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Remscheid
Bergische Polizei beklagt Überstunden

Remscheid. Laut Gewerkschaft leiden viele Polizisten im Städtedreieck unter Überlastung. Die kann nicht nur zu gesundheitlichen Schäden und unmotivierten Beamten führen, sondern auch zu Fehleinschätzungen im Dienst. Von Tim Specks

Die Gewerkschaft der Polizei im Bergischen Land schlägt Alarm: Viele Beamte im Städtedreieck Wuppertal, Solingen und Remscheid haben aufgrund der gestiegenen Zahl von Überstunden mit Überlastung zu kämpfen. Die Folge: Neben gesundheitlichen Schäden etwa durch Übermüdung kann die Arbeitsbelastung auch zu Fehleinschätzungen durch Polizisten im Dienst führen.

Vor allem im Bereich der Hundertschaften sei das Problem ein Thema, sagt Gabi Schmidt, Vorsitzende der Polizei-Gewerkschaft Bergisches Land. "Dort ist die Zahl der zu leistenden Überstunden immens gestiegen", sagt Schmidt. Auch in anderen Dienstbereichen jedoch haben die Beamten mit der hohen Arbeitsbelastung zu kämpfen. Im Polizeipräsidium Wuppertal sind neben zwei Hundertschaften unter anderem auch eine Abteilungsleitung sowie eine sogenannte Technische Einsatzeinheit (TEE) angesiedelt. "Diese Kollegen leisten Überstunden en masse", so Schmidt.

Die Folgen der gestiegenen Belastung sind so vielfältig wie weitreichend. So komme es vor, dass Beamte bis Mitternacht im Dienst eingesetzt seien, und sechs Stunden später mit der nächsten Schicht beginnen müssen. "Auf Dauer geht so etwas natürlich auf die Gesundheit" sagt die Gewerkschafts-Vorsitzende.

Nicht nur die Polizisten selbst leiden jedoch unter den Überstunden und ihren Folgen. "Mancher Bürger sagt, die Polizisten seien unfreundlicher geworden", so Schmidt. Dieser Eindruck hänge jedoch häufig damit zusammen, dass die Beamten in weniger Zeit mehr Arbeit erledigen müssen. "Früher hieß es: ,Die Polizei, dein Freund und Helfer'. Nach einem Unfall Versicherungsmodalitäten zu erklären oder mit den Beteiligten auf einen Abschleppwagen zu warten, ist heute aber oft nicht mehr möglich", sagt Schmidt. Zudem könne die Übermüdung von Polizisten noch gravierendere Folgen haben, wie etwa Fehleinschätzungen im Dienst.

Ein Grund für die immense Zahl an Überstunden sind die gestiegenen Notwendigkeiten, als Polizei Präsenz zu ziegen: Fußball-Spiele wie auch zuletzt das Spiel des FC Remscheid gegen Union Solingen, Einsätze bei Verhandlungen im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Landgerichts oder Demonstrationen wie zuletzt mit rund 500 Teilnehmern in Remscheid - Tage, an denen kein Sondereinsatz nötig ist, sind selten geworden. "Oft muss auch das fest versprochene freie Wochenende gestrichen werden", so Schmidt.

Ein weiteres Problem der gestiegenen Einsatzzeiten: Während eine Gruppe wegen nötiger Einsätze ihre angehäuften Überstunden nicht abbauen könne, sei gleichzeitig eine weitere im Einsatz, die wiederum Mehrarbeitszeit aufbaue, so Schmidt. "Die Kollegen sind gehalten, ihre Überstunden zeitnah abzubauen - gleichzeitig muss der Polizeiapparat aber auch funktionsfähig bleiben", erklärt Polizei-Sprecherin Hanna Meyerratken das Dilemma. Eine denkbare Lösung, sagt Gewerkschafts-Vorsitzende Schmidt, sei die Umverteilung bestimmter Arbeiten innerhalb des Präsidiums.

So sei es vorstellbar, dass beispielsweise das Einpflegen von Daten von Beschäftigten übernommen wird, die nicht im klassischen Polizeidienst eingesetzt sind. Schon jetzt werde zudem die Auswertung von Spuren in manchen Fällen von Spezialisten übernommen, die keine Polizisten sind.

Bis 2023 werden laut Polizei-Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen jedes Jahr 2000 Nachwuchspolizisten eingestellt. Wie wichtig diese Entlastung der alten durch neue Beamte ist, macht eine Aussage der Vorsitzenden im bergischen Kreis deutlich: "Viele Kollegen merken, dass sie dem eigenen Bild des Polizisten nicht mehr gerecht werden können."

Quelle: RP
 
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