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Remscheid
Balkantour eröffnet neue Blicke

Remscheid: Balkantour eröffnet neue Blicke
Schon vor der offiziellen Einweihung der Balkantrasse nutzen viele Radfahrer und Spaziergänger die fast ebene, frisch asphaltierte Strecke. Startpunkt ist am Lenneper Bahnhof. Wenige hundert Meter weiter sieht man die Häuser der Kammgarnsiedlung (im Hintergrund). Dann geht's Richtung Bergisch Born. FOTO: moll
Remscheid. So hat man Lennep noch nicht gesehen: Spaziergängern und Radfahrern eröffnen sich auf der Balkantrasse völlig neue Perspektiven. Sie bietet dem Ausflügler eine reizvolle Abwechslung zwischen städtischem Leben und ländlicher Idylle. Die BM erkundete die Strecke mit dem Rad. Von Alexandra Kemp

Manchmal muss man zweimal hinschauen, um das Gewohnte wiederzuerkennen. Ob das wohl das griechische Restaurant an der Borner Straße ist? Ein weiterer Blick bestätigt: Ja, das ist das "Afroditi" – allerdings von der Rückseite aus gesehen. Schmucklos. Kaum zu glauben, dass sich im Sommer die Gäste hier Biergartenfreuden hingeben.

Der neue Panoramaradweg "Balkantrasse" bietet ungewohnte Perspektiven. Obwohl er noch nicht fertig gestellt ist, nutzen ihn bereits – auf eigene Gefahr – viele Ausflügler. Spaziergänger, Hundehalter und Radfahrer erleben dabei Lennep von einer ganz anderen Seite. Sie sehen liebevoll gepflegte Gärten und zugleich heruntergekommene Fassaden, städtisches Leben und ländliche Idylle. Eine reizvolle Abwechslung. 28 Kilometer lang ist die "Balkantrasse", die in Opladen endet. Knappe fünf davon führen über Remscheider Stadtgebiet. Die BM erkundete die Strecke mit dem Elektro-Fahrrad.

Ihren Beginn nimmt die Trasse am Bahnhof Lennep – ein bequemer Start für Ausflügler, die mit dem Zug anreisen. Sie kommen zunächst an den Häusern der Kammgarnsiedlung vorbei. Mittendrin ein kleines Gärtchen. Eine ältere Frau steckt Zwiebeln in den Boden. Was daraus wohl wachsen mag?

Schrebergärten tauchen auf. In vielen ist die Erde schon geharkt, der Boden bestellt. Am Ende der Kleingartensiedlung sind jedoch die Gartenhäuschen verfallen, das Unkraut wuchert. Schlimmer noch: Am Wegesrand stehen kaputte Fernsehgeräte, liegen leere Plastikeimer, Autoreifen und Unrat herum. Wie schade. Ob die Kleingärtner zur Einweihung der Trasse noch aufräumen?

Weiter geht's. Aus einer Werkhalle dringen stampfende Geräusche einer Maschine. Während die Ausflügler ihre Freizeit genießen, gehen links und rechts der Trasse Menschen ihrer Arbeit nach. Der Duft von frisch gebackenem Brot steigt in die Nase. Linkerhand liegt die Firma Hammes. Männer packen Kisten in Lieferwagen. Hier soll bald ein Café für Trassengäste entstehen. Gut vorstellbar.

Vielleicht wird es auch Suellen Werner einmal besuchen. Die 30-Jährige nutzt die Trasse für Fahrten mit dem Kinderwagen. Flotten Schrittes geht sie voran. Für sie bietet die Trasse Bewegung, für ihre fünf Monate alten Zwillinge frische Luft. "Jeden Tag gehe ich hier eine Stunde entlang", sagt sie. Das sei praktisch, denn es gebe nicht so viele Wege durch die Natur, die auch mit dem Kinderwagen gut zu bewältigen sind.

Und tatsächlich – der frische Asphalt auf der Trasse vermittelt dem Radfahrer ein komfortables Fahrgefühl. Noch liegt Schotter darauf, dem man ab und zu ausweichen muss. Doch das Strampeln fällt leicht, schließlich folgt die Trasse einer ebenen Strecke.

Sie führt durch Felder, dann an einer Neubausiedlung vorbei. Der Blick fällt in bodentiefe Wohnzimmerfenster. Eine schöne Einrichtung – ob die Bewohner wohl bald Gardinen aufhängen, weil alle hinein schauen? An der neuen Brücke über die Bornefelder Straße ist für den Radfahrer Schluss. Der Asphalt endet hier. Es gibt noch keine Rampe, und die Stufe ist zu hoch, um das schwere Elektro-Fahrrad hinaufzuhieven. Es bleibt nichts anderes übrig, als zurückzufahren. Schade.

Auch Suellen Werner ist umgekehrt. Sie lacht. Morgen wird sie wieder hier sein.

Quelle: RP
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