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Remscheid
Banker mit Bodenhaftung

Remscheid: Banker mit Bodenhaftung
"Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen", sagt Frithjof Grande, Vorstand der Volksbank Remscheid-Solingen. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. FOTO: Nico Hertgen
Remscheid. Frithjof Grande (65) geht Ende des Jahres als Vorstand der Volksbank in den Ruhestand. Von Christian Peiseler

Je höher die Bilanzsumme, desto größer das Ego. In der Welt des Geldes und des Kapitals gerieren sich die Erfolgreichen gerne mal wie Halbgötter. Eine Attitüde, die Frithjof Grande, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Remscheid-Solingen, zuwider ist. Die Zahlen müssen stimmen. Ja, das sind die Spielregeln in einer Bank. Für Grande ist es aber ebenso wichtig, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Wenn er erzählt, wie er manchen aufstrebenden Jungbanker mal zu Seite genommen hat, um ihn auf den Pfad der Bodenständigkeit deutlich hinzuweisen, erzählt er das mit hochgezogener Augenbraue - und seine Stimme klingt energischer. Bilanzen und Bodenständigkeit - das sind zwei Säulen, die sein berufliches Leben bestimmten. Ende des Jahres geht er mit 65 Jahren in den Ruhestand.

Der Menschenschlag der bergischen Unternehmer - verlässlich und geradeaus - passt zur Mentalität von Grande, der im Vogtland bei seinen Großeltern aufwuchs, bis er mit 14 Jahren zu seiner Mutter nach Remscheid zog.

Bei der Prüfung, ob er einen Kredit bewilligen solle oder nicht, entschieden nicht alleine die Fakten, sondern auch das Bauchgefühl. Meist war die Sache klar, wenn er sich mit seinem Vorstandskollegen Andreas Otto auf der Rückfahrt vom Firmenbesuch kurz austauschte. "Ich habe mich so gut wie nie getäuscht", sagt Grande. Nur ganz selten. Dann sei er aber übel betrogen worden. Grande, der schon zu Beginn seiner Laufbahn 1988 bei der Volksbank in Solingen das Firmengeschäft betreute, hätte sich in den Chefetagen von Großkonzernen nicht recht wohlgefühlt, dort, wo ständig wechselnde Manager manchmal gar nicht wissen, von welcher Bank man komme.

Grande schätzt die Solidität familiengeführter Unternehmen. Unter seiner Führung betreut die Volksbank inzwischen die meisten Firmen im Bergischen Land. Die Finanzkrise hat ihr Image nicht beschädigt. Im Gegenteil. Das Kreditinstitut hat profitiert. "Niemandem haben wir damals Kredite gekündigt", sagt er. Als Banker müsse man auch an der Seite der Unternehmen stehen, wenn die Lage schwierig ist. Auch das ist ein Zeichen für Bodenständigkeit.

Standhaftigkeit und Durchhaltewillen ebenso. Grande stärkt diese Tugenden aus seiner Leidenschaft für den Triathlon. Als junger Mann musste er sich entscheiden, ob er Sportlehrer werden wollte - er hatte Unterricht bei Erich Ribbeck - oder Banker. Es war eine richtige Bauchentscheidung. Er gehört heute zu den fittesten Vorständen seiner Zunft, mit 65. So gut wie in diesem Jahr stand die Volksbank noch nie in ihrer Geschichte da. Grande lobt seine Kollegen und Mitarbeiter. Es wäre eine Unternehmenskultur entstanden, die auf Kontinuität setze und die Beratung des Kunden in den Mittelpunkt stelle. "Das Fachliche und Menschliche muss stimmen", sagt Grande.

Er habe in seinem Leben Glück gehabt. Er war zur rechten Zeit am rechten Ort und immer gesund. Er habe zwar kurz gezögert, ob er seine Amtszeit verlängern solle. Doch als er sah, dass immer häufiger Freunde und Bekannte erkrankten oder gar starben, wuchs bei ihm die Erkenntnis, es sei Zeit, das Leben auch mal von einer anderen Seite zu sehen, Freundschaften zu pflegen, sich um seine sechs Patenkinder zu kümmern, öfter mal mit seiner Frau in die Schweiz zu seinem Sohn und Enkelkind zu fahren und ins Stadion zum FC Schalke 04 zu gehen.

Grande kann man sich nur schlecht als jemanden vorstellen, der mittags noch im Schlafanzug in seiner Wohnung in Lüttringhausen am Frühstückstisch sitzt. Das wird es bei ihm nicht geben. Seine Tage werden weiter Struktur haben, so wie es seinem bodenständigen Charakter wohl entspricht.

Quelle: RP
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