| 00.00 Uhr

Remscheid
Antiquitäten-Stammtisch fördert Kurioses zutage

Remscheid. An der Taschenuhr kleben noch einige Erdreste. Die Zeiger fehlen, doch die letzte angezeigte Zeit ist durch Rost noch zu sehen. Das Fundstück von Stefanie Luke, das sie bei einer Ausgrabung im Wald in Südostbulgarien gefunden hat, hat einen speziellen Wert: seine Geschichte. Beim zweiten Antiquitäten-Stammtisch im Werkzeugmuseum fand die Uhr viel Anerkennung. Von Anna Mazzalupi

In einer kleineren, aber nicht weniger interessanteren Runde als bei der Premiere der Veranstaltungsreihe im April, konnten sich die Antiquitätenliebhaber über Kurioses, Geschichte oder Kunst austauschen. "Das ist eine Wundertüte", sagt Hans Krielke, der als Experte die mitgebrachten Stücke unter die Lupe nahm. Dabei gehe es weniger um den Wert der Sachen, betonte Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Zentrums: "Es geht mehr um die Geschichte, die dahintersteckt. Das ist spannend und schön, weil dazu jeder etwas sagen kann".

Karin Hinz präsentierte einen kleinen Teller, den sie aus der Haushaltsauflösung der Inhaberin des ehemaligen Porzellanfachgeschäfts Hertel hat. Das Stück bestach besonders durch den Aufdruck aller Herstellermarken auf der Rückseite. Die Vorderseite war mit einem Glücksboten verziert. Vom Typ her stammt das Tellerchen aus den 50er Jahren.

Alte Sammelbücher brachte Gretel Schmidt mit, die den Haushalt ihrer 84-jährigen Großcousine ausmistet. Es roch nach altem, staubigen Papier, als sie die Sammelalben von Stollwerk aus dem Jahr 1911 oder über den Ersten Weltkrieg auspackte. "Wenn sich noch einer dafür interessiert, sollte es nicht in den Müll kommen", erklärte Schmidt. Zufall: Besucher Friedel Petri kennt vielleicht jemanden, der sich für die speziellen Alben interessiert. Petri selbst brachte zwei Werkzeuge seiner Kenia-Reise sowie ein altes Stallschloss mit. "Das ist eine schöne Schmiedearbeit", lobte Wallbrecht.

Ein Highlight des Abends ist Wolfgang Böschs Bild. Es zeigt eine idyllische, südländische Atmosphäre. Es ist nicht gemalt, sondern aus Stoffresten gefertigt. "Das Bild habe ich in der 80er Jahren aus meinem Urlaub in Ischia mitgebracht", erzählte Bösch. Er hatte es direkt vom Maler Funicicho gekauft. Böschs Vermutung: Weil die Farben im Krieg knapp waren, hat der Künstler Stoffreste verwendet und ist der collageartigen Technik treu geblieben. "Er wurde auch der Lumpensammler von Ischia genannt", merkte Bösch an. Als ganz außergewöhnlich bezeichnete Krielke das Werk. Zudem fand sich mit Werner Müllers Bild eines Geistlichen aus Familienbesitz eine Doppelgängergeschichte.

Nächster Antiquitäten-Stammtisch: 23. November.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Antiquitäten-Stammtisch fördert Kurioses zutage


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.