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Remscheid
Brauhaus-Blues mit Dr. Mojo und Chris Kramer

Remscheid. Ein Standard-08/15-Blues fängt beinahe immer an mit "When I woke up this morning my baby was gone" (Als ich heute Morgen aufwachte, war meine Liebste verschwunden.). Dieses Gefühl des Verlassenseins ist offensichtlich sehr gut im Blues auszudrücken. Ganz anders, aber genauso schön, ging es am Mittwochabend in der Wirtschaft Richard Becker in Ehringhausen zu: Brauhaus-Blues war angesagt. Von Bernd Geisler

Zum 44. Mal fand diese beliebte Veranstaltung dort statt. Und zum ersten Mal mit dem Mundharmonikavirtuosen, Sänger und Gitarristen Chris Kramer aus dem Kohlenpott. Genau er brachte den Wagemut und das Kunststück fertig, auf seiner Metallkorpus-Gitarre und umgehängter Mundharmonika einen Blues zu singen und zu spielen, der den Schreck in den Knochen beschreibt, weil die Liebste morgens (immer) noch da ist. Mehr noch: Sie heißt Aische, will überhaupt einziehen und gleich ihre Familie mitschleppen. Was ist für einen gestandenen Blues-Mann schlimmer? Mit einer gehörigen Portion Humor und für alle verständlich schaffte es Kramer spielend, die Leute im Brauhaus in seinen Bann zu ziehen.

Natürlich konnte er sich auf dem Blues-Teppich, den der Veranstalter, das Blues-Duo Dr. Mojo - Klaus Stachuletz und Uli Spormann - anfangs ausgebreitet hatte, bestens austoben. Der Blues hat viele Facetten: etwa den einsam brummelnden Straßenmusiker, vor sich die schlabberige Mütze mit ein paar Cents. Es gibt ebenso gepflegte, jazzig angehauchte Barmusik à la "Play it again, Sam" aus "Casablanca". Bands spielen dezente, gleichwohl eigensinnig und sehr gefühlvoll interpretierte blueslastige Songs. Andere dreschen aber auch biergeschwängert, beinhart und kompromisslos laut auf Stimmbänder und E-Gitarren ein.

Dr. Mojo bevorzugte in Ehringhausen die dezente Variante. Das passte zum lecker duftenden Essen wie die Olive zum Martini. Typisch dafür war das von Stachuletz gesungene "Summertime" - nicht zuletzt wegen der Zeile "and the living is easy". Begonnen hatte Dr. Mojo unter anderem mit Robert Johnsens "Stop breaking down".

Diese Aufforderung, ja nicht schlappzumachen, war freilich an diesem Abend unnötig. Dafür sorgte auch Chris Kramer. Mit Gitarre, Banjo, Mundharmonika, fülliger Bühnenpräsenz, verschmitztem Gesicht und vor allen Dingen Stimme schöpfte er aus dem Vollen. Er brachte solo nur seine eigenen Lieder. Darunter schmuseweiche Balladen etwa aus seinem Musical "Die kleine Mundharmonika" und beeindruckend markante Lieder wie "Früher hatten wir Wind in unseren Segeln". Die Leute in der wie immer gut gefüllten Wirtschaft verbrachten rundum einen stilvollen, entspannten Abend. Der Beifall zeigte es.

Quelle: RP
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