| 00.00 Uhr

Siegfried Landau
Auferstehung kann man nicht verstehen

Siegfried Landau: Auferstehung kann man nicht verstehen
Siegfried Landau. FOTO: Saltmann Thilo
Remscheid. Nur mit Vergleichen kann man sich dem Geheimnis des Osterfestes nähern, meint der Pfarrer der Hastener Gemeinde.

Wie erkläre ich einem Kind die Bedeutung von Ostern?

Siegfried Landau In Vergleichen und Symbolen, wie zum Beispiel in dem alten Kindervers: "Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen." Das Wörtchen "wie" ist entscheidend. Ostern kann man eigentlich nicht erklären. Man kann nur durch Vergleiche versuchen zu erahnen, was es wirklich bedeutet. Die Geburt des Vogels aus dem Ei steht dabei für die schöpferische Kraft, die zu Ostern aufscheint. Zugleich steht das Zerbrechen des Eises und seine Verwandlung zu einem Küken auch als Symbol vor Augen und verdeutlicht, dass da derjenige am Werk ist, der die Welt aus dem Nichts ins Sein rief. Von wegen Hase bringt Ei. Das ist eine Verballhornung. Das Osterei steht für etwas ganz anderes.

Die Auferstehung sprengt die Grenzen der Vernunft. Wie soll man Ungläubigen und Zweiflern die Auferstehung erklären?

Landau Was für kleine Menschen gilt, gilt auch für Große. Man kann die Bedeutung allenfalls umschreiben. Verstehen kann man sie nicht und deshalb auch nur schwer erklären. Für mich zeigt sich derjenige, der das Universum in 15 Milliarden Jahren erschuf, in diesem kurzen Moment. Und er zeigt damit, dass er zum Menschen steht, auch wenn dieser leiden musste oder vielleicht sogar gerade deshalb. An seinem Sohn Jesus zeigt Gott das beispielhaft. Wobei die Bezeichnung "Sohn" auch eine Art Vergleich, ein Symbol ist. Damit wir eine Ahnung davon haben, wie Gott zu diesem Menschen Jesus stand und dieser Mensch zu Gott. Wer darüber nachdenkt, ob diese Vater-Sohnschaft biologisch zu verstehen ist, begibt sich meines Erachtens auf einen Irrweg.

Warum ist Ostern das wichtigste Fest für die Christen?

Landau Weil Gott sich damit zu Jesus und seinem Reden und Handeln bekennt. Zugleich liegt der Trost darin, dass wir alle Teil eines großen Zusammenhangs sind, aus dem uns selbst der Tod nicht heraustrennen kann.

Ist für einen Christen die Auferstehung historisch verbürgt, oder eine gute Geschichte, um die Idee für ein "Leben nach dem Tod" überzeugender zu gestalten.

Landau Ob die Auferstehung historisch verbürgt ist, weiß ich nicht. Als historisch verbürgt kann ich ja nur das bezeichnen, was vergleichbare Ereignisse, Analogien hat, was in die Kausalzusammenhänge, die unsere Erfahrung uns zeigt, hineinpasst. Die Auferstehung ist eine Unterbrechung aller Kausalzusammenhänge. Die Bezeichnung "Leben nach dem Tod" ist für mich auch nur ein Vergleich. Ich kenne ja nur Leben vor dem Tod. Und wenn ich sage, ich glaube an ein Leben nach dem Tod, dann sage ich äußerstenfalls, dass es Ähnlichkeit hat mit dem, was ich hier als Leben erfahre. Was es wirklich ist, wie es sein könnte, das hat sich die menschliche Fantasie zwar immer ausgemalt. Die Bibel sagt da erstaunlich wenig drüber. Wir sollen es uns nicht vorstellen, weil wir das gar nicht können. Es ist ein Geheimnis. Aber ist dieses Leben nicht überhaupt ein Geheimnis? Jeder Augenblick, jeder Atemzug, jeder Augenschlag ein Wunder, wunderbar und ein Geheimnis zugleich. Ich weiß nicht, was das Leben ist, und lebe es trotzdem gern. Und indem ich das tue, vertraue ich darauf, dass derjenige, der das alles ins Sein gesetzt hat, es gut mit dieser Welt und den Menschen meint. Da ist so eine Art Urvertrauen. Und der Osterglaube ist für mich dieses Urvertrauen im Angesicht des Todes und der erfahrenen Bedrohung von Leben. Da ist einer, der meint es gut mit uns, auch wenn wir sterben müssen.

Ostern sind die Kirchen nicht so voll wie zu Weihnachten. Woran liegt das?

Landau Das liegt möglicherweise an den in unseren Traditionen besonders entwickelten Weihnachtsbräuchen. Die sind ja wirklich wunderschön. Und die Geschenke, die man bekommt, sind ja etwas Handfestes. Aber auch die biblische Erzählung von der Geburt des Retterkindes in einem ärmlichen Stall, so als wollte die Welt es nicht, hat etwas besonders Anrührendes. Die Osterbotschaft ist da sperriger, abstrakter. Wobei man fairerweise sagen muss, dass das in anderen Ländern durchaus anders ist. In den orthodoxen Kirchen hat Ostern in der Art und Weise, wie es gefeiert wird, einen Stellenwert, der dem unseres Weihnachtsfestes ähnlich ist. Ich hatte das Glück, die Karwoche und das Osterfest einmal in Griechenland zu erleben. Das war faszinierend.

Welche Musik sollte man hören, um das Osterfest angemessen zu würdigen?

Landau Da kann ich nur für mich sprechen. Wenn es die Zeit erlaubt höre ich nach Möglichkeit in der Karwoche die beiden Passionen von Johann Sebastian Bach, sozusagen als Vorbereitung. Da springt einen dann das Anrührende an der Leidensgeschichte Jesu an. Das lässt niemanden kalt, der das an sich heranlässt. Von Karfreitag bis in die Osternacht schweigt in unserer Gemeinde dann jegliche Musik. Am Ostermorgen sind die ersten musikalischen Klänge, die nach dem Karfreitag erklingen, das gregorianische "Exsultet", ein altkirchlicher Hymnus, der das Ostergeschehen beschreibt. Das wird von unserem Kantor solo und a capella in der Kirche, die nur von Kerzen erleuchtet ist, gesungen. Das ist für mich Ostern. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Nachmittags zu Hause höre ich das Osteroratorium von Bach, oder die Kantate BWV 4 "Christ lag in Todesbanden", vielleicht auch die 2. Symphonie von Gustav Mahler, die sogenannte "Auferstehungssymphonie".

Zu Pfingsten erscheint der Heilige Geist, um die Dreifaltigkeit zu verwirklichen. Was bedeutet das?

Landau Dazu auch wieder ein symbolischer Vergleich, auch aus der alten Kirche: Ein Kirchenvater hat die Dreieinigkeit mit der Sonne verglichen: die Sonne selbst ist wie Gott, der allmächtige Schöpfer, der aber zugleich in weiter Ferne ist. Der Sohn Jesus Christus ist wie das Licht, das sich von der Sonne auf den Weg zur Welt macht. In diesem Licht erkennen wir Gott, aber auch uns selbst und die Welt. Der Heilige Geist ist die Wärme, die mit dem Licht kommt und die Menschen verbindet und das Leben in dieser Welt somit überhaupt erst erträglich macht.

Die Juden sagen, Jesus ist nur ein Prophet. Der Messias kommt noch. Was antwortet ein Christ darauf?

Landau Ich kann natürlich nur meinen eigenen Glauben bekennen. Das schließt für mich ein, dass ich diesen niemand anderem einfach überstülpe oder ihn zum Maßstab für alle anderen erhebe. Dadurch ist leider in der Geschichte viel Schlimmes geschehen, was sich niemals wiederholen darf. Für uns Christen ist es wichtiger, zu sehen und niemals mehr zu vergessen, dass Jesus selbst Jude war. Der Apostel Paulus hat im Römerbrief ausdrücklich gesagt und festgestellt, dass Israel das Volk Gottes bleibt, seine Erwählung gültig ist. Allein das gebietet schon ein Höchstmaß an Respekt und Achtung vor dem jüdischen Glauben. Wir Christen glauben ja an die Wiederkunft Jesu Christi, also wir warten auch noch, genau wie die Juden. Vielleicht wird der, der dann kommt, Christen und Juden vereinen.

CHRISTIAN PEISELER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Siegfried Landau: Auferstehung kann man nicht verstehen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.