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Remscheid
Aydin Isiks etwas anderer Religions-Unterricht

Remscheid. Der Kölner Kabarettist stellte im WTT sein Solo-Prigramm vor. Von Anna Mazzalupi

Was wird wohl der Messias denken, wenn er 2015 zurückkommt, um uns zu erlösen? Wie nimmt er Konflikte und Probleme des 21. Jahrhunderts wahr?

Diesen Fragen geht der türkisch-stämmige Kölner Kabarettist Aydin Isik in seinem neuen Soloprogramm "Bevor der Messias kommt!" nach, das er am Freitagabend im Westdeutschen Tourneetheater (WTT) vor einem leider nur sehr kleinen Publikum spielte. Denn der etwas andere Religionsunterricht mit bissigen und akzentuierten Spitzen gegen Glaubenskonflikte, Konsumverhalten und politische Entscheidungen hätte durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient.

Mit einer Langhaarperücke ausgestattet, schlüpfte Isik selbst in die Rolle von Jesus, der von Gott nach Nazareth geschickt wurde und von dort aus nach Europa gelangen soll, um gegen den Anti-Christen zu kämpfen. Auf dem Berg (einer kleinen Trittleiter) tritt er mit Gott in Kontakt und erzählt von seinen Erfahrungen auf der Erde. Soweit die Rahmenhandlung für seine gekonnten, aber auch nachdenklichen Seitenhiebe auf die aktuelle Flüchtlingskrise, die Unfähigkeit von Politikern oder auch die geldgierige Konsumgesellschaft, die das Unrecht nur bei anderen sucht.

"Warum hat nicht eine Religion ausgereicht? Musste Jesus immer wieder mit einem Update rauskommen", fragte Isik (dann ohne Perücke). Religion 1.0, das Judentum, Religion 2.0 Christentum und Religion 3.0, der Islam, alle glaubten schließlich an denselben Gott.

In moderner Sprache arbeitet der Kabarettist den Religionskonflikt auf. Er erzählt von der Schöpfungsgeschichte, bringt die Gender-Thematik auf den Tisch. In das Religionsgeflecht bringt er immer wieder aktuelle Themen wie den Abgasskandal um VW oder die Fifa ein.

Isiks Programm ist aber keine seichte Unterhaltungsnummer, sondern intelligent-bissiges Kabarett. Er macht seine Zuschauer nachdenklich, wandert auf dem schmalen Grad zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung und hält dabei genau das richtige Maß. Er arbeitet mit dem ganzen Körper, mit Gestik, Mimik und Stimme, läuft auf und ab auf der Bühne, wird aber wieder ruhig in ernsten Momenten. Genau das richtige Timing.

Am 11. März 2016 ist Isik noch einmal im WTT zu sehen.

Quelle: RP
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