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Remscheid
Berlin möchte von Remscheid lernen

Remscheid: Berlin möchte von Remscheid lernen
Der Stadtteil Rosenhügel gehört zum Gebiet, auf dem Forscher der Uni Dortmund den Mechanismen des Zusammenlebens nachgehen wollen. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Ein geplantes Forschungsprojekt zur Migration will über drei Jahre die integrative Kraft der Wohnquartiere untersuchen. Von Henning Röser

Remscheid hat eine über viele Generationen gehende Tradition der Zuwanderung. Aktuell leben Menschen aus 120 Nationen in der Seestadt auf dem Berge. Dass das Zusammenleben in den Wohnquartieren etwa am Rosenhügel oder in Honsberg überwiegend friedlich funktioniert, dass es hier anders als etwa in Duisburg keine No-go-Areas gibt, in die sich die Polizei nur mit Verstärkung hineintraut, hat Remscheid nun auf den Radar des Bundesministeriums für Forschung und Bildung gebracht.

Stimmt der Rat zu und bekommt Remscheid den Zuschlag, würde das von Johanna Wanka (CDU) geleitete Ministerium ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt finanzieren, das das Zusammenleben der Nationen in Remscheid wissenschaftlich untersuchen will. Einige der Fragestellungen dabei: Wie funktioniert das Zusammenleben? Welche integrierenden Funktionen erfüllen dabei die Stadtbezirke? Wie können andere Städte davon lernen, gerade vor dem Hintergrund, dass durch die Flüchtlingswelle sehr viele Menschen aus anderen Ländern in die Städte ziehen?

Der Lindenhof ist ein wichtiger Treffpunkt. Zur Eröffnung Anfang des Jahres tanzen Honsberger Grundschulkinder um ein Tipi. FOTO: Hertgen

Dass Remscheid als positives Beispiel für diese Studie in den Blick geraten ist, sei "zunächst mal ein dickes Lob für die Stadt", sagt Sozialdezernent Thomas Neuhaus. Durchgeführt werden soll das Projekt von Forschern aus dem Fachbereich Raumordnung und Stadt- und Regionalsoziologie der Technischen Universität Dortmund. "Das sind tolle Experten, wissenschaftliche Schwergewichte auf ihrem Gebiet" sagt Neuhaus. Als die grüne Landtagsabgeordnete Jutta Velte die Forscher nach Remscheid einlud, musste Neuhaus nicht lange überlegen: Für dieses Projekt sagte er gerne zu. Zumal der finanzielle Eigenanteil mit 6000 Euro pro Jahr kleinsein würde. Drei Mitarbeiter will die Uni für das Projekt abstellen, einen weiteren würde die Stadt einstellen - auf Kosten des Ministeriums. Die Arbeit soll in den vier ausgewählten Stadtteilen Rosenhügel, Honsberg, Hohenhagen und Hasenberg stattfinden. Dort planen die Forscher unter anderem in Interviews mit den Bewohnern, die Besonderheiten der Quartiere zu ergründen. Mit dem Stadtteil e.V. im Neuen Lindenhof, dem Bürgerverein Rosenhügel und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewag sind drei erfahrene Partner mit im Boot. Mit dem Küpeli Solidaritätsverein wurde auch eine türkische Organisation gewonnen.

Startschuss der Forschungsarbeit wäre der 1. März 2017. Neuhaus erhofft sich am Ende des Projektes viele Daten und Erkenntnisse, wie wichtige Zukunftsaufgaben für Remscheid angegangen werden können. Schulplanung, Kitabau, Stadtplanung - viele Bereiche der Stadt könnten von diesem Projekt profitieren. Gestern wurde es im Sozialausschuss vorgestellt.

Quelle: RP
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