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Remscheid
Als Verlag in einer Nische überleben

Remscheid: Als Verlag in einer Nische überleben
FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Remscheid. Seit 25 Jahren leitet Michael Itschert den Gardez-Verlag. Der Ein-Mann-Betrieb hat seinen Sitz in Lüttringhausen. Von Stefanie Bona

Als kleines Unternehmen hält sich der in Lüttringhausen beheimatete Gardez-Verlag seit nunmehr 25 Jahren erfolgreich am Markt - mit allen Höhen und Tiefen, wie Verleger Michael Itschert einräumt. Als er am Ende seines Studiums der Buchwissenschaft, Geschichte und Politik im Jahr 1990 einen Verlag gründete, lag das Ziel einer beruflichen Existenz gar nicht auf der Hand. "Ich hatte mir gedacht, so ein Projekt könnte man gut als Praktikum nutzen", erinnert sich Itschert. Daraus entstand ein Ratgeber für Kleinverleger und später die "33 Tipps für Autoren". Dementsprechend lagen die ersten Jahre des Gardez-Verlags auf dem Schwerpunkt Fach- und Sachbuch.

Dass öffentliche Büchereien um ihre Existenz kämpfen und die Etats an den Uni Bibliotheken sinken, habe man auch im Verlagswesen sehr stark spüren können. Also weitete Michael Itschert sein Spektrum aus. Weil es seine Frau aus beruflichen Gründen nach Lüttringhausen verschlagen hat, zog die Familie vor elf Jahren um. In der Richthofenstraße fand der Verleger die passenden Räume, wo er dem Belletristik-Bereich stärkere Aufmerksamkeit schenkte und Bücher mit regionalem Bezug als Erfolgsfaktor entdeckte.

In diesem Bereich entstanden etwa Bildbände wie über den Wuppertaler Zoo, der Multi-Kulti-Krimi "Kölner Samba" oder die Krimianthologie "Mörderisch bergisch" mit Kurzgeschichten von Autoren aus der Region. Rund 250 Bücher hat Itschert in 25 Jahren herausgegeben. Um als Kleinverlag am Markt bestehen zu können, sei es wichtig, für den Zeitgeist den richtigen Riecher zu haben. So haben sich Kriminalromane, die in der Fußballszene spielen und dabei noch einen bestimmten Verein und damit eine Stadt in den Fokus rücken, als beliebt bei den Literaturfreunden herausgestellt. Vermarktung, Vertrieb, Verwaltung und Logistik liegen bei einem kleinen Verlag in einer Hand. Michael Itschert nutzt alle Vertriebskanäle - vom Online-Händler bis zur kleinen Vor-Ort-Buchhandlung. "Man kann auch klingeln und direkt bei mir kaufen", sagt er lächelnd. Um seine Bücher bekannt zu machen, setzt er auf originelle Events wie etwa eine Krimi-Stadtführung oder eine Lesung in einem Restaurant. Er besucht Buchmessen und beteiligt sich an regionalen Märkten wie etwa denen auf Schloss Burg.

Dass es die Buchpreisbindung gibt, komme kleinen Unternehmen in der Verlagsbranche entgegen. "Damit kostet ein Buch überall gleich viel und man ist dem Preiskampf nicht so ausgesetzt." Rückblickend sei die Entscheidung, sein eigener Herr zu sein, richtig gewesen. "Wenn ich von einem Projekt überzeugt bin, kann ich es umsetzen. In größeren Häusern sind die Strukturen viel schwerfälliger. Findet man als Lektor ein Manuskript gut, sind die Entscheidungswege manchmal so lang, dass es am Ende doch nicht veröffentlicht wird."

Quelle: RP
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