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Remscheid
"24-Stunden-Kita schadet dem Kind"

Remscheid: "24-Stunden-Kita schadet dem Kind"
Die grüne Landtagsabgeordnete Jutta Velte. FOTO: Nico Hertgen (Archiv)
Remscheid. Referentinnen warnten in Jugendhilfeausschuss-Sitzung vor psychischen Folgen. Tagesmütter sollen die Alternative sein. Von Solveig Pudelski

Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, werden auch künftig schlechte Karten haben, ihr Kind verlässlich in einer Kita betreuen lassen zu können: Eine 24-Stunden-Kita, wie es die CDU-Fraktion vorgeschlagen hat - und es zum Beispiel in Hamburg gibt-, wird in Remscheid voraussichtlich nicht eingerichtet werden.

Denn die Botschaft eines Vortrags in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses war eindeutig: Aus pädagogischer Sicht könne solch ein Angebot nicht empfohlen werden, weil die Kinder Schaden nehmen. Ein anderes Patentrezept hatten weder die Verwaltung noch die Ausschussmitglieder.

Die beiden Referentinnen, Helga Tolle und Beate Nierhoff, skizzierten die Folgen einer Betreuung in einer 24-Stunden-Kita für die Entwicklung der Kinder. Zu lange Betreuungszeiten brächten sie psychisch ans Limit. Es bedeute für die Kleinen Stress, der Cortisolspiegel steige. Wenn die Bezugspersonen wechselten, weil im Schichtbetrieb nicht immer dieselben Erzieherinnen Spätdienst haben, können sie keine Bindung aufbauen - was in diesem Alter sehr wichtig für die spätere Entwicklung sei. An mehreren Beispielen erläuterten sie, wie lang die Betreuungszeiten wären, wenn eine Kassiererin oder eine Krankenschwester ihr Kind in der Kita abgibt: zehn, elf Stunden - das sei zu viel.

Außerdem werden Kinder vermutlich öfter aus dem Schlaf gerissen. In der Schlafsituation finden sie nicht die nötige Nähe und den stetigen Kontakt zu den wichtigen "Bindungspersonen". Die Bedürfnisse des Kindes blieben daher auf der Strecke. Sie werden verletzlich, "es bilden sich biologische Narben, die Auswirkungen auf ihr ganzes Leben haben", warnten die Referentinnen. Gleichwohl räumten sie ein, dass familiäre und gesellschaftliche Veränderungen dazu führen, dass viele, vor allem Alleinerziehende, einen Betreuungsbedarf ihrer Kinder außerhalb der üblichen Kita-Öffnungszeiten haben.

"Aber die Folgen eines Schichtbebetriebs dürfen nicht Kindern aufgebürdet werden", sagte Helga Tolle. Mögliche Ansätze seien daher eine Betreuung bei einer Tagesmutter oder dass Eltern mit kleinen Kindern von Nachtschichten befreit werden. "Schön wäre es, dazu etwas von Arbeitergeberseite zu hören, von einem familienfreundlichen Betrieb", schlug Jutta Velte (Grüne) vor. Ideal wäre es, Frauen in prekären Lagen eine Nanny zur Seite zu stellen. Ausschussvorsitzende Gabi Leitzbach (SPD) regte an, die IHK zu diesem Thema zu hören. Sie habe erfahren, dass Eltern sich zusammengeschlossen haben, um eine gegenseitige Übernacht-Betreuung zu organisieren. Mit diesen Modellen wollte sich Katharina Keil (SPD) nicht zufrieden geben. Die Stadt solle eine Randzeiten-Betreung anbieten, also vor und nach den Kita-Öffnungszeiten, um berufstätigen Frauen oder Eltern entgegenzukommen.

Quelle: RP
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