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Remscheid
China beendet Boomjahre bei Oerlikon

Remscheid: China beendet Boomjahre bei Oerlikon
FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Remscheid. Barmag muss am Standort Lennep 100 Stellen abbauen. Mitarbeiter bekommen Angebote. Vorerst keine Entlassungen. Von Christian Peiseler

Für die Barmag ist der Markt in China das Maß aller Dinge. 70 Prozent seiner Produkte verkauft die Firma in China. Doch für das nächste Jahr stehen kaum Aufträge in den Büchern. Daher sieht sich der Konzern Oerlikon gezwungen, 100 Stellen am Standort in Lennep zu streichen. "Um auch weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen wir jetzt reagieren", sagt Unternehmenssprecher André Wissenberg.

Die Geschäftsführung hat die etwa tausend Mitarbeiter gestern und vorgestern darüber informiert, wie der Stellenabbau vollzogen werden soll. Kündigungen soll es zunächst nicht geben. Ziel ist es vielmehr, bis Mitte des nächsten Jahres hundert Mitarbeiter zu finden, die den Konzern freiwillig verlassen. Die Freiwilligkeit soll "attraktiv" vergütet werden, sagt Unternehmenssprecher Wissenberg. In erster Linie ist das Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitern, die älter sind als 57 Jahre. Wer früher in Rente geht, soll Abfindungen erhalten, die in sechsstelliger Höhe sein können, sagt Wissenberg. Er sei optimistisch, dass sich genügend Mitarbeiter finden, die das Angebot annehmen. Allerdings achte die Geschäftsführung darauf, dass nicht ganze Abteilungen leergezogen werden. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 45/46 Jahren.

Bis Mitte des nächsten Jahres steht das Angebot. Die Anzahl von 100 Stellen - also jeder zehnte Arbeitsplatz bei der Barmag ist betroffen - muss erreicht werden. Sollte das nicht der Fall sein, sind betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Das sei aber nicht das Ziel des Unternehmens, sagt Wissenberg. Mit der Flaute auf dem chinesischen Markt rechnet die Geschäftsführung noch bis Ende 2017. Grund sei eine hohe Überkapazität der Textilproduktion mit Kunststofffasern in China. Daher seien die Investitionen stark zurückgegangen. Zudem habe sich die Wirtschaftspolitik der Chinesen verändert. Es sei nach einigen schweren Chemieunfällen in Firmen, die in Wohngebieten stehen, nicht mehr erlaubt, Arbeiten und Wohnen zusammenzufassen - so wie es bisher üblich war. Die Überlegungen der Chinesen gehen laut Wissenberg dahin, so etwas wie Industriegebiete zu schaffen. Grundsätzlich sei der Textilmark aber eine Wachstumsbranche, betont der Unternehmenssprecher. Vor allem in China und Indien. Die Analysten gehen weiter von einem Bevölkerungswachstum aus und von einem steigenden Bedarf an Kleidung in diesen Ländern. Der Verbrauch von Kleidung soll von sechs Kilo pro Kopf auf zehn bis 15 Kilo steigen - je nach Wohlstandsentwicklung, heißt es. Oerlikon-Barmag gehören zu den Weltmarktführern in ihrer Branche. Sie teilen sich den Markt mit einem japanischen Konkurrenten. "Wir haben keine Marktanteile verloren", sagt Wissenberg. Oerlikon sei die Nummer eins. Das Unternehmen will daher auch weiter in Forschung und Entwicklung investieren und an der Produktpallette festhalten. Nach sechs Boomjahren kommt nun eine Konjunkturdelle. Danach rechnet man aber wieder mit einem Aufschwung.

Quelle: RP
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