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Serie Die Gesundmacher (6)
Bei Schaufensterkrankheit helfen Stents

Serie Die Gesundmacher (6): Bei Schaufensterkrankheit helfen Stents
Dr. Florian Lepique, Chefarzt der Gefäßchirurgie, prüft mit einem Ultraschallgerät, ob die Gefäße einer Patientin eine Thrombose aufweisen. FOTO: Jürgen moll
Remscheid. Dr. Florian Lepique, Chefarzt der Gefäßchirurgie im Remscheider Sana-Klinikum, rät zu einer Diagnose, wenn die Beine beim Gehen schnell schmerzen. Die Ursache können Durchblutungsstörungen und Verschlüsse sein. Von Stefanie Bona

remscheid Heinz G. war früher ein passionierter Spaziergänger und Wanderer, den längere Strecken über Berg und Tal nicht schreckten. Jetzt, mit 71 Jahren, ist alles anders geworden. Zwar bereiten ihm Herz und Atmung keine Probleme, aber die Beine schmerzen schon nach kurzer Zeit. Immer öfter muss er auf seinen täglichen Wegen Pausen einlegen. Ein typisches Beispiel für die im Volksmund als "Schaufensterkrankheit" bezeichneten Durchblutungsstörungen der Beine. "Man läuft ein paar Meter, betrachtet dann die Auslagen in den Läden und kann die Beschwerden damit tarnen. Die Schmerzen lassen erst nach, wenn man sich setzt", erklärt Dr. Florian Lepique, Chefarzt der Gefäßchirurgie im Remscheider Sana-Klinikum.

Der Facharzt weiß, dass die Symptomatik fälschlicherweise mitunter auf andere Ursachen hinweist. "Immer wieder werden Patienten zunächst wegen eines Rückenleidens behandelt", berichtet er. Auch bei einem ausgeprägten Krampfaderleiden seien die Beschwerden manchmal ähnlich, bei genauerer Betrachtung dann aber doch unterschiedlich. "Krampfadern äußern sich eher durch ein mehr oder weniger ausgeprägtes Schweregefühl in den Beinen." Bei der "Schaufensterkrankheit" schmerzen Wade, Oberschenkel oder Gesäß. Mitunter beschreiben Patienten die Symptome wie einen Schraubstock, der sich um das Bein zieht.

Der eigentliche Verschluss liege immer "eine Etage höher" als der Schmerz, sagt Dr. Lepique. Eile sei geboten, wenn die Betroffenen nachts oder bei hochgelegtem Bein Schmerzen verspüren. "Dann kann eine massive Durchblutungsstörung vorliegen, die zum Absterben von Gewebe führt."

Zur Diagnostik der Abteilung gehört zunächst ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen. Sodann erfolgen eine klinische Untersuchung und eine Ultraschalluntersuchung, hier die Duplex-Sonographie. "Fast alle Gefäße des Körpers lassen sich heute aussagekräftig schallen", erläutert Florian Lepique.

Zu einer noch genaueren Beurteilung kann dann ein MRT oder eine Katheteruntersuchung beitragen. Die Therapie richtet sich nach den Ergebnissen. Eine Operation sei gar nicht mal immer nötig. Sinnvoll könne zum Beispiel eine Aufdehnung des Gefäßes mittels Ballonkatheter und das Einsetzen einer Gefäßstütze - eines sogenannten Stents - sein.

Zur operativen Versorgung gehört das Legen eines Bypasses, um die Engstelle zu überbrücken, oder das Ausschälen des betroffenen Gefäßes. Und das Hybridverfahren ist eine Kombination von beidem. Je nach Schweregrad werde entschieden, welche Behandlung zur Anwendung kommt. "Wenn man uns früh genug aufsucht, kann man auch mit Medikamenten häufig wirkungsvoll behandeln", sagt der Experte.

In nahezu allen Fällen gelte, dass die Patienten nach den verschiedenen Eingriffen schnell wieder buchstäblich auf den Beinen seien und sich das Beschwerdebild deutlich verbessere. "Der Erfolg ist sofort spürbar", hebt der Facharzt hervor.

Durchblutungsstörungen seien vorwiegend eine Erkrankung des Alters. "Gefäße verkalken, das ist ein normaler Prozess des Älterwerdens." Kommen jüngere Menschen mit derlei Krankheitszeichen, seien dies häufig Raucher. Risikofaktoren seien außerdem Diabetes, ein erhöhter Cholesterinwert, zu wenig Bewegung und Übergewicht.

Inzwischen kann sich auch Heinz G. wieder auf längere Spaziergänge freuen. "So gut konnte ich seit fünf Jahren nicht laufen", stellt der Pensionär fest.

Quelle: RP
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