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Remscheid
Béla Hartmann beeindruckt in Lennep mit Beethoven

Remscheid. Béla Hartmann heißt der Hüne mit der blonden Mähne, der bei seinem ersten Konzert in der Klosterkirche 90 Zuhörer auf eine Europareise in das Wien der Klassiker und nach Chopins Paris mitnahm. Er trat in der reihe "Weltklasse am Klavier" auf. Der deutsch-tschechische Pianist ist über Europa hinaus bekannt. Nach internationalen Wettbewerbserfolgen schaffte er auch den Sprung nach New York. Die amerikanische Presse reagierte begeistert auf seine zuletzt erschienene Schubert-CD. Béla Hartmann ist nicht nur ein vielseitiger Interpret, sondern auch Moderator seiner Programme. Veranstalterin Andrea Lugg übergab ihm deshalb gern das Wort. Von Daniel Diekhans

Beethovens Eroica-Variationen haben auf jeden Fall ein paar Erläuterungen verdient. Anders als üblich starteten diese Variationen nicht mit einem Thema, erklärte Hartmann. Das werde erst später nachgereicht. Wie von Beethoven vorgeschrieben, begann Hartmann also mit einer Basslinie, die er in gekonnte Läufe überführte. Die Linie wurde durch weitere Stimmen verstärkt, und das Thema erklang als luftig-einfache Melodie. Mit Elan widmete sich der Pianist den harmonischen und rhythmischen Feinheiten des Themas und nahm dann sehr rasch die Fuge. Ein virtuoser Gipfel, der viel Beifall bekam.

Vom Wiener Schubert spielte Hartmann eine frühe Sonate. Statt Formspielereien ging es hier besonders um Stimmungsmalerei. Das zeigte sich schon beim heiteren Kopfsatz und zog sich durch bis zum Schluss.

Eine ganz andere Stimmung gab das Rondo vor, das Mozart nach dem Tod eines Freundes komponierte. Der düstere Charakter des Stücks zeigte sich am Wechselspiel zwischen Dur und Moll.

Chopin stellte der Pianist mit zwei denkbar gegensätzlichen Stücken vor. Da war zunächst ein Wiegenlied, die "Berceuse Des-Dur". Deren Melodie hörte man in der linken Hand, die das Thema beharrlich wiederholte. Für eine abwechslungsreiche Ausschmückung sorgte die rechte Hand. Chopins Klavierstücke seien wie "mit Blumen geschmückte Kanonen" dieses von Hartmann zitierte Schumann-Wort passte zur Interpretation der Fis-Moll-Polonaise. Das klang nicht nach Tanz, sondern nach großem Klanggemälde. In der Einleitung dominierten anspruchsvolle Oktavenläufe. Durch die resolute Wiederholung bekamen die beiden Themen einen aggressiven Charakter.

Mit einem Mazurka-Tanz setzte sich eine lyrisch-romantische Stimmung durch. Im Finale kehrten die Oktaven vehement zurück. Der Schlussapplaus klang so, als wollte das Publikum Hartmann noch einmal in Lennep hören. Fürs erste spielte er noch zwei Zugaben.

Quelle: RP
 
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