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Remscheid
Barrierefreiheit - gute Noten für die Stadt

Remscheid: Barrierefreiheit - gute Noten für die Stadt
Diese Treppenstufen bilden für Rollstuhlfahrer ein großes Hindernis: Die Studentinnen Lisa Kamolz, Sarah Beine und Yvonne Jassmann schauten sich den Anbau des Rathausgebäudes unter dem Aspekt "Barrierefreiheit" gestern genauer an. FOTO: Michael Schütz
Remscheid. Studenten testen einen Tag lang, wie Behinderte sich in Remscheid bewegen können. Tipps zur Verbesserung. Von Stefanie Bona

Ralf Krüger, Behindertenbeauftrager der Stadt, ist überzeugt: "Eine solche umfangreiche Studie hätte sich Remscheid nicht leisten können." Auf 219 Seiten haben elf Studentinnen der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln im Rahmen ihres dualen Bachelorstudiums ausgearbeitet, wo die Stadt behindertenfreundlich ist und wo nicht. Insgesamt attestieren die Studierenden, deren Projektarbeit nach wissenschaftlichen Grundsätzen erfolgte, der Werkzeugstadt in punkto Barrierefreiheit ein recht gutes Zeugnis.

Neben zahlreichen Interviews und Gesprächen mit Betroffenen - darunter Mitgliedern des Freundeskreises der Rollstuhlfahrer - unternahmen die jungen Frauen einen Selbsttest. Einen Tag lang begaben sie sich mit Rollstühlen, Gehstöcken, Brillen, die ein eingeschränktes Sehen simulieren, und auch mit Kinderwagen auf Remscheids Straßen, fuhren Bus und begutachteten öffentliche und private Gebäude. Als Feedback gab's für die Stadt mitunter ganz einfache Tipps. Beispielsweise wurde bemerkt, dass die Wegweisung zu den Behindertentoiletten im Ämterhaus sehr kompliziert ist. Darauf will Ralf Krüger sofort reagieren: "Wir müssen nur ein oder zwei Schilder umhängen und schon ersparen wir den Menschen einen Wirrwarr beim Besuch des Dienstleistungszentrums." Andere Barrieren sind nicht so einfach und mitunter gar nicht zu überwinden. Beispielsweise ist der Rathausanbau, wo Liegenschafts- und Katasteramt untergebracht sind, für Gehbehinderte nicht zu erreichen. Dort ließe sich nur mit größerem Aufwand durch bauliche und entsprechend teure Maßnahmen etwas erreichen. Dass bei älteren Bestandsbauten Veränderungen schwierig sind, weiß auch FH-Dozent Professor Dr. Michael Schmitz. "Viel wichtiger ist die Frage, ob in Neubauprojekten die Anforderungen an Barrierefreiheit erfüllt werden." Hier sieht der Behindertenbeauftragte die Stadt gut aufgestellt. Konkreten Nutzen sollen die Ergebnisse der studentischen Analyse etwa bei der Planung zur Umgestaltung des Ebert-Platzes haben. Als absolut positives Resultat werten die Studierenden die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Dies sei sowohl bei den Selbsttests als auch in Befragungen aufgefallen.

Wo bauliche Maßnahmen sich nicht umsetzen lassen, sei man dennoch sehr bemüht, Menschen mit Handicap den Zugang zu den jeweiligen Einrichtungen zu ermöglichen. Dies treffe auch auf die Busse der Stadtwerke zu. Als weiteres Beispiel nannte Theresa Reitmeier das Team des Rotationstheaters, das nur über Treppen zu erreichen ist. Hier habe sie sehr engagierte, hilfsbereite Leute kennengelernt. Als Quintessenz haben die Studentinnen eine Broschüre mit allen Infos zusammengestellt.

Quelle: RP
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