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Remscheid
Beethovens Musik besser verstehen

Remscheid. Pianist Denys Proshayev spielte die Sonate Nr. 32 zweimal: einmal ohne und einmal mit Erläuterung. Von Cristina Segovia-Buendía

Gleich doppelt kamen Besucher der Klosterkirche am Sonntag in den Genuss eines Meisterwerks von Ludwig van Beethovens. Der preisgekrönte Pianist Denys Proshayev präsentierte im Rahmen der monatlichen Reihe "Weltklassik am Klavier" die Sonate Nummer 32 des berühmten Bonner Komponisten der Wiener Klassik.

"Beethoven 2x gehört" lautete der Untertitel der Veranstaltung, die diesmal über 100 Besucher in die Klosterkirche lockte. Hinter dem Titel verbarg sich ein Konzept, das überzeugte: Erst hörte und genoss das Publikum die beiden Sätze der Sonate ohne große Vorankündigungen, dann erfuhr es vom Musiker selbst interessante Details zur Biografie des Komponisten und zur Entstehung des Werkes. Schließlich, mit den neuen Informationen im Hinterkopf, spielte Proshayev das gleiche Werk erneut, und die Musik erstrahlte in einem völlig neuen Glanz.

In diesem Sinne war es kein gewöhnlichen Klassikkonzert, sondern eine musikalische Lehrstunde, um einen weltberühmten Komponisten der Klassik in seinem Schaffen besser zu verstehen und, für den Laien, neu zu entdecken.

Proshayevs Spieltechnik war beeindruckend: Die Finger der Ukrainers flogen über die Tasten des Flügels, er spielte langsamere und schnellere Tonfolgen und machte dabei einen Gesichtsausdruck, mal lieblich, mal furios, als würde die Musik durch seinen ganzen Körper fließen. Nach seinem Vorspiel wandte er sich wie ein Lehrer seinen Schülern dem Publikum zu: "Ich möchte ihnen Beethovens Werk aus der Perspektive eines Musikers nahebringen. Es ist nämlich meisterhaft, was Beethoven da geschaffen hat."

Die Sonate Nummer 32 entstand zwischen 1820 und 1822, berichtete Proshayev. "Zu dieser Zeit war Beethoven schon komplett taub. Die Musik entstand also in seiner Imagination. Er selbst konnte sein Meisterwerk nicht mehr hören." Beethoven, so erzählte der Pianist weiter, lebte zum Schluss ziemlich abgeschottet und allein. Sozial gescheitert, als Komponist jedoch schon zu seinen Lebzeiten als Genie gefeiert. Durch diese Abgeschiedenheit habe Beethoven seine Werke bis zur Perfektion verfeinern können.

Diese biografischen Details sollten den Zuhörern dabei helfen, die Kraft der teilweise aufbrausenden Melodien, aber auch die ruhigen, bedächtigen und nahezu resigniert klingenden Tonfolgen zu verstehen. Tatsächlich klang das Werk beim zweiten Mal nicht neu, aber anders.

Dem Publikum gefiel diese Art des Konzertierens. Es zollte dem Musiker nach einer fast zweistündiger Vorführung anerkennenden Beifall.

Quelle: RP
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