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Remscheid
Bahn will Schrottplatz nicht mehr anfahren

Remscheid: Bahn will Schrottplatz nicht mehr anfahren
Rolf Küster (72) an seinem Arbeitsplatz, dem Schrottplatz an der Lenneper Straße mit Gleisanschluss. BM-Foto: Jürgen Moll FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Für den Metallhandel Küster ist das Vorgehen der Bahn ein herber Schlag. Von Christian Peiseler

Vor fünf Jahren haben Vertreter der Deutschen Bahn, Abteilung Netz, mit Claudia Küster einen neuen Vertrag über den Gleisanschluss ihres Schrottplatzes an der Lenneper Straße ausgehandelt. Damit weiter Waggons geliefert werden, waren einige Reparaturen zu tätigen. Unter anderem musste die Weiche erneuert werden. Die Investition von einer sechsstelligen Summe haben sich Claudia Küster (45) und ihr Vater Rolf Küster (72) lange überlegt. Für ein kleines Familienunternehmen, das in diesem Jahr seit 90 Jahren besteht, eine große Herausforderung.

"Wir haben es gemacht, weil die Bahn gesagt hat, die Verträge sind mindestens 15 Jahr gültig", sagt Claudia Küster. Doch nun sieht es so aus, dass Ende 2017 kein Schrott mehr mit einem Waggon der Deutschen Bahn den Schrottplatz verlassen wird. Die DB-Schenker AG, die für den Frachtverkehr zuständige Gesellschaft der DB, hat dem Unternehmen mitgeteilt, keine Waggons mehr zu liefern. Die Verträge mit der DB-Tochtergesellschaft Netz scheinen nicht zu interessieren. Als hätte der Schrotthandel nicht schon genug Probleme.

Claudia Küster führt gemeinsam mit ihrem Vater den Betrieb, der noch einen Mitarbeiter beschäftigt. Vor zwanzig Jahren haben sie eine neue Rampe gebaut und mit einem großen Hallendach überzogen. Damals florierten die Geschäfte besser als heute. Die Globalisierung trifft auch den kleinen Mittelständler. Das Geschäft lebt zu 50 Prozent von Kleinkunden und zur anderen Hälfte von den Unternehmen. Die Schrotthändler bekommen sofort zu spüren, wenn die Produktion in den Säge- und Werkzeugfabriken steigt oder zurückgeht. Dann ist die Halde manchmal voll, manchmal aber auch lange Zeit leer. Und der Preis pro Kilo schwankt ständig.

Claudia Küster ist so etwas wie eine Börsenmaklerin des Schrotthandels. Sie kauft ein und muss so schnell wie möglich wieder verkaufen. "Auf Halde etwas liegenzulassen, ist immer sehr gefährlich", sagt sie. Meist fallen die Preise. Das Schwächeln des chinesischen Marktes spürt Küster deutlich. Die Überkapazität an Stahl, die die Chinesen auf den Markt geworfen haben, mache die Preise kaputt. "Es geht nicht um Qualität, es geht nur ums Geld", sagt Küster. In diesem Kampf haben es so kleine Betriebe wie der ihre besonders schwer. Zumal auch die Bürokratie und die Auflagen des Umweltamtes die Geschäfte nicht gerade erleichtern.

Küster will rechtliche Schritte gegen die DB prüfen. Ansonsten muss sie künftig Lkw statt Waggons einsetzen. Dann werde alles noch teurer, sagt sie. Die Krisen in ihrer Branche haben sie so gestählt, dass sie ihren Optimismus nicht verloren hat. Der Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) hat politische Unterstützung signalisiert.

Quelle: RP
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