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Remscheid
Comedy-Workout für die Lachmuskeln

Remscheid. John Doyle, Wahl-Kölner mit amerikanischen Wurzeln, traf im Rotationstheater den Nerv des Publikums. Von Wolfgang Weitzdörfer

"Voll der Stress" - bei einem solchen Programmtitel ist man in Sachen Samstagabendunterhaltung erst einmal zurückhaltend. Doch der Titel von John Doyles neuem Soloprogramm ist keineswegs Programm - im Gegenteil: Den einzigen Stress hatten im mit rund 100 Zuschauern proppevollen Rotationstheater die Lachmuskeln des Publikums. Comedy-Workout der besonderen Klasse. Der gebürtige US-Amerikaner Doyle lebt seit Ende der 90er Jahre in Köln und analysiert nach ersten Gehversuchen im englischsprachigen Programm der Deutschen Welle sowie in diversen Lokalradios mit einem Augenzwinkern die hiesige Gesellschaft aus der Sicht eines Amerikaners.

Dabei sei er als Ami auch ein Gewinner der aktuellen Willkommenskultur in Deutschland: "Wir Amis sind da jetzt wieder höher im Kurs..." Da er selbst Ausländer ist, konnte er durchaus ein wenig über den Dingen stehen und die wohlgemeinten Bemühungen der Deutschen aus der Entfernung betrachten: "Ich habe einen Kumpel aus Afrika. Die Leute wollen nett zu ihm sein und ihm helfen. Aber dann sprechen sie absichtlich falsch: 'Sie Brötchen wollen?', meinte etwa eine Dame zu ihm beim Bäcker. Er meinte da nur zu mir: 'Scheiße, die spricht ja schlechter Deutsch als ich!'" Kraftausdrücke waren dabei durchaus eher die Norm als die Ausnahme, gleiches galt für eine Schlagseite in Richtung der Horizontalen - was die Themenwahl anging. Als klassischer Stand-up-Comedian, eine Tradition, die ja aus den USA kommt, haute der 52-Jährige auch einen Kalauer nach dem anderen ins dankbare Publikum. Viele waren gelungen, etwa die Episoden über seinen pubertierenden Sohn oder die Schilderung, wie er bei Karstadt einen Herren-Tanga kaufen wollte und beim Anprobieren des Stückchen Stoffs hilfesuchend im Quasi-Adamskostüm auf der Suche nach einer Verkäuferin durch das Kaufhaus taperte, nur um dann den trockenen Kommentar zu ernten: "Ich kann Ihnen jetzt nicht helfen, ich habe Mittagspause."

Manchmal war es eher platt: "Ich bin neidisch auf meinen Kumpel, weil der mit seiner neuen Freundin in jedem Zimmer seiner Wohnung Sex hat. Ich habe ihn gefragt, wie viele Zimmer er denn habe, worauf er antwortete: Eines."

Das Thema Alter nahm Doyle mit Humor: "In Deutschland kann man ja über seine Schmerzen reden. Auf die Frage wie es einem geht, kann man sagen: 'Gut, aber...' Das 'gut' heißt: Ich werde nicht dran sterben, das 'aber...' heißt: aber es ist knapp." John Doyle mochte Stress gehabt haben: Für sein Publikum war es indes ein Heidenspaß, ihm beim Bearbeiten dieser Stressmomente zuzusehen. Das jedenfalls spiegelte sich im Zwischenapplaus und der guten Laune deutlich wider.

Quelle: RP
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