| 00.00 Uhr

Serie: Heimat erleben
Auslandssemester: Zu viel Siesta in Granada

Serie: Heimat erleben: Auslandssemester: Zu viel Siesta in Granada
Bergische Natur, die Fachwerkidyllle sind Heimatmerkmale. Auch in Granada (Alhambra) gibt es was zu entdecken, Thorben Heinz, denkt gerne an Zuhause, Heimweh hat er nicht FOTO: Jürgen Moll, Wodicka, privat
Remscheid. Wer in die Ferne zieht, vermisst die Heimat und lernt Neues dazu. Thorben Heinz (22) ist im Bergischen aufgewachsen, nun macht der Remscheider ein Auslandssemester in Granada. Er will Dolmetscher werden. Die spanische Gelassenheit ist ihm fremd, von der dortigen Aufgeschlossenheit will er lernen. Von Hagen Thiele

Man sagt dem Bergischen ja schnell nach, dass er alles andere als aufgeschlossen ist und gerne für sich bleibt. Doch auch wenn in dieser Aussage ein Fünkchen Wahrheit mitschwingen mag, gibt es Momente im Leben, da selbst der reservierteste Bergische die weite Welt bereisen muss. Vor allem bei jungen Menschen gehört ein Aufenthalt im Ausland inzwischen zum guten Ton dazu. Manche Studiengänge setzen ein Auslandssemester zwingend voraus. Doch was vermisst der Bergische in der Fremde und was entdeckt er, was ihm vielleicht besser gefällt als in seiner Heimat?

Der 22-jährige Remscheider Thorben Heinz hat seiner bergischen Heimat gleich zweimal den Rücken zukehren müssen. Für sein Studium als Dolmetscher mit dem Schwerpunkt Spanisch zog Heinz nach Köln. Da ein Auslandssemester im Modulplan Pflicht ist, entschied sich der Exil-Bergische dafür, nach Granada zu gehen. Zwar vermisst er einige Dinge in seiner Heimat, doch insgesamt ist er mit dem Auslandssemester zufrieden. "Es gefällt mir so gut, dass ich sogar noch überlege, ein Semester zusätzlich da zu bleiben", meint er.

Bergische Natur, die Fachwerkidyllle sind Heimatmerkmale. Auch in Granada (Alhambra) gibt es was zu entdecken, Thorben Heinz, denkt gerne an Zuhause, Heimweh hat er nicht FOTO: Jürgen Moll, Wodicka, privat

Dennoch kann Spanien die Heimat nicht ersetzen. Am meisten fehlt dem 22-Jährigen die bergische Natur, mit der es weder Granada noch Köln aufnehmen können. Früher ist er gerne in Lüttringhausen über die Felder gelaufen. Außerdem wünscht er sich manches Mal, doch etwas weniger von der spanischen Gelassenheit zu erleben. "Es wäre ganz nett, wenn die Kassierer in spanischen Supermärkten ab und an mal ein bisschen aufs Gas treten würden, wenn die Schlange schon so lang ist und in andere Dimensionen reicht", meint Heinz.

Genauso stiftete auch die Siesta am Anfang Verwirrung. Selbst in den größeren Städten schließen zur Mittagszeit alle Geschäfte. "In der Zeit ist es fast schier unmöglich, seine Einkäufe zu erledigen", sagt der Remscheider. Einen richtigen "Kultur-Clash" habe der 22-Jährige aber sonst nicht erlebt. Es seien allenfalls Kleinigkeiten, die man ihm erst einmal habe erklären müssen. An diese habe er sich aber schnell gewöhnt.

Andersherum empfiehlt er den Bergischen aber ebenso, etwas von der spanischen Mentalität zu lernen. "Ich habe die Menschen in Remscheid immer als sehr reserviert und auf den ersten Blick als eher unfreundlich empfunden. Hier in Spanien ist es eher ungewöhnlich, nicht miteinander zu sprechen. Egal ob man sich kennt, oder nicht", meint Heinz. Dazu gehöre auch schon mal zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange.

Es fiel dem Remscheider nicht schwer, sich einzuleben. Er hatte bereits vor seinem Auslandsaufenthalt Freunde in der spanischen Großstadt. "Außerdem habe ich aber auch in der Uni und auf Partys viele neue Leute kennengelernt", meint der 22-Jährige. Als Erasmus-Student habe man auch eigentlich keine andere Wahl, als jeden Tag neue Menschen kennenzulernen. Insgesamt rät Heinz dazu, eine Zeit im Ausland zu verbringen. Es sei eine wertvolle Erfahrung. Dabei spiele es gar keine Rolle, ob man jung oder alt sei. "Einen Auslandsaufenthalt kann ich wirklich nur jedem ans Herz legen", meint er.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Serie: Heimat erleben: Auslandssemester: Zu viel Siesta in Granada


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.