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Remscheid
Caritas wünscht sich ein festes Heim für Wohnungslose

Remscheid. Die Beratungsstelle für Wohnungsnotfälle hatte im vergangenen Jahr reichlich zu tun. Die Verarmung in der Stadt nimmt zu, sagen die Berater. Von Bernd Geisler

Im Jahre 2015 suchten 365 Personen die Beratungsstelle des Fachbereiches Wohnungsnotfall- und Eingliederungshilfen des Caritasverbandes Remscheid (CV) auf. 298 Mal nannten die Aufsuchenden dabei Wohnungsnotfälle beim allerersten Kontakt. Das berichtete Ute Schlichting, Leitung der Wohnungsnotfallhilfen, zusammen mit der Vorsitzenden des CV, Sandra Engelberg, in einem Pressegespräch über Veränderungen und Entwicklungen in der Wohnungsnotfallhilfe.

Grundlage war der entsprechende Jahresbericht 2015 des CV. Den beiden Damen standen die Sorgenfalten im Gesicht geschrieben. Sie spüren einen deutlichen Trend zur Verschlechterung der Situation der Wohnungsnotfälle. Knackpunkte seien besonders: wenig bezahlbarer Wohnraum, fehlender Zugang zum Arbeitsmarkt und eine Zunahme der Energieschuldungen. Dieses Gespür kommt nicht von ungefähr. Eine große Rolle komme hierbei immer stärker dem Tagescafé zu, das in der Schüttendelle 40 dem Fachbereich angegliedert ist, und bis heute das "einzige niederschwellige Angebot seiner Art im Stadtgebiet" für Hilfesuchende darstelle. Hier stranden auch Wohnungsnotfälle, die offiziell nicht von der Stadt Remscheid erfasst werden.

Etwa "Durchreisende", die von Stadt zu Stadt ziehen, oder Wohnungslose, die zeitlich befristet bei Freunden oder in Notunterkünften schlafen. Für die Besucher bietet der Fachbereich dort unmittelbare Hilfen, wie ein kostenloses Frühstück, die Möglichkeit, sich zu duschen und die Benutzung von Waschmaschine und Trockner, Pflege sozialer Kontakter, zwanglose Gespräche mit Sozialarbeitern sowie fundierte Beratung für den Umgang mit Behörden - etwa die Hilfe, einen Antrag auf soziale Leistungen sachgemäß auszufüllen. Für alle diejenigen, die (noch) kein Girokonto haben, erledigt der Fachbereich auch die notwendigen Geldgeschäfte über ein Treuhandkonto oder den Postempfang.

Ein großes Problem ist die Mittellosigkeit - 128 Erstkontakte verfügten über keine finanziellen Ressourcen. "Hier geht es um die nackte Existenz", sagte Schlichting. Da könne auch schon mal ein direktes Telefonat mit dem Jobcenter helfen, um ganz kurzfristig einen Gesprächstermin für einen Klienten zu erreichen.

"Auch in Remscheid hat die Verarmung weiter zugenommen", sagt die CV. Vorrangiges Ziel sei es nach wie vor, den Hilfesuchenden die Reintegration in das Regelsystem zu ermöglichen. Für "chronisch mehrfach geschädigte Menschen, die nie mehr selbstständig in einer Wohnung leben können", wünscht sich der Fachbereich eine Art menschenwürdiges "Dauerwohnheim".

Quelle: RP
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