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Mein Stadtteil: Mit Frank Neveling durch Lennep
Auf den Spuren der eigenen Lebenszeit

Mein Stadtteil: Mit Frank Neveling durch Lennep: Auf den Spuren der eigenen Lebenszeit
Dr. Frank Neveling, Leiter des Gesundheitsamtes, vor dem Röntgen-Gymnasium. Er muss immer mal wieder in diese Schule hineinschauen, um zu sehen, ob sich etwas verändert hat. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Seit Generationen wohnen die Nevelings in Lennep. Alle haben ihre schulische Bildung im Röntgen-Gymnasium erhalten. Von Stefanie Bona

Den überwiegenden Teil seines Lebens hat Dr. Frank Neveling in Lennep verbracht - und das gerne und aus Überzeugung. "Hier kennt man sich, man wird im Geschäft mit Namen angesprochen. In der Großstadt hat man zwar das Kino vor der Tür, aber es ist dort anonym und man findet keinen Parkplatz", sagt der Mediziner, der seit 2004 Leiter des städtischen Gesundheitsamtes ist. Dabei hat er durchaus Erfahrung mit den Metropolen.

Als Wehrpflichtiger war er unter anderem in Hamburg stationiert, studiert hat er in Düsseldorf. Nach Stationen in Krankenhäusern in Wülfrath und Erkelenz sowie im Gesundheitsamt Wuppertal kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Heute wohnt Frank Neveling mit seiner Familie ländlich zwischen Lennep und Bergisch Born in dem Haus, in dem er selbst geboren wurde. Das Holz für den eigenen Kamin schlägt er selbst und muss dazu keine weiten Wege zurücklegen.

Beim Lennep-Spaziergang erinnert er sich an seine Grundschulzeit in der Grundschule Glocke am Kreishaus. Als das Schulgebäude geschlossen wurde, zogen Kinder und Lehrer ins Gebäude der Pestalozzischule um und das zweite bis vierte Schuljahr verbrachte Frank Neveling an der Grundschule Hasenberg. Das Röntgen-Gymnasium besuchten bereits sein Großvater, sein Vater, er selbst und seine beiden Geschwister, seine Frau und schließlich seine drei Kinder, die heute bereits alle studieren. "In das Gebäude gehe ich heute noch gerne. Einfach um zu gucken, ob sich was verändert hat", sagt der Amtsarzt und hat auch vor dem Fototermin mit der BM mal eben ins Foyer geschaut.

So ist ein Pflichttermin - wie für viele ehemalige RöGys - ein Besuch beim Altstadtfest. Dort traf er sich auch im Vorfeld mit einigen Mitschülern. Das Auto wurde stehen gelassen, stattdessen schwang er sich auf den Fahrradsattel. Auch das ist Lennep. "Man kann auf kurzen Wegen alles erreichen und ist schnell im Grünen." Vom Kreishaus führt der Weg durch die Kölner Straße. Hier ist seit den 1970er Jahren das Eis-Café Sagui Magnet für Jung und Alt. "Da bin ich als Schüler schon gerne hingegangen und das hat sich bis heute nicht geändert", erzählt er. In der Altstadt ist der Arzt hin und wieder. "Meinen Tee kaufe ich immer bei der Eule. Und wenn samstags in der Stadt bin, sage ich schnell mal Guten Tag." Auch dieses Geschäft mit ein bisschen Kultcharakter gab es schon in seiner Jugendzeit.

Doch schwelgt Frank Neveling nicht nur in Erinnerungen. "Lennep hat sich in den letzten Jahren zunehmend gemausert. Es ist einfach mehr los hier", sagt er hinsichtlich vieler Vereinsaktivitäten und der zahlreichen Restaurants, die gemeinhin gut besucht werden. Die Gastronomie habe sich deutlich verbessert, auch das Kulturprogramm etwa in der Klosterkirche oder das Jazzfrühstück im Rotationstheater seien Angebote, die er hin und wieder wahrnehme.

Wie sieht er die Stadtentwicklung vor dem Hintergrund des geplanten DOC-Baus? Ein Thema, das selbst innerhalb der Familie Neveling kontrovers diskutiert werde, räumt er ein. Aus der öffentlichen Debatte rund um das Projekt möchte er sich raushalten. Dass das Outlet aber zumindest eine Chance ist, um Leerstände im schönen Lennep endlich wieder vermarkten zu können, liege sicher auf der Hand.

15 Jahre hat Neveling ärztliche Notdienste in Lennep und Lüttringhausen übernommen. "In vielen Häusern bin ich tatsächlich schon gewesen", sagt er und blickt entlang der Röntgenstraße. Er erinnert sich an nächtliche Fahrten, wo man mit der Taschenlampe die Hausnummern suchen musste, weil sie unbeleuchtet und im Verborgenen angebracht waren.

"In Deutschland ist alles geregelt, nur nicht, dass man Hausnummern gut sichtbar anbringen muss", sagt er schmunzelnd.

Was ihm vor Ort Sorgen bereitet, ist die ärztliche Versorgung in ganz Remscheid, wobei neuerliche Initiativen nunmehr erste Früchte tragen. Es geht unter anderem darum, junge Mediziner als Nachfolger für Praxen zu gewinnen, wenn die Fachärzte in den Ruhestand gehen. Dabei muss man natürlich die Vorzüge der Stadt herausstellen. "Für Lennep kann ich da besonders authentisch werben", sagt er lachend und wiederholt: "Das Schöne ist doch, dass man sich kennt."

Generell bekomme man in Remscheid ein gut funktionierendes, auch berufsbezogenes Netzwerk zusammen. Außerdem sei die Lebensqualität hoch und die Kaufkraft deutlich höher, als zum Beispiel in Düsseldorf mit hohen Preisen für Miete und Eigentum.

Wenn er an seine Kinder denkt, stellt sich die Frage, ob die nächste Generation die gleiche Verbundenheit zu Lennep haben werde wie die Eltern. "Ich kann mir das vorstellen. Auf jeden Fall kommen sie immer gerne nach Hause zurück."

Quelle: RP
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