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Remscheid
Auf der Suche nach Kunst und Lebensweisheit

Remscheid. Die Ausstellung "Weltkunst" beleuchtet das Leben und die Sammelleidenschaft des Bankers Eduard von der Heydt. Von Christian Peiseler

Im von der Heydt-Museum auf die Repräsentanten der Moderne zu treffen, kann treue Besucher des Museums in der Elberfelder Innenstadt kaum überraschen. Paula Modersohn-Becker, Picasso, Dali, Renoir, Kirchner, Degas, Macke, Marc, Kandinsky - das Who's Who aus der Zeit, als die Malerei sich auf vielfältige Weise von den Konventionen der Kunst des 19. Jahrhunderts zu befreien versuchte. Und dennoch: Was so vertraut und bekannt erscheint, erstaunt beim Besuch der Ausstellung "Weltkunst - Die Sammlung Eduard von der Heydt (1882 bis 1964)".

13 Bilder von Paula Modersohn-Becker empfangen den Besucher in der ersten Etage. Die Konzentration der Werke der Ausnahmekünstlerin lässt das neugierige Herz und den Geschmack des Sammlers in diesem Raum erahnen. Der Mann war in Kunstfragen auf der Höhe seiner Zeit. Die Rede ist hier noch von August von der Heydt, dem Vater von Eduard, der seinem Sohn eine profunde Sammlung vererbt hat. Eduard führte die Sammlung weiter. Auf eigene Art, ohne Niveauverlust.

Das Ausstellungskonzept von Museumsdirektor Gerhard Finckh arbeitet viel mit Fotografien, die den privilegierten Lebensstil des Bankers abbilden. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen, mit welchen Klassikern der Moderne Eduard von der Heydt sich bei einer Tasse Tee in seinem Salon umgab. Er hätte vier Mal am Tag ein Jahr lang umhängen können, ohne dass sich ein Bild wiederholt hätte. Eduard von der Heydt vergrößerte die Sammlung auf mehr als 3000 Objekte. Da man so viel Kunst in keinem Keller unterbringen kann, hatte er zeitweise 70 Museen in aller Welt mit Leihgaben versorgt.

Die Ausstellung hebt auch eine zweite, unbekanntere Seite des Sammlers hervor: Seine Begeisterung für alternative Lebensentwürfe, die er mit Kunst aus China und Afrika flankierte. Im zweiten Stockwerke haben die Kuratoren private Räume des Sammlers nachgebaut. Im Mittelpunkt steht das Flair der lebensreformerischen Künstlerkolonie, der "Monte Verità" in Ascona zum Beispiel, der damals zum Zentrum neuer Bewegungen wurde. Buddhaköpfe aus China und Kambodscha, Kultfiguren aus Papua-Neuguinea und dem Kongo stehen für diese Haltung. Sie stammen aus dem Museum Riedberg (Zürich), dem Eduard von der Heydt diese Seite seines Kunstinteresses vermacht hat. Es ist die überraschende Seite der Ausstellung: Der Mann der Zahlen mit ästhetischem Weitblick.

Quelle: RP
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