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Remscheid
Backe, backe Weckmann

Remscheid. Wie kommt der Weckmann zur Martinsfeier? Eine Reise vom Teig bis zur Tüte beim Bergischen Bäcker Evertzberg. Von Verena Kensbock

Während es draußen langsam dämmert, backen schon Hunderte Weckmänner goldbraun im Ofen. Einen ganzen Raum nehmen die kleinen Teigmännchen in der Produktionsstätte der Bäckerei Evertzberg ein. Der süße Hefeduft trügt allerdings, im November herrscht hier Ausnahmezustand, sagt Betriebsleiter Oliver Platt.

Mitte Oktober startet die Weckmann-Saison. Zwei Monate lang produzieren die Mitarbeiter dann die kleinen Hefemänner mit Rosinenaugen und Tonpfeife. Besonders in der Woche von Sankt Martin ist Hochbetrieb. Dann sorgen bis zu zehn Mitarbeiter sechs Stunden am Tag dafür, dass genügend Weckmänner bei den Martinszügen auf Lager liegen.

Wie schon in dem alten Kinderlied startet auch heute noch die Produktion mit dem Teig. Eine Maschine knetet die Zutaten in einem großen Bottich zusammen. Das Rezept, sagt Oliver Platt, ist eigentlich kein Geheimnis. "Wir nutzen einen klassischen Hefeteig, wie man ihn auch im Internet findet." Dazu gehören nur fünf Zutaten: Weizenmehl, Butter, Zucker, Salz und Milch. Die genaue Zusammensetzung will Oliver Platt nicht verraten. Nur so viel: Die Weckmänner vertragen eine extra große Portion Butter, damit sie saftiger werden. Für ihn kommt es vor allem auf die Auswahl der Zutaten an: Butter statt Margarine, Mehl aus Frankreich und alles ohne Zusatzstoffe. "Das macht am Ende den Unterschied."

Anschließend läuft der Teig über ein Fließband. Hier walzt die Maschine ihn platt und stanzt ein Männchen nach dem anderen aus. Weiter kommen die Maschinen aber nicht, sagt Oliver Platt. "Den Rest machen wir mit der Hand." Die Mitarbeiterin Rabea Özcelik drückt routiniert zwei Rosinen in den Weckmann, dann legt sie ihm eine Pfeife in den Arm und gibt ihm so sein altbekanntes Aussehen.

Das Erscheinungsbild, sagt Oliver Platt, soll an den heiligen Nikolaus erinnern, die Pfeife symbolisiere den Bischofsstab. Gegessen werden die Weckmänner im Bergischen Land aber vor allem zum Martinsfest. Deshalb beliefern Oliver Platt und sein Team alle Filialen rund ums Städtedreieck und einen Großteil der Martinszüge von Schulen, Kindergärten und städtischen Veranstaltern in der Umgebung.

Bis zu 7000 Weckmänner nehmen bei Evertzberg an einem Tag Gestalt an. Auf Anfrage produzieren sie auch übergroße Exemplare, mit denen ein ganzer Kindergarten verköstigt werden kann. Dafür braucht der Unternehmer all seine personellen Kräfte. "In der heißen Phase haben wir eine Urlaubssperre, verändern die Schichten und arbeiten mit vollem Personal", erklärt er. "So richtig durchatmen können wir aufgrund von Ostern, Karneval und Weihnachten eigentlich nie, aber die Weckmann-Zeit ist extrem." Schnelligkeit wäre in so einer Phase besonders wichtig, könnte man meinen. Ab in den Ofen und fertig? Oliver Platt winkt ab. Seine Weckmänner brauchen Zeit, sie dürfen noch eine Nacht schlafen, bevor sie in den Ofen kommen. "Die Weckmänner bekommen mindestens 20 Stunden Stehzeit. Das macht sie bekömmlicher."

Nach dem Schläfchen und einem Ausflug in den heißen Ofen, gehen die goldbraunen Weckmänner auf die Reise. Sie landen in der Auslage der Bäckereien, in Kindergärten und Schulen und werden beim Martinsfeuer vernascht.

Quelle: RP
 
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