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Remscheid
Aus der Funken sprühenden Walzerwelt

Remscheid. Die Bergischen Symphoniker spielten Werke von Strauss, Ravel und Lehár. Der Sänger enttäuschte. Von Christian Peiseler

Nach ein paar Takten aus dem Kaiserwalzer von Johann Strauss Sohn verzieht sich schnell der Nebel des Alltags. Die erträgliche Leichtigkeit des Seins breitet sich aus, dreht ein paar Kurven und legt kleine Spurts hin. Solis der Klarinette und der Oboe bremsen die Walzerseligkeit kurz ab, bevor alles zum großen Finale hinstrebt. Mit Pauken und Trompeten findet es seinen Schlusspunkt.

Den Bergischen Symphonikern fehlt es zwar etwas an buttrigem Klang und Wiener Schmelz. Die Eröffnung des vierten Philharmonischen Konzerts, das unter dem Titel "Walzer/Fieber" stand, schmeichelt den Hörgewohnheiten. Diesen Auftakt im Ohr erklingt Ravels "La Valse" am Schluss des Abends im Teo Otto Theater wie eine Verteidigung und ein Abgesang auf eine zerfallende Welt. Ravel spielt mit den Rhythmuselementen der traditionellen Walzermusik. Er mischt sie mit grellen Farben auf, entmaterialisiert die Melodien, nimmt Anleihen beim Jazz, friert harmonische Klänge zu statischen Rhythmen ein. Das Orchester jault und macht im nächsten Moment einen charmanten Knicks vor der Walzerdrehung. Im großen Finale glitzert und funkelt das Orchester wie ein Kristallleuchter, der scheppernd zu Boden donnert. Die Musiker unter der Leitung von Generalmusidirektor Peter Kuhn glänzen bei den dynamischen Effekten durch rhythmische Schichtungen. Auch beim turbulenten Zickzackkurs strahlt die Posaune gülden, und der kleinste Hicks der Trompete geht nicht unter. Eine Zuhörerin rief unter dem herzlichen Applaus "Zugabe". Ein Wunsch, der ein Lächeln bei den Musikern hervorrief, aber nicht erfüllt werden konnte.

Hinter den Erwartungen deutlich zurückblieb die Aufführung der Tondichtung für Tenor und Orchester Nr. 5 "Fieber" von Franz Lehár. Lehár kennt der Musikfreund als Meister der Operette. In dieser "ernsthaften" Komposition verarbeitet er die Fiebernächte seines Bruders, dem eine Fußamputation drohte. Schlachtenklänge unterfüttert Lehár mit Walzer-Melodien. So interessant diese Seite des Komponisten erscheint, der Tenor Jürgen Müller konnte nicht überzeugen. Seiner Stimme fehlte es an Volumen, sie war wenig durchlässig, klang fest und zeitweise blechern. Auf diese Art der Begegnung mit Lehár hätte man gerne verzichtet.

Beeindruckend spielte hingegen der kurzfristig eingesprungene Pianist Vardan Mamikonian Ravels Konzert für die linke Hand. Der Franzose schrieb dieses Werk im Auftrage des Pianisten Paul Wittgenstein, der zu Beginn des Ersten Weltkrieges seinen rechten Arm verlor. Die melancholischen Klangfarben geben die Grundstimmung vor. Bei aller Bitterkeit schwingt allmählich Leichtigkeit mit. Vardan Mamikonian Spiel ist geprägt von großer Konzentration und Kraft. Er sucht keine leeren Effekte, und hütet sich vor schaler Sentimentalität. Die 411 Besucher spendeten ihm freundlichen Beifall.

Quelle: RP
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