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Remscheid
16 Jahre alter Vergewaltiger verurteilt

Remscheid. Ob der 16-Jährige nun tatsächlich so abgebrüht seine Bedürfnisse durchsetzt oder aber nicht in der Lage ist, die Realitäten wahrzunehmen, vermochte gestern Vormittag keiner der Prozessbeteiligten zu klären. "Wir sind unsicher, mit was für einem jungen Mann wir es hier zu tun haben", sagte Jugendrichter Uwe Intorf, der einen jungen Remscheider wegen Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilte. Als Auflage erhielt der Angeklagte die Maßgabe, sich in eine stationäre Therapie begeben.

Bereits mit 14 Jahren hatte er einen Mitschüler auf der Schultoilette zum Geschlechtsverkehr genötigt und sollte damals ambulant therapiert werden, um seinen übersteigerten Sexualtrieb in den Griff zu bekommen. Dieser Hilfe entzog er sich jedoch ein ums andere Mal. Stattdessen wurde er wieder auffällig, was ihm nun eine dreiwöchige Untersuchungshaft einbrachte. Diesmal war es ein Mädchen, dass er gegen ihren Willen im Intimbereich berührte. Als sie sich wehrte und ihm eine Ohrfeige verpasste, schubste sie der Beschuldigte mit Wucht vor einen Schrank.

Im Gespräch mit dem Richter versuchte der Jugendliche indes, sein Verhalten herunterzuspielen. Erst eine klare Ansprache seines Rechtsanwalts brachte die von ihm aufgebaute Fassade zum Einsturz und ließ ihn in Tränen ausbrechen. In das Bild eines völlig uneinsichtigen Jungen passten jedoch auch die Ausführungen der Leiterin der Förderschule, die er seit zwei Jahren besucht. Die Verhaltensauffälligkeiten betrachte die Rektorin mit großer Sorge. "Sein eigenes Fehlverhalten streitet er stets ab. Wenn er nicht beaufsichtigt wird, kommt es zur Katastrophe", mahnte die erfahrene Pädagogin. Vorhaltungen, auf die der Angeklagte prompt aggressiv reagierte.

Ein wichtiger Schlüssel zu seiner verhängnisvollen Entwicklung scheint in seinem Verhältnis zur Mutter zu liegen. "Dieser junge Mann ist das personifizierte pädagogische Desaster. Wenn ihm danach ist, versucht er seine Bedürfnisse zu befriedigen – ohne Rücksicht auf andere", fand Staatsanwalt Bernd Hogrebe klare Worte. Die Mutter, die ihm "ständig die Hand gehalten habe", sei Teil seines Lügensystems. Für den Staatsanwalt lagen die erheblich schädlichen Neigungen des Delinquenten auf der Hand. "Wenn man ihn ohne Diagnostik und Therapie auf die Straße zurückschickt, ist er eine Gefahr."

Auch Rechtsanwalt Rik Nitsch sprach sich für einen stationären Aufenthalt in einer therapeutischen Einrichtung aus, da seinem Mandanten in der Haft nicht geholfen werde: "Wenn dieser Versuch allerdings fehlschlägt, bin ich mit meinem Latein am Ende."

Quelle: RP
 
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