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Remscheid
Blick aufs Kind, nicht aufs Smartphone

Remscheid: Blick aufs Kind, nicht aufs Smartphone
Bunte Plakate machen Werbung für die Kampagne "In Kontakt?". Professor Dr. Rainer Riedel (3.v.r.) von der Rheinischen Fachhochschule Köln unterstützt die Aktion in Remscheid. FOTO: Cristina Segovia-Buendía
Remscheid. Durch das allgegenwärtige Smartphone verlieren viele Menschen den Blick für das Wesentliche. Babys und kleine Kinder brauchen aber den Blickkontakt mit ihren Eltern. Darum gibt's in Remscheid die Kampagne "In Kontakt?". Von Cristina Segovia-Buendía

Mit der neuen Kampagne "In Kontakt?" will die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk "Frühe Hilfen" und dem lokalen Bündnis für Familien Eltern dafür sensibilisieren, stärker mit ihrem Nachwuchs in Kontakt zu treten. Durch die permanente Ablenkung durch das Smartphone verlieren viele Menschen den Blick für das Wesentliche.

Gerade weil sie sprachlich noch nicht mit Erwachsenen kommunizieren können, brauchen Babys und kleine Kinder den Blickkontakt mit ihren Eltern, sagt Professor Dr. Rainer Riedel. Der Neurologe und Psychologe an der Rheinischen Fachhochschule Köln unterstützt die Kampagne in Remscheid, die mit 1600 Plakaten in die Öffentlichkeit getragen werden soll. Cartoonistin Renata Alf hat die Motive gestaltet, die künftig in Kindertageseinrichtungen, Familienzentren oder bei Kinderärzten hängen sollen. Gemeinsame Aktionen wollen die Akteure in diesem Jahr entwickeln.

Zum Auftakt der Kampagne hielt Prof. Dr. Rainer Riedel gestern vor rund 70 pädagogischen Fachkräften einen Vortrag über die digitale Revolution, die Entwicklung und Prägung der Kinder und wie sich unsere Smartphone-Nutzung auf die Bindung mit den Kindern auswirkt.

"Wir wollen die digitalen Medien nicht verteufeln", betonte Marie Frommenkord vom Fachdienst Jugend: "Aber wir sollten unser Medienverhalten überdenken und auf die Zeit beschränken, in der das Kind schläft oder im Kindergarten ist." Denn während Mama und Papa mit dem Handy abgelenkt sind, versäumen sie es, eine nachhaltige Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. "Die Entwicklung und Prägung des Kindes ist in den ersten drei Lebensjahren sehr wichtig", sagte Riedel. Eine Blickstudie habe ergeben, dass Kinder von Müttern, die während der Fütterungsphase abgelenkt sind, häufig eine Bindungsstörung entwickeln. Eine Statistik zeige, dass sich die Unfälle von Kindern auf Spielplätzen zwischen 2008 und 2015 (die digitale Revolution trat 2007 ein) verdreifacht hätten.

"Die Elemente, die das Leben ausmachen, erlernen wir in einer analogen Erlebniswelt", betonte der Neurologe und meinte die Entwicklung von motorischen und haptischen Fähigkeiten und der Gefühlswelt. Deswegen sollten Kinder bis zum dritten Lebensjahr auch nicht mit Smartphones und Tablets spielen. Den Eltern gegenüber, betonte Peter Nowack vom Fachdienst Jugend, wollen sie nicht mit erhobenem Zeigefinger begegnen. Aber in Gesprächen und Aktionen sollen die Erziehungsberechtigten zum Nachdenken angeregt werden.

Die Digitalisierung, sagte Riedel, kann nicht gelöscht werden. "Das sollten wir auch nicht wollen, weil sie sehr viele Vorteile bringt. Aber wir müssen uns diesem Zeitpunkt unserer Evolution bewusst sein und eine Brücke zu einem gesunden Verhalten zwischen der analogen und digitalen Welt schaffen."

Quelle: RP
 
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