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Remscheid
Chor singt Melodien aus dem "Schtetl"

Remscheid. Die netteste Anerkennung für eine Stunde mit farbenreichem Chorgesang saß gewissermaßen im Publikum. Von Stefanie Bona

Eine Dame verlegte die Feier zu ihrem 77. Geburtstag mitsamt Gästen kurzerhand in die Kirche der Evangelischen Stiftung Tannenhof, wo der Chor "Masel Tov" der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal am Sonntag zum wiederholten Mal auftrat. Dafür gab es natürlich ein munteres Ständchen der rund 30 Sängerinnen und Sänger. Musikalisch brachten sie dem aufmerksam lauschenden Auditorium die Traditionen der Juden Osteuropas näher. Melodien aus dem "Schtetl", womit vor dem Zweiten Weltkrieg Siedlungen mit hohem jüdischen Bevölkerungsanteil bezeichnet wurden, erklangen mal wehmütig, mal heiter und rhythmisch. Zur Klavierbegleitung von Chorleiterin Rokella Rachel Verenina präsentierten die in allen Stimmlagen gut besetzten Chormitglieder ihr Repertoire ausgesprochen authentisch.

Die auf Jiddisch - der Sprache der Herzen - vorgetragenen Lieder erzählten von Liebe, dem Familienleben, von kleinen Alltagssorgen und von fröhlichen Festen. Wie eine Chorsängerin zu Beginn erklärte, habe die Musik über antisemitische Vorbehalte und Repressalien hinweg geholfen, denen die jüdischen Familien ausgesetzt waren. "Die Füße im Schlamm, die Seele im Himmel" trug der Gesang dazu bei, manches leichter zu ertragen. In "Masel tov" vereinigen sich gute, tragende Stimmen, die hier und da als "Chor im Chor" und genauso solistisch überzeugten. In "Dos fertsnte jor" künden dunkle Klänge des Klaviers Unheilvolles an. Das Lied erzählt von einem jungen Mann, der in den Ersten Weltkrieg ziehen muss.

Das sanfte Crescendo des Gesangs greift die düstere Stimmung und die Dramatik des Geschehens auf. Besonderen Spaß machten den Zuhörern die fröhlichen Stücke, bei denen von Tanz und ausgelassener Stimmung die Rede war. Bei "Najer scher" oder "Lechaim idelech" - "Auf das Leben" - fiel es schwer, nicht mit dem Fuß im Takt zu wippen. Ergänzt wurde der Chorgesang von Gedichten, die auf jiddisch und dann in der deutschen Übersetzung vorgetragen wurden.

Als Zugabe erklang das allseits bekannte und auch in christlichen Kirchen gerne gesungene israelische Volkslied "Hevenu Shalom Alechem", das die Sehnsucht nach Frieden in einer schwungvollen Weise zum Ausdruck bringt.

Quelle: RP
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