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Remscheid
Beste Unterhaltung auf der Volksbühne

Remscheid: Beste Unterhaltung auf der Volksbühne
Bürgermeister Türk (Horst Kalckert) in Aktion. FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Bei der Premiere von "Schmettenfüöhr und Schängerei" kamen nicht nur Mundartfreude auf ihre Kosten. Von Stefanie Bona

Aufatmen bei der Volksbühne Lüttringhausen: Das "Dorf" im Jahr 1850 blieb am Samstag von Gewittern verschont und seine Bewohner unterhielten das Publikum aufs Beste. Vielleicht war der Premierenbesuch ob der unsicheren Wetterprognosen nicht ganz so zahlreich wie im Vorjahr, gleichwohl konnte sich das Ensemble aus rund 30 Amateurschauspielern und einer quirligen, entzückend spielenden Kindergruppe über eine gute Resonanz freuen.

"Schmettenfüöhr on Schängerei" heißt die aktuelle Produktion der Bergischen Heimatspiele 2016. Nachdem über viele Jahrzehnte bei der Bühnenvorlage in die Archive gegriffen wurde, hat Christian Wüster nun zum dritten Mal in Folge ein Stück passgenau auf die Volksbühne zugeschnitten und Bernhard Hütt die Mundartbearbeitung dazu geliefert. An dieser Stelle ein Kompliment an die Akteure auf der Freilichtbühne in Lüttringhausen, von denen ein großer Teil ihre Rollen ganz vorzüglich "op Platt" darbot.

Inhaltlich liegen Parallelen zum aktuellen Remscheider Stadtgeschehen auf der Hand. Lütterkusen Mitte des 19. Jahrhunderts ist pleite. Das sieht man an vielen Ecken und Kanten und vor allem an der "Öffentlichen Bedürfnisanstalt", wo sogar die Tür dem Nutzer nicht mehr Stand hält. Also wird ein Auswanderer bemüht, der es in Übersee zu Wohlstand gebracht hat. Doch schickt die Familie Menninghaus zunächst mal Sohn Max ins "Dorf der Verrückten". Mit Blankoschecks ausgestattet soll er feststellen, ob unter der Obhut von Bürgermeister Türk (Horst Kalckert) die Misere nicht selbst verschuldet wurde. Und kaum auf dem Dorfplatz eingetroffen, nimmt das Verhängnis seinen Lauf, wobei sogar der Orient noch zwischen bergisch Pepita einzieht.

Die Zuschauer amüsierten sich köstlich über die gewohnt deftig-derben Dialoge, in denen sich die Dorfbewohner mit allerlei Freundlichkeiten bedachten. "Dösige Schrute" und "drittklassige Saftschubse" warfen sich die Nachbarinnen aus Dorfschänke, Feinkostladen und Schmiede an den Kopf.

Ein Kabinettstückchen erster Güte war die Szene mit den Dorf-Tratschen Grete und Hilde, die im bodenständigen Lütterkusen auf einmal Noblesse einziehen ließen und mit dem Kaffee der Erbtante aus Amerika ihr blaues Wunder erlebten. Petra Buch und Steffie Hoffmann überzeugten als Komödiantinnen par excellence. Alleine dieser Dialog ist einen Besuch wert.

Insgesamt hat Spielleiter Udo Leonhardt die Darsteller sehr gut auf ihren Auftritt vorbereitet, so dass die Aufführung ein stimmiges Gesamtbild ergab. Die detailreich gestalteten Kulissen, sowie das Mitwirken des Lüttringhauser Frauenchores und des Blasorchesters Dabringhausen taten ihr Übriges, um dem Lokalkolorit auf amüsante Weise zu entsprechen.

An den nächsten beiden Wochenenden wird das Stück erneut an Samstag und Sonntag jeweils um 16 Uhr, auf der Heimatspielbühne Lüttringhausen gezeigt.

Quelle: RP
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