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Remscheid
Ausflüge in die Gefühlswelt im "Traumhaus 26" am Honsberg

Remscheid. Das Ensemble Filidonia gestaltete in den verlassenen Häusern der Gewag eine Theaterperformance mit Musik, Tanz, Schauspiel und Erzählungen. Von Vom Cristina Segovia Buenedia

Das Ensemble Filidonia lud am Wochenende zu einem außergewöhnlichen Theatererlebnis in Honsberg ein: Ein unbewohntes Mehrfamilienhaus der Siemensstraße 21 wurde zur begehbaren Kulisse und die Besucher zu unfreiwilligen Darstellern des multimedialen Stückes "Traumhaus 26".

Es hatte etwas von einer Massenbesichtigung, was sich am Samstagnachmittag an der Siemensstraße 21 abspielte. 50 Gäste, mehr durften es aus Sicherheitsgründen nicht sein, stiegen das Mehrfamilienhaus hoch bis unters Dach. Dort läutete eine der insgesamt 30 Ensemblemitglieder mit einem kräftigen Schlag auf den Gong die Vorstellung ein und verließ die etwas verdutzte Truppe. Sie sollten sich frei auf den drei Etagen bewegen und in die verschiedenen Räume hineinwagen. Hinter schwarzen Vorhängen zeigten sich teils sehr skurrile Szenarien. "Treten sie doch bitte ein", sprach eine junge Frau hinter einem der Vorhänge. Sie trug alte Kleidung. "Setzen sie sich doch bitte", bat sie die etwas schüchternen Besucher, die sich zuerst mal umschauten: ein abgedunkelter Raum, getaucht in schummrig rotes Licht, auf dem Boden Sand, auf dem sich Reihen mit Stühlen gegenüberstanden. Die Frau staubte akribisch die Stühle ab: "Bitte, setzen sie sich doch", wiederholte sie. "Mein Mann wird sicherlich gleich kommen." Schmunzelnd, teils verwirrt, blickten sich die Besucher an und dachten wohl alle dasselbe: "Worum geht es hier?" Wer mehr erfahren wollte, musste Platz nehmen. Dann erzählte die Frau, dass sie eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatte. Die Frau wirkte freundlich, versuchte aber offensichtlich die Fassung zu bewahren. Keiner der Besucher traute sich, ihr Fragen zu stellen, obwohl jedem zahlreiche davon im Kopf herumschwirrten.

Einen Raum weiter lag eine junge Frau im Dunkeln. Nur ein Hauch blaues Licht ließ einen Blick auf die Szene zu. Es roch nach frischer Erde. Erde, in der die Frau herumkroch. An der Wand lehnte eine große weiße Wanne. Es hatte etwas Befremdliches, die langsamen Bewegungen der Frau erinnerten an Würmer, die sich im Erdreich schlängeln, gepaart mit dem erdigen Geruch und der Dunkelheit überkam einen der Gedanke an Tod.

So traten die Besucher von Raum zu Raum. In manchen wurde getanzt, gesungen und musiziert oder erzählt. Räume und ihre "Bewohner", lösten bei den Besuchern verschiedene Gefühle aus oder weckten aufgrund ihrer Andersartigkeit Interesse. Und darum ging es auch, erklärte Mitglied Ida Schiele (23): "Mit dem Stück wollen wir Gefühle von innen nach außen tragen und die Besucher teilhaben lassen."

Das ist Filidonia definitiv gelungen: Ein außergewöhnlicher und sehr lohnenswerter Ausflug in die Welt der Sinne und Gefühle im Traumhaus 26.

Quelle: RP
 
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