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Remscheid
Als an der Linnefe die Mühle klapperte

Remscheid: Als an der Linnefe die Mühle klapperte
Ruth Greitemann mit ihrer Tochter Diana Goehrke und Hund Flecki. Zusammen mit Ruth Greitemanns Enkel Pascal betreiben sie das Restaurant "Pfannkuchen-Haus". FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. 546 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung der Coenenmühle pflegt Familie Greitemann eine genüssliche Tradition. Von Theresa Demski

Ruth Greitemann sitzt mit einem Kaffee auf den uralten Stufen der Treppe vor der Coenenmühle. "An diesem Ort finde ich Ruhe", sagt sie. Hinter dem Hof erstreckt sich der Wald, am Haus fließt die Linnefe vorbei. Gleich beginnt Tochter Diana Goehrke mit den Vorbereitungen in der Küche, in wenigen Stunden werden die ersten Gäste im "Pfannkuchen-Haus" erwartet.

Aber noch ist es ganz still im Tal. "Die Spuren der Geschichte sind hier ganz deutlich zu erkennen", sagt Ruth Greitemann, als ihr Blick über das Haus wandert. Seit 1382 stehe die Mühle an jenem besonderen Platz an der Linnefe, besagt ein Schild am Gebäude. "Die erste urkundliche Erwähnung der Coenenmühle finden wir in einem Einnahmenbuch der Kirche von 1471", sagt Heimatforscher Nicolaus Breidenbach. Offensichtlich habe die Mühle Zahlungen an die Kirche richten müssen. Später tauchen dann zwei Namen in den Büchern auf: Freiherr von Eller und Conrad Schmidt.

Der erste wohnte in der Mühle Plettenberg, investierte und kaufte schließlich für 120 Gulden auch die zweite Mühle. Der andere pachtete Gebäude und Mühle und gab ihr ihren Namen. "Aus Conrad wurde Coenen", sagt Breidenbach. Das war im 17. Jahrhundert.

Die Kornmühle an der Linnefe sei damals wohl eine Goldgrube gewesen, sagt der Heimatforscher. Nicht umsonst hätten die Müller zur "Creme der Gesellschaft" gehört. Ab 1799 wechselten die Besitzer der Mühle stetig, bevor sie um 1910 ihre wirtschaftliche Bedeutung völlig verlor - das Schicksal vieler kleiner Mühlen Anfang des 20. Jahrhunderts. Über die Zeit danach schweigen die Geschichtsbücher.

Fest steht: 1988 kauften Ruth und Josef Greitemann das geschichts-trächtige Haus, das inzwischen Gastronomie beherbergte. Greitemanns führten bereits die Schnitzelpfanne in Grunewald und zögerten nicht, als die alte Mühle zum Verkauf stand. "Diese Lage ist einfach einmalig", sagt Ruth Greitemann. Rund 7000 Quadratmeter Mitten in der Natur. "Das bedeutete für uns eine große Freiheit", sagt sie.

Die Tradition des alten Hauses erhalten und trotzdem moderne Gastronomie schaffen: Das war ihr Ziel. Josef Greitemann übernahm als gelernter Koch die Küche, seine Frau wurde das Gesicht im Restaurant. "Dafür musst du geboren sein", sagt sie. Oft entdeckt sie an den Tischen ältere Menschen, die in dem Moment höflich verstummen, in dem sie Platz nehmen. "Dann gehe ich zu den Tischen, plaudere, frage und erzähle", erklärt Ruth Greitemann, "und plötzlich kommen die Menschen ins Gespräch." Genau das wünsche sie sich für diesen Ort: Geselligkeit, familiären Zusammenhalt. Die Gäste danken es Familie Greitemann. Seit fast 30 Jahren kommen sie wieder und werben weit über die Stadtgrenzen hinaus für das Restaurant an besonderer Stelle.

Anfang des Jahres änderte sich für die Familie in der Coenenmühle dann alles: Völlig überraschend starb Josef Greitemann. "Wir haben das Restaurant trotzdem aufgemacht", sagt Tochter Diana Goehrke, "wir dachten nur: Die Coenenmühle darf nicht sterben." Trotz der großen Trauer und des schmerzhaften Abschieds machte Ruth Greitemann mit ihren Kindern Diana und Stefan weiter. Enkel Pascal stieg in den Betrieb mit ein und inzwischen gehört auch Hündin Flecki fest mit zur Besatzung.

"Aber Papa hatte die Rezepte mit ins Grab genommen", erzählt Diana Goehrke. Viele Stunden verbrachte sie mit ihrer Mutter in der Küche, testete, kochte, verwarf und entdeckte. "Ich habe den Geschmacks- und den Geruchssinn von meinem Vater geerbt", sagt die Tochter. Und nur so gelang der Coup: Sie brachte die Rezepte auf Papier. "Heute sagen uns die Gäste oft, wir seien unverändert gut. Das ist die erhoffte Bestätigung, dass wir den richtigen Weg gegangen sind", sagt Diana Goehrke.

Nach wie vor werde jedes Ei frisch aufgeschlagen, jedes Gemüse geschnibbelt, der Geist des Hauses erhalten. Das gilt für die besonderen Orte wie die "Kuschelecke", in der die Besucher ein Schild an der Wand daran erinnert: Essen nicht vergessen. Oder den Biergarten, den im Sommer auch Motorradfahrer auf ihren Touren durchs Bergische gerne nutzen.

"Man muss schon ein Gefühl haben für diesen Ort", sagt Diana Goehrke. Die Dielen quietschen und manche Zimmer haben von der einen zur anderen Seite acht Zentimeter Höhenunterschied. "Aber das ist unser Zuhause", sagen die beiden Frauen, "und die Gäste gehören zur Familie."

Quelle: RP
 
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