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Remscheid
Auf kleinsten Raum eine eigene Welt erbaut

Remscheid: Auf kleinsten Raum eine eigene Welt erbaut
Szene aus der Zeitungsredaktion, in der der Journalist Schreiber arbeitet. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Remscheid. Vor allem die Bühnenbilder begeistern beim Papier-Theater-Stück "Eine Stunde mehr".

Papier ist geduldig, sagt man. Papier kann aber auch vibrieren, es kann vor Spannung zerspringen wollen und es kann zum Vehikel für eine lebendige, pulsierende Geschichte werden. Zumindest dann, wenn es im Papiertheater von Martin und Sieglinde Haase an der Ackerstraße zum Leben erweckt wird. So geschehen. als in Haases Papiertheater das Stück "Eine Stunde mehr" gegeben wird.

Das Theater im Souterrain ist mit 16 Besuchern, darunter auch mehrere Kinder, voll besetzt - und das Publikum ist am Staunen und lässt seiner Begeisterung immer wieder freien Lauf. Auf einer kleinen Bühne, vielleicht von der Größe eines Computermonitors, die sich nach hinten ins Dreidimensionale vertieft, präsentieren Martin und Sieglinde Haase eine Welt, in die sich einzutauchen lohnt, die einem das aber in ihrer Detailverliebtheit auch sehr einfach macht.

Die Geschichte von "Eine Stunde mehr", das seine Premiere auf dem internationalen Papiertheatertreffen in Preetz im Jahr 2014 hatte, wird dabei glatt zur Nebensache. Der etwas verrückte Professor Oehmigke hat - vielleicht? - eine Zeitmaschine erfunden, der Journalist Schreiber wünscht sich immer wieder mal die titelgebende "Eine Stunde mehr", damit er eben mehr Zeit für seine Freundin hat. Ob das nun alles Quatsch ist, ob der Professor vielleicht viel weniger verrückt ist, als es den Anschein hat - diese Fragen werden in der knappen Dreiviertelstunde geklärt.

Was aber viel wichtiger ist, was noch viel mehr Spaß in den Abend bringt: Das sind die Details. Das ist die Liebe zur Kleinigkeit, die sich in jedem Bühnenbild zeigt. Das fängt schon bei der wunderbaren Sprecherleistung der beiden Haase-Söhne Simon und Daniel an. Die hauchen den kleinen Figuren großes Leben ein.

Dazu kommen, auch das Zeugnis der Detailverliebtheit der Macher, Geräusche wie Sirenen vor dem brennenden Haus des Professors, wirklich geniale Lichteffekte, wenn etwa die Werkstatt des Professors betreten wird, die zunächst dunkel ist und in die dann durch die geöffnete Tür Licht auf die - vermeintliche? - Zeitmaschine fällt oder der Rauch, der beim brennenden Haus aus den Kulissen quillt.

Wirklicher Star des Abends sind aber die Bühnenbilder. Es ist schier unglaublich, in welcher Perfektion diese Kulissen von Martin Haase gestalten werden. Und auch, in welch kurzer Zeit sie ausgetauscht werden, immer untermalt von entweder handlungsführenden Dialogen oder einfach auch untermalender Musik. Dazu kommt das heimelige Ambiente im Souterrain von Haases Haus an der Ackerstraße. Das kleine Papiertheater macht einen die Komplexität der Welt für eine kurze Zeit vergessen.

(wow)
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