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Remscheid/Cadaques
Begegnung mit Dalís treuem Wegbegleiter

Remscheid/Cadaques: Begegnung mit Dalís treuem Wegbegleiter
Die Statue im nordspanischen Städtchen Cadaqués zeigt den großen Künstler Salvador Dalí in einer seiner typischen Posen. FOTO: dpa
Remscheid/Cadaques. Per Zufall lernte das Remscheider Ehepaar Constanze und Sebastian Epe im Urlaub in Spanien Joan Vehí kennen. Er war der Schreiner und Fotograf des berühmten Surrealisten - und ein Vertrauter. Von Solveig Pudelski

Manche Begegnungen sind zufällig, spontan, überraschend und obwohl nur kurz, verändern sie dennoch die Perspektive eines Menschen oder inspirieren, beeindrucken ihn einfach so stark, dass sie im Langzeit-Gedächtnis bleiben. Von solch einer prägenden Begegnung eines Remscheider Ehepaares erfuhr die BM über soziale Netzwerke - und weil sie so ungewöhnlich ist und einen Bogen schlägt zum Künstler Salvador Dalí, fragten wir bei Constanze Epe und ihrem Mann Sebastian nach, ob wir sie veröffentlichen dürfen.

Die Remscheiderin erzählt, wie beide Joan Vehí, den Fotografen und Schreiner des genialen Surrealisten per Zufall im Urlaub in Nordspanien trafen. Am Ende dieser Begegnung hielt das kunstinteressierte Paar als Geschenk einen Bildband mit dem Titel "Dalí al Castell de Figueres" in den Händen, in das Vehí dem Paar eine Widmung in feinen, schnörkeligen Buchstaben schrieb.

Umgeben von Fotografien und Büchern signierte Joan Vehí in seinem Fotoladen einen Bildband, den er dem Ehepaar Epe schenkte. FOTO: epe

"Ich schlenderte durch die Gassen von Cadaqués, während mein Mann fotografierte. Ein Plakat mit einer schönen alten Schwarz-Weiß-Fotografie von Joan Vehí weckte mein Interesse", erzählt Constanze Epe, die im Vorstand des Vereins "Möhrchen" ehrenamtlich engagiert ist.

Sie entdeckte, dass es die Tür zu einem Foto-Laden war. Als sie eintrat, sah sie einen älteren Herrn, annähernd 90 Jahre alt, am Schreibtisch sitzend: Es war tatsächlich der langjährige Wegbegleiter, Schreiner, Fotograf und auch Freund von Salvador Dalí. Da Constanze Epe zwar Spanisch spricht, Joan Vehí jedoch Katalan, verlief die Konversation etwas holprig. "Aber ich spürte seine Freude darüber, dass sich jemand für seine Arbeit interessiert. Er strahlte Ruhe, Bescheidenheit und auch Stolz aus", sagt Epe. Sie zeigt Fotos vom Inneren der hübschen Galerie, deren Wände überreich bestückt sind mit Fotografien des Katalanen, der leidenschaftlich gern die Kamera in die Hand nimmt. Immerhin widmeten ihm "Die Zeit" (2004 "Im Dalíríum") anlässlich einer Ausstellung Vehís im Museum von Cadqués und "Geo Saison" größere Artikel.

Jahrelang habe er Dalí begleitet. Auf seinen Wunsch hin entstanden jene Fotos, die die Welt kennt: der exzentrische Künstler mit seinem bizarren Bart in Pose gesetzt. Es sind arrangierte Szenen, die heute noch schräg, ein bisschen verrückt oder abgehoben wirken. Allerdings schimmert in dieser Haltung des Grandseigneurs der Malerei des 20. Jahrhunderts auch eine Prise kecken Humors durch.

Aber es gibt auch die anderen Fotos, die Joan Vehí als Vertrauensperson machen durfte - solche, die den Privatmenschen Dalí ohne Attitude eines großen Künstlers, seine Frau und Muse Gala zeigen - ohne selbstdarstellerische Show, sondern im normalen Alltagsleben.

Primär war Joan Vehí der Schreiner Dalís, erfuhren Constanze und Sebastian Epe. Er baute die verrückten Möbel wie einen Holzstuhl mit geflochtenem Sitz nach traditionellen Vorbild, aber mit sechs Beinen, schrägen Verstrebungen und in überbreiten Ausmaßen. Im Verlaufe der Plauderei schenkte Joan Vehí ihnen das signierte Kunstbuch, das im Wandregal der Kunstfreunde einen würdigen Platz neben anderen Kunstbänden erhalten wird - als eine besondere Urlaubserinnerung.

Quelle: RP
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