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Braucht Remscheid eine neue Schule?

Remscheid. Wird der Schulfrieden in Remscheid gewahrt? Oder rollt eine neue Diskussionswelle auf alle Beteiligten - Politik, Stadt, Schulleiter, Lehrer, Eltern - zu, in der es erneut um die Frage geht, welche Schulform ausgebaut oder neu eingerichtet wird? Klar ist, dass die Schulentwicklungsplanung nach Auffassung von SPD und Grünen neu aufgestellt werden muss - das wurde in der Sitzung des Schulausschusses betont. Derweil wittert die CDU, völlig überrascht von diesem Vorstoß, offenbar erste Anzeichen des Landtagswahlkampfes, in dem Rot-Grün mit dem Thema Schulpolitik punkten will. Von einer dritten Gesamtschule oder einer neuen Schule spricht niemand. Von Solveig Pudelski

Aufhänger für die SPD sind zum einen die aktuellen Anmeldezahlen zu den weiterführenden Schulen. Erneut konnte dem Erstwunsch vieler Eltern nicht entsprochen werden: 91 Kinder lehnte die Sophie-Scholl-Schule aus Kapazitätsgründen ab, umgerechnet sind es drei volle Klassen. Dem Wunsch der Eltern nach längerem gemeinsamen Lernen könne wieder nicht entsprochen werden, beklagt Rot-Grün.

Zum anderen sehen SPD und Grüne angesichts zweier Entwicklungen Handlungsbedarf: die höhere Geburtenrate, die die Stadt zum Kita-Ausbau zwingt, und der Zuzug von Flüchtlingen mit ihren Kindern, für die Schulplätze geschaffen werden müssen. "Wir müssen nachjustieren und schauen, welche Bedarfe es gibt, wo die abgelehnten Schüler aufgenommen wurden und wie die Prognosezahlen aussehen", sagt SPD-Fraktionsvorsitzender und Landtagsabgeordneter Sven Wolf zur Situation der weiterführenden Schulen.

Das derzeitige System aus vier Gymnasien, zwei Realschulen, zwei Gesamtschulen, der Sekundarschule und der einzig verbleibenden Hauptschule Hackenberg stamme aus dem Jahr 2011 - damals hatten alle gehofft, dass mit Einrichtung der Sekundarschule die Nachfrage nach längerem gemeinsamen Lernen gedeckt werden könne. Sobald die Zahlen vorliegen, könnte man einen Experten hinzuziehen, sagt Wolf. Er wünsche sich aber, dass der - auch auf Landesebene vereinbarte - Schulfrieden erhalten bleibt und Schulpolitik "nicht dogmatisch" betrachtet wird.

Auch Jutta Velte, Grünen-Landtagsabgeordnete und schulpolitische Sprecherin in Remscheid, wünscht sich "eine ergebnisoffene, unideologisch geführte Schuldebatte und eine gute Beratung mit Augenmaß". Eltern müssten dabei eingebunden werden. Für Veränderungen sei Remscheid gut gerüstet, "denn wir haben eine gute Basis in der Schullandschaft". Zuerst müssten genaue Zahlen ermittelt werden. Bisher sei von 100 fehlenden Plätzen an weiterführenden Schulen die Rede. Außerdem müsse man schauen, welche Voraussetzungen und Potentiale Flüchtlingskinder mitbringen.

Für die CDU sei klar, dass das bestehende Mosaik aus Schulen und Schulformen erhalten bleiben muss, sagt Alexander Schmidt, schulpolitischer Sprecher der Fraktion. "Wir werden dafür sorgen, dass auch nicht ein einziger Mosaikstein herausgenommen wird. Das gegliederte Schulsystem bleibt." Keine Schulform werde aufgegeben. Im Übrigen wundere er sich über die Art des Vorstoßes der SPD. Sie habe nicht klar gemacht, welche Zielrichtung sie dabei verfolge. Einen Handlungsbedarf aufgrund der Anmelde- oder der Flüchtlingskinderzahlen sehe die CDU nicht. "Die Plätze für Seiteneinsteiger sind doch schon vorhanden", sagt Schmidt.

Um erste Wogen zu glätten, soll es jetzt ein interfraktionelles Gespräch mit allen schulpolitischen Sprechern geben.

Quelle: RP
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