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Remscheid
Asül mit Kalkül

Remscheid: Asül mit Kalkül
Django Asyl machte "Boxenstopp" in der Lenneper Klosterkirche. FOTO: Hans-Dieter Seufert
Remscheid. Der Kabarettist Django Asül machte mit seinem gleichnamigen Programm "Boxenstopp" in der Klosterkirche. Der gebürtige Türke und waschechte Niederbayer spielt mit Klischees und schaut dem Volk aufs Maul. Von Bernnd Geisler

Auch wer den Kabarettisten Django Asül nur vom Fernsehen kennt, glaubt es schon immer gewusst zu haben: Der Asül ist kein "richtiger" Türke. Vielleicht ist das seine Masche, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wie er so redet, wie er sich gibt - der bayerische Seppelhut mit Gamsbart stände ihm vortrefflich. Aber andererseits, er sieht ja nun nicht so aus, als seien seine Vorfahren gemeinsam mit Ludwig Ganghofer in Bayern auf Pirsch gegangen. Django Asül räumte am Samstag in der Klosterkirche während seines "Boxenstopps", so heißt sein Programm, mit allen queren Grübeleien über ihn auf: Er ist waschechter Niederbayer.

Und so klingt er auch. Allerdings: "Meine Eltern waren mal Türken." Und damit will er sagen, dass sie mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben - und ihn als den letzten Türken in der Familie zurückließen.

Er selbst wurde erst 2010 Deutscher, obwohl in Niederbayern geboren und sein Türkisch schlechter sei als das Bayerische seiner Eltern. Warum hat er sich erst so spät als Deutscher offiziell geoutet? Zwischen seinen satirischen und ulkigen Sätzen fiel das Spekulieren leicht: Erstens, weil er damit sehr lange inkognito als "anatolischer Florian Silbereisen" gelten konnte, und zweitens, weil er stets ein treffliches Ziel niederbayerischer Stammtischparolen abgab. Die bayerisch-derben Sprüche konnte er postwendend in seinen Kabarettprogrammen verwenden: Asül mit Kalkül. Zum Bayern geadelt hatten ihn seine Landsleute bereits vorher. Im Jahr 2007 hielt er die Fastenrede auf dem Münchner Nockherberg, seit 2008 tritt er im staatlichen Hofbräuhaus beim traditionellen Maibockanstich als Festredner auf. Da nimmt er kein Blatt vor dem Mund. So auch in der Klosterkirche.

Aber stets mit dem Gespür für die austarierte Gratwanderung zwischen Komik und Menschlichkeit, die einen Satiriker mit Empathie auszeichnet: Niemals unter die Gürtellinie und trotzdem mit Blick auf des Pudels Kern. Django Asül dirigierte etwa als Jugendtrainer seine Fußballmannschaft, von denen acht mit Migrationshintergrund den Ball kicken. Neben seinen Kommandos ("Ali, spring ihm endlich von der Brust!") erläuterte er im besten Niederbayerisch, dass die Trainer als Jugend-Sozialarbeiter die Arbeit der Schulen übernehmen, wenn die Klassen eh nur aus "Türken, Russen und Österreichern bestehen und der Lehrer aus Sachsen kommt". Und dann wird's klar, dass auch hier die Stammtischparolen regieren, wenn der Trainer von der "Präventivität" spricht, die aber "vorher" durchgeführt werden müsse. Allerdings gehört er nicht zu den Landsleuten, die auf die Frage "Kennst du Gorbatschow?" antworten mit: "Ja, aber nur mit Red Bull."

Aber auch die vermeintlichen Schlaumeier bekommen ihr Fett weg. Sie wollten "den Flüchtling" gerne aufnehmen, wenn einer pro Woche komme, fließend Deutsch spreche und Jura studiert habe. Damit er dem deutschen Beamten beim Ausfüllen der Formulare helfen kann. Asül schaut dem Volk aufs Maul, zitiert und treibt die Parolen auf die Spitze. Und damit kann sich jeder an seine eigene Nase fassen "Bin etwa ich gemeint?"

Quelle: RP
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