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Remscheid
Beim Frühstück geht es immer ums Geld

Remscheid: Beim Frühstück geht es immer ums Geld
Jörg Gösser aus Wermelskirchen, ist Mitglied des Chapters "Röntgenmuseum". Der Landschaftsbauer profitiert von den Kontakten über das Netzwerk. Und er empfiehlt Mitglieder weiter. Es ist ein Geben und Nehmen, sagt er. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Die Mitglieder des Netzwerkes "Röntgenmuseum" verhelfen sich gegenseitig zu neuen Aufträgen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Netzwerken ist alles - heute mehr denn je. Vor allem, wenn man selbstständig ist, wobei es keine große Rolle spielt, in welchem Gewerk oder Beruf der Einzelne tätig ist. In diesem Geist hat sich 1985 in den Vereinigten Staaten von Amerika ein Unternehmernetzwerk gegründet, das sich genau damit beschäftigt: Geschäftsempfehlungen. 7300 lokale Gruppen des Business Network International (BNI) gibt es weltweit mittlerweile. Und seit etwa sechs Jahren auch in Remscheid und Umgebung. "Wir treffen uns in Remscheid, deswegen haben wir unser Chapter, also unsere lokale Gruppe, auch 'Röntgenmuseum' genannt. Unsere Mitglieder kommen aber auch aus den Nachbarstädten", erzählt eines der Mitglieder, der Garten- und Landschaftsbauer Jörg Gösser aus Wermelskirchen, der bereits seit etwa sechs Jahren dabei ist.

Das Chapter "Röntgenmuseum" trifft sich einmal in der Woche mittwochs zum Frühstücken um sieben Uhr morgens im Restaurant Romanowski an der Mebusmühle 1. Und dann geht es ums Geld, betont Gösser: "Wir treffen uns, um Geschäfte zu machen, und nicht, weil das Frühstück so lecker oder die Gesellschaft so gut ist. Letzteres ist aber natürlich ein schöner Nebeneffekt", sagt der 51-Jährige schmunzelnd. Mitglied kann man werden, wenn das eigene Gewerk noch nicht beim lokalen Chapter vertreten ist, das ist eine Grundregel des BNI: "Damit soll verhindert werden, dass Interessenskonflikte auftreten", erklärt Gösser. Denn die zweite Grundregel des Netzwerks heißt: Wer gibt, gewinnt! Und das Prinzip des Gebens und Nehmen äußert sich in der gegenseitigen Vermittlung von Auftraggebern. Wenn es dann beispielsweise zwei Landschaftsgärtner im Netzwerk gäbe, könne ja nur einer weiterempfohlen werden, sagt Gösser.

"Jedes Mitglied fährt mit einem Visitenkartenbuch im Auto herum, in dem alle Chapter-Mitglieder vertreten sind. So ist eine Empfehlung jederzeit möglich", sagt der 51-Jährige, der selbst schon sehr von seiner Mitgliedschaft profitiert hat. "Wenn ich bei einem Kunden bin, der einen Elektriker braucht, dann kann ich sagen: Haben sie schon einen oder soll ich ihnen jemanden empfehlen?", erklärt Gösser das Prinzip ganz praktisch.

Der Erfolg ist messbar, wenngleich er anonym bleibt: "Bei den Treffen gibt jedes Mitglied sogenannte Umsatzkärtchen ab. Darauf steht: Ich bedanke mich bei Herrn/Frau XY für einen Umsatz von XX Euro", sagt Gösser. Die Karten werden bei den Treffen gesammelt und als Gesamtzahl veröffentlicht, so dass jedes Mitglied weiß, was seine Mitgliedschaft der Gemeinschaft - und ihm selbst auch - gebracht hat.

Für Gösser war die Mitgliedschaft vor allem eine in die Zukunft gerichtete Angelegenheit: "Ich bin jetzt 51, mein Job ist körperlich sehr anstrengend, das kann ich nicht ewig machen", sagt er. Seit zehn Jahren ist er selbstständig, als er zum BNI kam, hatte er einen Angestellten; sechs Jahre später sind es fünf. "Ich wollte meine Firma so vergrößern, dass ich sie in zehn Jahren gut aufgestellt weiß. Das kann nur durch mehr Arbeit, also mehr Aufträge, gehen." Und auf Aufträge folgen sehr oft Folgeaufträge. Eine überaus positive Variante des Schneeballsystems. Interessierte können zum Frühstück vorbei schauen, um einen Eindruck zu gewinnen.

Quelle: RP
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