsentierten die Vollzugsbeamten massive Möbel, gemütliche Sonnenliegen aus Holz, Beistelltische oder gar eine komplette Küche.

Relativ neu ist die Schuhanfertigung, in der sich ebenfalls zahlreiche Besucher umschauten, und das ein oder andere Paar mitnahm. Modelle wie Max und Sam gehören zur neuen Kollektion, berichtete Carsten Kaiser, Betriebsleiter der Schuhfertigung. "Wir versuchen, uns immer weiter zu entwickeln, um auch für die Kunden attraktiv zu bleiben."

Die Insassen nahmen am Basar nicht teil, zeigten sich aber im Vorfeld sehr interessiert, erzählte Kaiser. "Natürlich wollen sie wissen, welche Produkte besonders gut angekommen sind und wie viel am Ende verkauft wurde."

Quelle: RP
 
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