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Remscheid
Bergisches Netzwerk gegen gewaltbereite Salafisten

Remscheid. Um Jugendliche vor ideologischer Radikalisierung zu schützen, hat das Innenministerium NRW das Projekt "Wegweiser" ins Leben gerufen, ein Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus. Von Christina Segovia-Buendia

Zuständig für das Bergische Städtedreieck ist seit April 2015 die Beratungsstelle in Wuppertal. Berater Amin Benabdessadek stellte das Projekt im Jugendhilfeausschuss vor. Der Jugendliche, der plötzlich zum Islam konvertiert, fortan regelmäßig betet und sich einen Bart wachsen lässt - ist er schon radikal? Nein, sagt Amin Benabdessadek, praktizierender Muslim und studierter Islamwissenschaftler. "Das gehört erst zur normalen Religiosität, die in Deutschland jedem durch die Religionsfreiheit gewährleistet ist."

Was aber tun, wenn plötzlich der Freund oder Sohn radikale Ansichten teilt? Den Angehörigen bietet das Präventionsprogramm eine kompetente Anlaufstelle. Durch persönliche Beratung, mit Schulungen für Lehrer oder Sozialpädagogen und gegebenenfalls auch Interventionsgesprächen mit den Jugendlichen, versucht das Wegweiser-Team, bestehend aus drei festen Mitarbeitern, vernünftig über den Islam zu informieren. Denn gegen Radikalisierung hilft nur Aufklärung, findet der Fachmann.

Entgegen der Äußerungen der Hassprediger im Internet sei der Islam nicht gewaltverherrlichend. Doch gerade aus dem Internet beziehen viele Jugendlichen ihre Fehlinformationen. "Die meisten der radikalisierten Jugendlichen haben noch nie eine Moschee in ihrer Nähe besucht", sagt Benabdessadek. "Kennen dafür aber die Aussagen der Hassprediger."

Der Erstkontakt zur Beratungsstelle entsteht telefonisch. Das Wegweiser-Team informiert sich und sucht das Gespräch zum Jugendlichen. "Erfahrungsgemäß lassen sich radikalisierte Muslime nicht von Nicht-Muslimen belehren." Als praktizierender Muslim und Islamwissenschaftler habe er die besten Voraussetzungen, um diese Jugendlichen zu überzeugen. Der Fachmann setzt auf offene Gespräche. "Bei uns gibt es keine Tabu-Themen. Wir sprechen über den Islam, Demokratie über Salafisten oder ISIS." Der Islamwissenschaftler setzt auf Aufklärung, mit Schulungen und Workshops auch bei Lehrern und Sozialarbeitern, denen der Islam häufig fremd ist.

In Wuppertal und Solingen laufe das Projekt bereits gut. In Remscheid befindet sich das Netzwerk mit islamischen Gemeinden vor Ort gerade im Aufbau.

Quelle: RP
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