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Remscheid
Als der Kraspütt noch ein gefährliches Pflaster war

Remscheid. Kerstin Hartmann führte als Magd Gertrudis Teilnehmer der Führung zurück in Zeiten des mittelalterlichen Lennep.

Krötenplage, Sumpfland, etliche Hausbrunnen und Lehmboden im Haus kann man sich heute in Lennep nicht mehr vorstellen. Das war für Magd Gertrudis (Kerstin Hartmann) jedoch Alltag, bevor sie durch ein fehlgeschlagenes Räucherritual ihrer Urahnin Merle vom Mittelalter direkt ins Lennep der Neuzeit gezaubert wurde. So sieht die erfundene Rahmenhandlung aus für eine Führung der Eventagentur 378 Meter.

Die Frau aus dem Mittelalter macht das Beste aus ihrer misslichen Situation und führt, wie am Wochenende, interessierte Gruppen durch die Lenneper Altstadt. Mit dabei in ihrem Leinenbeutel: unterhaltsame Anekdoten und Fakten zur Geschichte der "Perle des Bergischen".

Dem Verlauf des Flusses Lennepe folgend, um den sich die Stadt 1170 gründete, ging es zum Beispiel durch die Paulsgasse zum Kraspütt. Heute einer der idyllischen Ecken Lenneps, war der Fleck im Mittelalter eins der gefährlichsten Pflaster. Sumpfig und feucht wohnten hier im 14. Jahrhundert die Randgruppen: Bettler, Tagelöhner, Beutelschneider. Sämtliche Abfälle wurden zudem dort entsorgt.

Unterhaltsam und informativ verpackte Gertrudis während des eineinhalbstündigen Rundgangs Fakten zum Leben in der Tuchmacherstadt, die entlang der Handelsstraße von Dortmund nach Köln günstig lag, viele Händler und auch Pilger beherbergte, die ihr viel Geld einbrachten. Entlang der Stadtmauer in der Wallstraße und vorbei an den vier Toren der Stadt gehend, erzählte die Magd aber auch von den schlechten Zeiten. Von der Pest-Plage oder den drei großen Bränden etwa, die - begünstigt durch die enge Bauweise - die Stadt schnell entzündeten und komplett zerstörten. Unter dem Alter Markt gibt es heute noch Fluchtgänge, die als Lehre aus den Bränden angelegt wurden, um im Notfall schnell entkommen zu können. Auch viele der Hausbrunnen existieren immer noch in den alten Häusern, bei denen aufgrund der Feuchte Getreide und andere Dinge mit dem Flaschenzug im Giebel gelagert wurden.

Anders als im Mittelalter üblich, weihte Gertrudis ihre 20 Begleiter auch in die Kräuterheilkunde ein, die in der Tuchmacherstadt nicht nur für die Gesundheit, sondern auch zum Färben der Schafswolle genutzt wurde. Heute braucht die Magd jedoch keine Angst mehr zu haben, deshalb als Hexe bezichtigt zu werden. Hinrichtungen oder der Pranger waren für das mittelalterliche Volk allerdings eine willkommene Abwechslung, merkte Gertrudis fast beiläufig an.

(AM)
 
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