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Remscheid
Comedy trifft Kabarett bei "Egoland"

Remscheid: Comedy trifft Kabarett bei "Egoland"
Nicht in New York, sondern in der Klosterkirche in Lennep war jetzt Kabarettist Henning Schmidtke zu Gast. Den Remscheider Gästen seines Auftritts gefiel das auch selbstironische Programm. FOTO: Egopics
Remscheid. Beim Auftritt von Henning Schmidtke ging es in der Klosterkirche teils kalauerhaft-witzig und bitterböse-satirisch zu. Von Wolfgang Weitzdörfer

Ganze zwei Minuten brauchte Henning Schmidtke am Freitagabend vor den etwa 100 Zuschauern in der Klosterkirche: Dann hatte der Bergisch Gladbacher die ersten Fragezeichen beim krummen Rücken gepackt und mit der selbstkritischen Frage "Bin ich Kabarettist oder eher so lustiger Geselle?" ausgeknockt. "Ich bin unentschlossen - und mein Humor sieht manchmal anders aus als ich", fuhr er fort. Dann stieg er direkt mit einem Liedchen am Klavier in sein Programm "Egoland" ein.

Das Ego - das große Problem unserer heutigen Zeit, dem man nur mit Altruismus begegnen kann. "Ein Beispiel: Mein Nachbar hat nur zu tun, keine Zeit für seine Kinder. Wenn er mal frei hat, ist er beim Steuerberater." Die altruistische Abhilfe: "Seit ich ihn beim Finanzamt angezeigt habe, ist alles ganz anders. Da gibt's Kuchen und die Kinder freuen sich immer, wenn er mal Freigang hat."

Auch die neue Therapie aus Amerika - "Trump up your life!" - habe ihn verändert, gestand Schmidtke. "Ich bin eine Mischung aus Egoist und Narzist - ein Egozist." Mit interessanten Auswirkungen: "Neulich waren die Zeugen Jehovas an der Tür: Guten Tag, haben Sie Zeit, um über Gott zu sprechen? Da habe ich gesagt: Sehr gerne. Und erst mal zwei Stunden erzählt." Die Kollegen seien dann zu den Nachbarn gegangen und fortan hieß es: "Guten Tag, haben Sie Zeit, um über Henning Schmidtke zu sprechen?" Willkommen im "Egoland"!

Die Frage nach dem Humor, die Schmidtke zu Beginn gestellt hatte, war nach dem ersten Mitsingteil schnell beantwortet: "Moment mal, wir haben doch gar nichts einstudiert! Abwarten - so konditioniert sind Sie als Deutsche", sagte Schmditke am Klavier. Nach den ersten Takten von "Marmor, Stein und Eisen bricht" und "Aber bitte mit Sahne" stieg der Klosterkirchen-Chor mit ein. Hier zeigte Schmidkte, dass er auch als Parodist taugte.

Stichwort Unentschlossenheit: Etwas davon war im Programm zu spüren. Denn die Musiknummer war Comedy - sie funktionierte wunderbar. Dann verlegte Schmidtke sich auf Satire: "Kik ist eine Kleiderkammer, die von Ehrenamtlern in Bangladesch betrieben wird. Oft genug arbeiten die Näherinnen dort für umme."

Das war so böse wie wahr - und irgendwie stand ihm das Kabarett doch besser. Nur ab und zu noch haute er auch Kalauer raus: "Ich bin jetzt Pate eines rumänischen Waisenkindes. Ich bin also jetzt Patenonkel. Oder: Kar-Patenonkel." Also eine gemischte Angelegenheit? Ja, allerdings in beiden Genres auf hohem Niveau. Und damit eine runde Sache.

Quelle: RP
 
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